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Gespaltene Slowakei Viel Mut und Kampfeslust statt Angst beim CSD in Bratislava

Von ms - 20.07.2026 - 14:30 Uhr
Gespaltene Slowakei
Foto: IMAGO / Pond5 Images
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In einem sehr angespannten politischen Klima sind bei der 16. Pride-Parade in der slowakischen Hauptstadt Bratislava Menschen für die Rechte von LGBTIQ+-Personen auf die Straße gegangen. Unter dem Motto „Mut“ wollten die Organisatorinnen und Organisatoren ein Zeichen für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung setzen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die 16. Pride-Parade in Bratislava stand unter dem Motto „Mut“.
  • Die Organisatoren kritisieren eine zunehmende Einschränkung der Rechte von LGBTIQ+-Menschen in der Slowakei.
  • Während der Demonstration wurde an die Opfer des Anschlags auf die Bar Tepláreň erinnert.
  • Internationale Politiker nahmen an der Pride teil.
  • Parallel fand erneut ein konservativer Familienmarsch statt.
  • Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit einem Großaufgebot ab.

Gefährliches Klima im Land 

Nach Angaben des CSD-Teams sollte das diesjährige Motto auch auf die Entwicklungen im Nachbarland Ungarn verweisen und zeigen, dass eine engagierte LGBTIQ+-Gemeinschaft politische Veränderungen anstoßen könne. Hauptorganisator Martin Macko kritisierte die aktuelle Gesetzgebung in der Slowakei deutlich. „Die Welt wird immer offener, doch die slowakischen Gesetze grenzen immer mehr aus. Das Parlament hat vor Kurzem eine Verfassungsänderung beschlossen, die von den ungarischen Regeln inspiriert ist. Demnach dürfen gleichgeschlechtliche Paare nicht heiraten, und der Staat erkennt nicht einmal an, dass es trans* Menschen gibt.“ Auch unter den Teilnehmern wurde die gesellschaftliche Stimmung thematisiert. Eine Besucherin der Pride, die anonym bleiben wollte, sagte: „Die meisten Menschen hier sind sehr homophob.“

Ministerpräsident Robert Fico hatte die Ehe für alle in der Vergangenheit mit der „Ehe zwischen Hund und Katze“ verglichen. Zudem gilt seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2025 in der Slowakei ausschließlich die Ehe zwischen Mann und Frau. Rado Sloboda, Direktor von Amnesty International Slowakei, erklärte: „Diese Reihe von Gesetzesänderungen stellt einen Versuch dar, ein Umfeld zu stärken, das den Rechten von LGBTIQ+-Personen zunehmend feindlich gegenübersteht, und untergräbt die Gleichstellung der Geschlechter, die Rechtsstaatlichkeit und ganz allgemein den Schutz der Menschenrechte in der Slowakei.“

Gedenken an Opfer

Die Teilnehmenden versammelten sich zunächst auf dem Freiheitsplatz (Námestie slobody) in der Nähe des Regierungssitzes. Nach einem Kulturprogramm zog der Demonstrationszug auf einer weitgehend unveränderten Route durch die Innenstadt und kehrte anschließend zum Ausgangspunkt zurück. Dort endete die Veranstaltung mit Konzerten bis in den Abend. Eine zentrale Station war erneut die ehemalige Bar Tepláreň. Dort hatte im Oktober 2022 ein rechtsextremer Täter zwei Menschen erschossen. Die Teilnehmer gedachten der Opfer. Ihr Tod gilt als Wendepunkt für die LGBTIQ+-Bewegung in der Slowakei.

Zu den Hauptrednerinnen gehörte Silvia Porubänová, Geschäftsführerin des Slowakischen Nationalen Menschenrechtszentrums. Sie verwies auf die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft und betonte die Bedeutung von Sichtbarkeit. „Das Schlüsselwort des diesjährigen Pride ist Mut. Mut, sichtbar zu sein, wir selbst zu sein und für unsere Rechte einzustehen. Die meisten von uns haben das Gefühl, dass wir in schwierigen Zeiten leben und dass unsere Gesellschaft immer stärker polarisiert ist.“

Unterstützung und Gegenprotest

An der Pride beteiligten sich auch Politikerinnen und Politiker aus dem Ausland. Die französische Europaabgeordnete Mélissa Camara erklärte, Angriffe auf die Rechte von Frauen und queeren Menschen seien häufig ein Warnsignal für weitergehende Angriffe auf demokratische Institutionen. Aus Sicherheitsgründen gaben die Veranstalter den genauen Verlauf der Demonstration erneut erst kurzfristig bekannt. 

Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort und sicherte die Veranstaltung ab. Nach Angaben der Behörden verlief die Pride ohne Zwischenfälle. Zeitgleich fand in Bratislava erneut der konservative Marsch „Hrdí na rodinu“ („Wir sind stolz auf die Familie“) statt. Die Teilnehmer warben unter dem Motto „Die Ehe schützt Kinder“ für das traditionelle Familienmodell. Sie trugen rote Luftballons mit der Aufschrift „Mama und Papa für immer“.

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