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Finanzgier gilt als Tatmotiv Brasilien: Erbschaftsmord an gleichgeschlechtlichem Paar

Von mr - 13.11.2025 - 13:30 Uhr
Brasilien: Erbschaftsmord an gleichgeschlechtlichem Paar
Foto: © iStock / AzmanL
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Ein langjähriges gleichgeschlechtliches Paar in Brasilien stirbt – Ermittlungen führen zu dunklen Motiven.

Am 26. Juni dieses Jahres wurde in der brasilianischen Stadt Governador Valadares ein Kriminalfall bekannt, der weit über die Region hinaus für Entsetzen sorgt: Everaldo Gregório de Souza (60) und Thomas Stephen Lydon (65), seit über 30 Jahren ein Paar, wurden Opfer eines mutmaßlich heimtückisch geplanten Doppelmordes. Nach intensiven polizeilichen Untersuchungen steht fest: Beide Männer wurden gezielt mit der Substanz Fenobarbital vergiftet – mutmaßlich von einem engen Freund sowie der Schwester eines der Opfer. Hintergrund des Verbrechens ist offenbar die Gier nach einer Erbschaft in Millionenhöhe.

 

Ermittlungen enthüllen gezielte Vergiftung

Zunächst galten die Todesfälle als natürliche Ereignisse, was nach Angaben von Angehörigen auch mit der Isolierung des Paares von ihrer Familie zusammenhing. Erst eine nachträgliche Exhumierung der Leichname auf Drängen von Familienmitgliedern förderte die Todesursache ans Licht: Die toxikologischen Gutachten belegten die tödliche Vergiftung mit Fenobarbital – ein Beruhigungsmittel, das bei Überdosierung schnell zum Tod führen kann. Besonders auffällig ist der zeitliche Abstand des Todes der Opfer: Während Thomas Stephen Lydon bereits am 20. Juni starb, verstarb sein langjähriger Partner sechs Tage später – beide an den Folgen der Vergiftung.

Die Ermittlungen führten rasch zu zwei Verdächtigen: Die Schwester von Everaldo sowie ein gemeinsamer Freund des Paares stehen im Verdacht, aus finanziellen Motiven gehandelt und den Mord akribisch vorbereitet zu haben. Beide wurden inzwischen festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft. Laut Polizei sollen sie nach dem Tod der Männer mehr als 1,3 Millionen Reais (umgerechnet ca. 240.000 Euro) an Vermögenswerten des Paares zu eigenen Gunsten transferiert haben. Damit besteht der Verdacht auf Doppelmord sowie zusätzlichen Betrug.

 

Finanzgier als zentrales Tatmotiv

Das Ermittlungsverfahren der Polícia Civil de Minas Gerais konzentriert sich besonders auf die Frage nach dem genauen Ablauf und der Motivation der Tat. Durch gezielte Nachforschungen im Umfeld der beiden Opfer sowie Auswertungen von Vermögensverschiebungen konnte ein konkreter Tatverdacht begründet werden. Polizeiliche Quellen betonten, dass solch gezielte Vergiftungen selten seien – und typischerweise von Menschen geplant werden, die dem sozialen Umfeld der Opfer eng verbunden sind.

Untersuchungen legen nahe, dass es wiederholt zu Konflikten und Spannungen rund um das Erbe des Paares gekommen war. Das Vermögen, welches sich nach neuesten Erkenntnissen vor allem aus Immobilien und Bankguthaben zusammensetzte, machte das Paar zum Ziel skrupelloser Habgier. Die Ermittlerinnen und Ermittler sprachen davon, dass die in solchen Fällen besonders häufig auftretende Kombination aus familiären Bindungen, persönlicher Nähe und finanziellem Interesse die Situation verschärft habe. Gerade bei älteren Paaren ohne direkte Nachkommen wirkt die Unsicherheit über das Erbe oft als Brandbeschleuniger für familiäre Konflikte.

Vergleichbare Fälle sind laut Fachleuten keine Ausnahme: In Brasilien werden jährlich zahlreiche mutmaßliche Mordfälle im familiären Umfeld durch Erbstreitigkeiten ausgelöst. Schätzungen zufolge sind etwa 10 bis 15 Prozent aller Tötungsdelikte in Haushalten mit vermögenden Angehörigen auf finanzielle Motive zurückzuführen.

 

Stimmen zu einem erschütternden Verbrechen

Die Schwester eines der Opfer, die nicht zum Kreis der Verdächtigen zählt, äußerte in einer ersten Stellungnahme:

„Wir hatten keinen Kontakt mehr zum Paar, wurden von allen Informationen ferngehalten. Vom Tod meines Bruders erfuhren wir erst nach der Beerdigung – das löste den Verdacht aus, dass hier etwas vertuscht werden sollte.“
– Schwester von Everaldo Gregório de Souza

Expertinnen und Experten betonen, dass bestehende Regeln, die den Zugang zu Testamenten und Informationen über den Nachlass schützen sollen, im brasilianischen Recht zwar existieren, aber zu leicht umgangen werden können, wie in diesem tragischen Fall sichtbar wurde.

 

Konsequenzen und Bedeutung für den Opferschutz

Der derzeitige Stand der Ermittlungen lässt klar werden, wie wichtig ein effizienter Opferschutz und transparente Regelungen im Umgang mit Erbschaften sind – insbesondere für ältere Paare ohne Kinder oder nahe Verwandte. Die brasilianische Polizei prüft derzeit intensiv, inwieweit Notare und Behörden in die offenbar unauffällig vollzogenen Vermögensübertragungen nach dem Tod des Paares eingebunden waren. Ein Abschlussbericht mit der genauen Rekonstruktion der Geschehnisse steht noch aus. Bereits jetzt ist aber absehbar, dass der Fall neue Debatten über die Stärkung des Schutzes vulnerabler Gruppen und die Verschärfung strafrechtlicher Sanktionen bei Erbmord entfachen wird.

Zugleich weist der Fall einmal mehr auf die oftmals unsichtbare Bedrohungslage hin, der gleichgeschlechtliche Paare in vielen Teilen der Welt auch heute noch ausgesetzt sind – sei es durch gesellschaftliche Diskriminierung oder durch mangelnden Familienschutz. In Brasilien, wo homosexuellenfeindliche Delikte in den letzten Jahren mehrfach zugenommen haben, wird in LGBTIQ+-Verbänden erneut lautstark gefordert, alle bestehenden Rechtslücken konsequent zu schließen.

 

Perspektive

Das traurige Schicksal von Everaldo Gregório de Souza und Thomas Stephen Lydon verdeutlicht, wie entscheidend die Weiterentwicklung von gesetzlichen Schutzmechanismen und die offene gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Erbrecht, Familienschutz und Diskriminierung sind. Die Ermittlungen laufen weiter – doch schon jetzt markiert der Fall einen Weckruf für Justiz und Gesellschaft gleichermaßen.

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