Direkt zum Inhalt

Fake News in Georgien Pro-russische Regierung wettert gegen Community

Von ms - 14.10.2025 - 15:00 Uhr
Fake News in Georgien
Foto: iStock / andriano_cz
ANZEIGE
Loading audio player...

Seit dem Anti-LGBTIQ+-Gesetz in Georgien 2024 geht die Regierung immer rabiater gegen die Community vor, auch mögliche Sanktionen der EU schrecken das Land bisher nicht ab. Nun verbreitet die Regierungspartei Georgian Dream verstärkt auch noch Verschwörungstheorien, homophobe Mythen und Fake News über LGBTIQ+. Ziel scheint es einerseits zu sein, queere Menschen weiter zu diskreditieren und andererseits die Europäische Union zu verteufeln. 

Aussetzen der Visumsfreiheit?

Damit reagiert die Landesführung auf die jüngsten Beschlüsse des EU-Parlaments, das letzte Woche ein neues Gesetz verabschiedete, das es der EU erleichtert, die Visumfreiheit für Länder auszusetzen, wenn diese ein Sicherheitsrisiko darstellen oder Menschenrechte verletzen – letzteres prangerte die EU bereits deutlich gegenüber Georgien an und sprach von einem „schwerwiegenden Rückschritt in Sachen Demokratie”. Die Regierung schütze queere Menschen nicht und erlasse zudem antidemokratische Gesetze. Die First zur Änderungen dieser eklatanten Misslage lief Ende August dieses Jahres seitens der EU aus. 

Meinungsmanipulation der Bevölkerung 

Offenbar ist es das Ziel von Georgian Dream und weiteren pro-russischen Gruppen im Land, einen tiefen Keil zwischen die EU und dem Land zu treiben und schlussendlich ein erneutes Referendum über die geplanten EU-Beitrittsbemühungen einzuleiten. Würde das Land sich als EU-Beitrittskandidat zurückziehen, könnte es sich noch stärker der Linie Russlands zuwenden, auch wenn das dem Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung zuwiderläuft, wie die jüngste Umfrage von Eurasia Daily Monitor zeigte. 

Daher kommt es nun verstärkt zum Angriff auf die Community, die einmal mehr als Sündenbock herhalten soll. Verschiedene pro-russische Verbände werfen der EU vor, gefährliche „LGBTIQ+-Propaganda“ zu verbreiten – so werde die „nationale Identität Georgiens“ ausgelöscht. Zudem verbreiten die Gruppen auch direkt Fake News und behaupten unter anderem, die EU fordere die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe – eine Lüge. „Die Anschuldigung, dass die Europäische Union Georgien wegen seiner traditionellen Familienwerte bestraft, ist schlichtweg falsch. Der Schutz, die Förderung und die Einhaltung der Menschenrechte stehen im Mittelpunkt der Zusammenarbeit zwischen Georgien und der Europäischen Union. Dies sind Werte, die sowohl Georgien als auch die Europäische Union teilen“, so Markus Lammert, Sprecher der EU-Kommission. 

Mehrheit der Bürger für die EU

Der Kampf um die Wahrheit geht weiter – die Desinformation der Bürger bleibt das Ziel der pro-russischen Seite. Zuletzt legte jetzt Premierminister Irakli Kobakhidze nach und erklärte, das Land folge lediglich vernünftigen Empfehlungen, weigere sich jedoch, „unangemessenen Forderungen” der Europäischen Union nachzukommen. Andere hochrangige Politiker beteuerten, man werde sich nicht von der EU erpressen oder manipulieren lassen. Um jeden Preis will die Regierung erzwingen, dass sich die Stimmung im Land ändert und Georgien sich so nicht weiter bis 2028 auf eine EU-Mitgliedschaft vorbereiten muss. 

Laut einer Umfrage von August dieses Jahres von CRRC-Georgia sind 78 Prozent der Bevölkerung nach wie vor der EU zugewandt und halten eine mögliche Aussetzung der Visafreiheit für schädlich. Etwa 51 Prozent der Bürger würde der Partei Georgian Dream die Schuld daran gaben, nur 13 Prozent der EU. Ähnlich die Zustimmung beim Eurobarometer: Der Umfrage zufolge würden 74 Prozent der Bevölkerung einen Beitritt zur Europäischen Union unterstützen. Darüber hinaus glauben 80 Prozent, dass eine EU-Mitgliedschaft dem Land mehr Vorteile als Nachteile bringen würde.

Radikale Lügen über LGBTIQ+

Die Angriffe gegen LGBTIQ+ nehmen daher zuletzt immer mehr an Fahrt auf, keine These ist unglaubwürdig genug, um nicht Einzug in ihre Verbalattacken zu finden. In den USA habe sich die Zahl der LGBTIQ+-Personen binnen der letzten sieben Jahren nur aufgrund von queerer Propaganda verdreifacht, so eine Behauptung. Die EU wolle das Land an einen Ort führen, an dem „gleichgeschlechtliche Ehen, Schwulenparaden und Pädophilie als Norm gelten“ würden. Der christliche Humanismus werde ausgelöscht, die Jugend zur Homo-Ehe gedrängt.  

Und die pro-russische Organisation „United Neutral Georgia“ initiierte direkt eine unseriöse Befragung mit dem Satz: „Will die georgische Gesellschaft Mitglied einer Union werden, deren Hauptforderungen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe, die Förderung von LGBT-Propaganda, die Aufgabe der Souveränität und die Auslöschung der Identität Georgiens sind?“ 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.