Direkt zum Inhalt

Eklat in Köln Bei einer Schuleinweihung mit Kardinal Woelki wurde Eltern und Lehrer verboten, Regenbogen-Symbole zu zeigen

Von ms - 08.07.2025 - 11:00 Uhr
Eklat in Köln
Foto: IMAGO / Panama Pictures
ANZEIGE
Loading audio player...

In Köln wurde gestern der neue, rund 80 Millionen Euro teure Erzbischöfliche Bildungscampus eingeweiht – mit dabei war auch der immer wieder stark umstrittene Kardinal Rainer Maria Woelki. Die Feierlichkeiten endeten dabei am Montag in einem Eklat, Streitpunkt waren dabei Regenbogenfahnen. 

Verbot von Regenbogen-Symbolen

Einen Tag nach dem Kölner CSD wurde in Köln-Kalk der neue Campus eingeweiht, doch im Vorfeld wurden nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers Mitarbeiter und Eltern von der Schulleitung schriftlich dazu aufgefordert, „provokative Kleidung“ und jedwede Symbole der LGBTIQ+-Community zu unterlassen. Als Beispiel wurde unter anderem eine Krawatte in Regenbogenfarben genannt. Laut Bistumssprecher Wolfram Eberhardt sei es darum gegangen, „gesellschaftliche Kontroversen bei diesem festlichen Anlass außen vor zu lassen.“

Eine größere Gruppe von Eltern sowie auch einzelne Lehrkräfte wollten die Zensur nicht stillschweigend hinnehmen, gemeinsam protestierten sie deswegen kunterbunt gegen die Anordnung: Aus dem Fenster eines Klassenzimmers wehte so die Regenbogenfahne, Kinder und Eltern trugen Regenbogen-Sticker an der Kleidung und die Canapés am Buffet waren allesamt mit Regenbogenfähnchen geschmückt. 

Gemeindereferentin des Geländes verwiesen

Die Schulleitung reagierte offenbar harsch, versuchte immer wieder, die bunten Symbole zu entfernen und verwies sogar die Gemeindereferentin von Vingst/Höhenberg, Marianne Arndt, des Geländes. Sie berichtete von massivem Druck seitens der Schulleitung des Erzbistums. „Wo kommen wir hin, wenn der Träger dieser Schule schon bei der Eröffnung so agiert? Ich finde es unsäglich, welch große Angst man vor Menschen zu haben scheint, die ein Symbol der Freiheit, des Friedens und der Toleranz zeigen – und das an einer Schule, die beansprucht, für alle da zu sein. Wer an einer kirchlichen Bildungseinrichtung lehrt, lernt und lebt, soll keine Angst haben müssen“, so die Seelsorgerin gegenüber dem Kölner Anzeiger. 

Der Fachbereichsleiter Thomas Kamphausen soll Arndt aufgefordert haben, das Gelände sofort zu verlassen, weil sie selbst Regenbogen-Sticker verteilt hatte. Gegenüber eines Elternteils soll Kamphausen zudem erklärt haben, das Regenbogen-Signets ein „Kampfsymbol gegen das Erzbistum“ sowie gegen die katholische Kirche seien. Sie hätten an dieser Schule daher nichts zu suchen. Eine Nachfrage des Kölner Stadt-Anzeigers dazu blieb unbeantwortet. Einige Geistliche widersetzten sich trotzdem dem Verbot, auch ein Pfarrer trug während der Messe einen Regenbogen-Sticker. Ein lesbisches Elternpaar war aufgefordert worden, eine Tasche in Regenbogen-Farben nicht mit in die Schule zu nehmen: „Wir haben uns da gefragt, ob unsere Kinder hier an der richtigen Schule sind. Der Protest heute ist auf jeden Fall richtig. Wir sind hier sonst auch nie diskriminiert worden, die Lehrerinnen und Lehrer sind sehr offen und tolerant.“ 

„Rückwärtsgewandt und absurd“

Der neue Campus beherbergt eine Grundschule sowie eine integrierte Gesamtschule, bewusst gewählt am Standort Kalk. Die Schüler sind zu gleichen Teilen katholisch, muslimisch oder konfessionslos. Woelki betonte in seiner Rede dabei die neue Vielfalt an der Bildungseinrichtung – nur für queere Vielfalt scheint der Kardinal einmal mehr nichts übrig zu haben. Bis heute stemmt sich Woelki rabiat gegen eine Reform in der römisch-katholischen Kirche sowie gegen mehr Rechte für Homosexuelle in der Institution. 

