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Flucht aus Nigeria Ein 17-jähriger Schwuler und der Traum von Freiheit

Von ms - 21.07.2026 - 13:30 Uhr
Flucht aus Nigeria
Foto: X / 17-Jähriger / privat / Bearbeitung FASH Medien
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Homophobie, Hass und Gewalt gegenüber schwulen Männern nehmen in Nigeria immer weiter zu, seit Jahresbeginn verlassen auch verstärkt vor allem schwule Fachkräfte das Land, wenn möglich. Auf X berichtete in diesen Tagen ein junger Mann über sein Schicksal und sorgte damit für viele Aufmerksamkeit. Der 17-jährige Lamine lebt mit einer Angst, die seinen gesamten Alltag bestimmt. Der Jugendliche aus dem Süden Nigerias ist schwul – in einem Land, in dem Homosexualität strafbar ist und bereits der Verdacht auf eine homosexuelle Orientierung lebensgefährlich werden kann. Sein größter Wunsch ist es deshalb, Nigeria zu verlassen.

Das Wichtigste im Überblick

  • 17-jähriger Nigerianer schildert sein Leben als schwuler Jugendlicher in einem Land, in dem Homosexualität strafbar ist.
  • Aus Angst vor Verfolgung besucht er keine Schule mehr und versteckt seine Identität vor Teilen seiner Familie.
  • Unterstützung erhält er nur von seinen Schwestern, die ihm bei seinen Fluchtplänen helfen.
  • Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden in Nigeria mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft, in einigen Regionen droht sogar die Todesstrafe.
  • Menschenrechtsorganisationen dokumentieren regelmäßig Diskriminierung, willkürliche Festnahmen und Gewalt gegen Homosexuelle. 

Ehrenmorde in der Familie 

Im Herbst wird Lamine 18 Jahre alt. Doch die Volljährigkeit werde an seiner Situation kaum etwas ändern. Nach eigenen Angaben besucht er inzwischen keine Schule mehr und lebt gemeinsam mit seinen Schwestern, die ihn unterstützen und ihm helfen wollen, eines Tages ins Ausland zu fliehen. Bei ihnen könne er sein, wie er sei. Dort müsse er nicht jedes Wort abwägen, könne tanzen, Selfies machen oder sich in sozialen Netzwerken ausdrücken. Seinen Brüdern hingegen habe er seine sexuelle Orientierung nie offenbart. Der Grund sei die Angst vor deren Reaktion. Homophobe Bemerkungen hätten ihm früh gezeigt, dass Offenheit für ihn gefährlich sein könnte. In Nigeria könne eine Familie ihren schwulen Sohn sogar töten, um gesellschaftlicher Ächtung zu entgehen.

Alltag im Verborgenen

Schon der Verdacht, lesbisch oder schwul zu sein, könne in Nigeria Angriffe durch Menschenmengen oder polizeiliche Maßnahmen auslösen. Deshalb habe sich sein Leben als schwuler Jugendlicher bislang fast ausschließlich im Verborgenen abgespielt. Er wisse zwar, dass er sich zu Männern hingezogen fühle, habe aber nie eine Beziehung geführt, keine anderen LGBTIQ+-Personen persönlich kennengelernt und keinen homosexuellen Treffpunkt besucht. „Ich habe noch nie jemanden geküsst“, so der Jugendliche weiter. 

Auf Instagram zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Dort veröffentlicht Lamine Beiträge über schwulen Stolz, träumt von gleichgeschlechtlichen Paaren und äußert sich offen politisch. Sein derzeitiges Ziel sei jedoch nicht die Schule, sondern die Flucht. Seine gesamte Energie konzentriere sich darauf, einen Weg aus Nigeria zu finden. „Erzählt bitte meine Geschichte. Wichtig ist, die Situation öffentlich zu machen.“ Er wolle auf die Lage von homosexuellen Personen aufmerksam machen und in ein Land ziehen, in dem er ohne Angst leben könne. Dort wolle er seine Ausbildung fortsetzen und sich eine Zukunft aufbauen.

Homosexualität ist strafbar

Die rechtliche Situation für homosexuelle Menschen in Nigeria zählt zu den härtesten weltweit. Im Süden des Landes drohen nach dem Strafgesetzbuch und dem Same Sex Marriage Prohibition Act von 2014 für gleichgeschlechtliche Beziehungen Freiheitsstrafen von bis zu 14 Jahren. Darüber hinaus sind gleichgeschlechtliche Ehen, öffentliche Zuneigungsbekundungen sowie die Gründung oder Unterstützung von LGBTIQ+-Organisationen verboten. In zwölf nördlichen Bundesstaaten gilt zusätzlich die Scharia. Dort kann homosexuellen Männern die Todesstrafe durch Steinigung drohen. Frauen müssen mit Auspeitschung und Gefängnis rechnen. Menschenrechtsorganisationen berichten regelmäßig über Diskriminierung, willkürliche Festnahmen und gewaltsame Übergriffe gegen Lesben und Schwulen. 

Gewalt auch an Universitäten

Vor einigen Wochen veröffentlichte Lamine ein Video über einen mutmaßlich homophoben Angriff in einem Studentenwohnheim in Lagos. Zu sehen sei eine brutale Gruppenattacke auf eine homosexuelle Person. Nach seiner Darstellung hätten Hochschulverantwortliche nicht schnell genug eingegriffen. Das Video habe ihn in seiner Überzeugung bestärkt, dass selbst Universitäten für homosexuelle Menschen in Nigeria keine sicheren Orte seien. Deshalb habe er die Aufnahmen veröffentlicht, um Menschen außerhalb des Landes zu zeigen, warum viele Betroffene aus Angst schweigen.

Bislang sei er selbst noch nicht körperlich angegriffen worden. Dennoch lebe er in dem Bewusstsein, dass bereits ein Gerücht oder eine falsch interpretierte Geste sein Leben grundlegend verändern könne. Auf die Frage nach seinem größten Traum nennt der 17-Jährige keinen Beruf und keine Karriere. „Ich wünsche mir ein Leben, in dem ich als schwuler Mensch einfach hinausgehen und frei leben kann.“ Nach seinem 18. Geburtstag wolle er einen neuen Versuch starten, Nigeria zu verlassen. Dann hoffe er, seine Geschichte eines Tages unter seinem echten Namen erzählen zu können.

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