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Flucht aus Nigeria
Foto: iStock / gorodenkoff
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Flucht aus Nigeria Keine Zukunft für gutausgebildete LGBTIQ+-Menschen

ms - 27.01.2026 - 14:00 Uhr
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Die Lage in Nigeria für LGBTIQ+-Menschen bleibt extrem angespannt und gefährlich, Homosexualität ist bis heute illegal, Konversionstherapien nahmen zuletzt rapide zu. Eine neue Studie zeigt dabei nun auf, dass aufgrund dessen 94 Prozent der gutausgebildeten queeren und homosexuellen Fachkräfte auswandern wollen. In den kommenden zehn Jahren könnte Nigeria dadurch nach seriösen Schätzungen einen Verlust von bis zu 31 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung erleiden.

Viele junge queere Facharbeiter 

Grundlage ist der erste LGBTQ+ Workforce Pulse Report für Nigeria, der auf einer Befragung von queeren und homosexuellen Fachkräften aus unterschiedlichen Städten und Branchen basiert. Die Erhebung zeichnet das Bild eines überwiegend jungen und hoch qualifizierten Talentpools, der systematisch vom Zugang zu stabiler Beschäftigung ausgeschlossen ist.

85 Prozent der Befragten sind jünger als 35 Jahre, ebenso 85 Prozent verfügen über einen Bachelorabschluss oder einen höheren Bildungsabschluss. Dennoch liegt die Arbeitslosigkeit unter LGBTIQ+-Hochschulabsolventen bei 26 Prozent und damit über dem nationalen Durchschnitt von 22 Prozent. Viele weitere Befragte sind unterbeschäftigt oder in prekären Arbeitsverhältnissen tätig.

Ablehnung von LGBTIQ+-Fachkräften

Arbeitgeber nutzten häufig Begriffe wie „kulturell schwierige Anpassung“, „unterschiedliche Werte“ oder „fehlendes professionelles Auftreten“, um queere Bewerberinnen und Bewerber auszugrenzen, heißt es in dem Bericht weiter. Eine befragte Person schrieb: „Ich habe zwei Abschlüsse, drei Zertifikate und vier Jahre voller Absagen. Meine heterosexuellen Kommilitonen mit der Hälfte meiner Qualifikationen sind heute Führungskräfte.“ Eine andere erklärte: „Ich war es leid, auf dem Papier besser zu sein, aber im echten Leben unsichtbar.“ Von den Befragten waren 35 Prozent schwule Männer sowie sechs Prozent lesbische Frauen und 20 Prozent Bisexuelle. 22 Prozent definierten sich als queer.  

Die Beschäftigungssituation gilt laut Studie als besonders instabil. Nur 21,3 Prozent der Befragten haben eine Vollzeitstelle. 26 Prozent sind arbeitslos, 14 Prozent selbstständig, sechs Prozent arbeiten in Teilzeit. Weitere 32,7 Prozent verfügen über so unregelmäßige oder unsichere Einkommensquellen, dass sie keinem festen Beschäftigungsstatus zugeordnet werden konnten. Fast sieben von zehn Befragten berichteten zudem von Diskriminierung oder Benachteiligung am Arbeitsplatz. Dazu zählen verwehrte Beförderungen nach einem unfreiwilligen Outing ebenso wie abwertende Kommentare zu Kleidung, Stimme oder Verhalten. 

Jobs nur bei internationalen Firmen 

Zugang zur Wirtschaft finden queere Fachkräfte demnach vor allem in Bereichen mit internationalem Einfluss, etwa in der Tech-Branche, bei internationalen Nichtregierungsorganisationen oder in Teilen der Kreativwirtschaft. Ein Designer sagte dazu: „Tech ist der einzige Ort, an dem ich existieren konnte, ohne jede Version meiner selbst vorher einzuüben.“

Trotz der schwierigen Bedingungen bauen queere Nigerianer informelle Unterstützungsstrukturen auf, etwa über Mentoring-Netzwerke, Jobgruppen in Messengerdiensten oder gegenseitige Empfehlungen. 87 Prozent der Befragten gaben an, sich Mentoring zu wünschen, 73 Prozent streben eine stärkere fachliche und Führungskräftequalifizierung an, 91 Prozent wünschen sich strukturierte Karriereberatung.

Massive Nachteile – für Nigeria 

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die wirtschaftlichen Kosten der Ausgrenzung erheblich sind. Gleichzeitig zeigen internationale Untersuchungen, dass inklusive Arbeitsumfelder Produktivitätssteigerungen von 30 bis 40 Prozent erzielen können. Auf nationaler Ebene könnte Chancengleichheit demnach ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von bis zu 1,7 Prozent ermöglichen. Der Bericht stellt abschließend die Frage, wie sich Nigerias Zukunft entwickeln würde, wenn queere Fachkräfte die gleichen Chancen erhielten wie andere. Talent und Qualifikation seien vorhanden, heißt es – begrenzt würden sie vor allem durch strukturelle Barrieren und Diskriminierung.

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