Mehrere Väter und Mütter erklärten während der Eröffnungsfeier: „Sexuelle Vielfalt an einer Schule, die sich explizit als Schule für alle versteht, zu verbieten, erschien uns als rückwärtsgewandt und geradezu absurd.“ Ein Vater betonte: „Ohne die Aufforderung, keine Regenbogen-Farben zu tragen, hätten wir heute ein unbeschwertes Fest gefeiert. Auch die Lehrerinnen und Lehrer sind so in eine schwierige Lage gebracht worden. Wir konnten dieses Zeichen der Intoleranz so nicht stehen lassen. Die Aufforderung bedeutet nicht nur eine Diskriminierung, sondern ist aus meiner Sicht nicht mit dem Grundgesetz vereinbar“. Eine Mutter ergänzte: „Manche haben jetzt die Sorge: Wenn mein Kind queer ist, ist es hier nicht erwünscht.“ 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Die Presse„Irgendwann hasste ich es, ein Mädchen zu sein“: Fußballerin sein im Iran [premium]tazMidtermwahlen in den USA: Ein bisschen mehr Regenbogenntv"Wo ist dein Problem?": Marco Schreyl erläutert sein Coming-outDER SPIEGELDemokraten-Erfolg bei den Midterms: Dies ist Amerikas neue GardeAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie stark empfindest du den Schönheitsdruck in der schwulen Community?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Demokraten unter Druck

Wahlsieg mit Widersprüchen

Nach dem historischen Wahlsieg der Demokraten fordert die Human Rights Campaign einen konsequenten Schutz von LGBTIQ+-Rechten.
Hubert Aiwanger ist tot

Streit um queere Sichtbarkeit

Bayerns Vize-Regierungschef starb mit 55 Jahren. Seine Angriffe auf Drag-Lesungen und Conchita Wurst sorgten für Streit.
Neonazis vernetzen sich

Homophobie verbindet Rechtsextreme

Ukrainischstämmige Neonazis vernetzen sich in Baden-Württemberg mit deutschen Rechtsextremen. Besonders LGBTIQ+ Menschen geraten ins Visier.
Sex-Knowhow in Italien

Junge Menschen wissen zu wenig

Eine neue Ipsos-Studie zeigt große Wissenslücken bei Italiens Jugend: Viele informieren sich über Sex nur noch mittels Google, KI und Pornografie.
Polyamorie in West Hollywood

US-Stadt schreibt Geschichte

West Hollywood führt als erste US-Stadt ein Register für polyamore Beziehungen ein und stärkt damit die Rechte nichtmonogamer Familien.
Chopins Liebe zu Männern

Polen will davon nichts wissen

Polen will von einem möglichen schwulen Komponisten Frédéric Chopin nichts wissen. Ein neuer Kinofilm berüht das Thema ebenso strikt nicht.
Umstrittene US-Forschung

Experten warnen vor Stigmatisierung

Die US-Regierung finanziert Studien über mögliche Zusammenhänge zwischen Transgeschlechtlichkeit und Gewalt. Fachleute sprechen von Pseudowissenschaft
Janosch ist tot

Tiger und Bär trauern

Kinderbuchautor Janosch ist mit 95 Jahren gestorben. Seine Geschichten über Tiger und Bär wurden auch als Plädoyer für LGBTIQ+-Lebensweisen gelesen.
LGBTIQ+ in Brasilien

Mehr Schutz für Community

Brasilien stärkt den Kampf gegen organisierte Kriminalität. Die Hoffnung ist groß, dass dadurch künftig auch LGBTIQ+-Menschen sicherer leben.