Direkt zum Inhalt

Entscheidung erst am 1. Juni Neonazi Liebich: Tschechien vertagt Auslieferung

Von mr - 18.05.2026 - 17:30 Uhr
Neonazi Liebich: Tschechien vertagt Auslieferung
Foto: © IMAGO / CTK Photo
ANZEIGE
Loading audio player...

Der tschechische Justiz hat die Entscheidung über die Auslieferung des in Deutschland verurteilten Rechtsextremisten Marla Svenja Liebich überraschend vertagt. Liebich bleibt bis mindestens 1. Juni in Haft und muss weiter auf den Ausgang des Auslieferungsverfahrens in Pilsen warten. Die Staatsanwaltschaft Halle sieht den europäischen Rechtsrahmen als gefestigt und rechnet nicht mit Problemen im weiteren Verfahren.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Landgericht Pilsen verschob am ersten Verhandlungstag die Verkündung einer Entscheidung auf den 1. Juni.
  • Marla Svenja Liebich wurde 2023 wegen Volksverhetzung, Beleidigung und übler Nachrede zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.
  • Liebich war nach Deutschland seit Monaten europaweit zur Fahndung ausgeschrieben und wurde Anfang April in Tschechien gefasst.
  • Die Staatsanwaltschaft Halle hat einen Antrag auf Auslieferung gestellt.
  • Liebich äußerte vor Gericht die Befürchtung, in Deutschland nicht sicher zu sein.
  • Vor dem Pilsener Gericht erschien Liebich mit rotem Lippenstift und ärmelfreiem Leoparden-Top. 

 

Gründe für die Verschiebung

Das Landgericht Pilsen nannte am Tag der Verhandlung keine Gründe für die Verschiebung der Entscheidung zur Auslieferung. Nach nur zwei Stunden wurde der Anhörungstermin ohne Resultat unterbrochen. Der nächste Termin ist für Anfang Juni angesetzt. Bis dahin bleibt Liebich in tschechischer Haft. Die rechtliche Prüfung umfasst, ob die deutschen Strafverfolgungsbehörden bei der Fahndung und dem Auslieferungsantrag korrekt vorgegangen sind.

 

Bisherige Flucht und Verurteilung

Liebich war im Juli 2023 vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung und weiterer Delikte rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Um der Haft zu entgehen, tauchte Liebich unter und entzog sich dem Haftantritt durch Flucht ins Ausland. Nach einer europaweiten Fahndung erfolgte im April 2026 die Festnahme durch tschechische Behörden. Ein Auslieferungsverfahren ist in solchen Fällen zwischen EU-Staaten üblich. Die Staatsanwaltschaft Halle hält den Ablauf für routiniert. Laut Staatsanwalt Dennis Cernota verlaufen derartige Verfahren in der Regel „recht reibungslos“.

„Das ist ein geübtes System zwischen europäischen Ländern. Das klappt in der Regel recht reibungslos,“ erklärte Staatsanwalt Cernota nach der Verhandlung in Pilsen.

 

Hintergrund: Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes?

Im Zuge der öffentlichen Auseinandersetzung forderte Liebich Schmerzensgeld und argumentierte, die Berichterstattung über den eigenen früheren Vornamen verletze Persönlichkeitsrechte. Die Beschwerden wurden abgewiesen. Der Deutsche Presserat stellte fest, dass Liebich den Wechsel des Personenstands mutmaßlich nur vollzogen habe, um staatliche Behörden zu provozieren.

 

Ausblick auf das weitere Verfahren

Bis zum 1. Juni bleibt offen, ob Liebich von Tschechien an Deutschland ausgeliefert wird. Die gerichtliche Entscheidung könnte Signalwirkung für künftige Fälle von Flucht und Auslieferung verurteilter Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten auslösen. Ermittlungsbehörden in beiden Staaten setzen bis dahin auf den europaweit geltenden Auslieferungsmechanismus. Das weitere Vorgehen des tschechischen Gerichts wird mit Spannung erwartet.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.