Eklat im Bistum Fulda Debatte nach CSD-Terroranschlag, Bistum grenzt sich deutlich ab
Große Empörung in Hessen: Nach homophoben Äußerungen eines Pfarrers im Ruhestand zum tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat sich das Bistum Fulda jetzt deutlich von dessen Aussagen distanziert. Die veröffentlichten Äußerungen entsprächen weder der Haltung des Bistums noch der seiner Verantwortlichen, erklärte die Diözese in einer veröffentlichten Stellungnahme.
Das Wichtigste im Überblick
- Das Bistum Fulda weist homophobe Aussagen eines Pfarrers im Ruhestand entschieden zurück.
- Der ehemalige Geistliche bezeichnet den Anschlag auf den Berliner CSD als „Signal des Himmels“.
- Das Bistum betont die Würde aller Menschen – unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.
- Auch die Fuldaer Zeitung distanziert sich klar von dem veröffentlichten Leserbrief.
- Der Chefredakteur sieht mit der religiösen Deutung des Terroranschlags eine Grenze überschritten.
„Parade der Schamlosigkeit“
Der ehemalige Pfarrer Winfried Abel hatte sich in einem Leserbrief der Fuldaer Zeitung zu dem Anschlag geäußert und geschrieben, alle, die sich noch Christen nennen würden, sollten „derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels verstehen, als einen Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr“. Zudem schrieb der ehemalige Geistliche aus dem Landkreis Fulda, der CSD sei eine „Parade der Schamlosigkeit“ und sprach von einer „zur Schau gestellten Verherrlichung der Perversion“. Zugleich betonte er, zwischen der Veranstaltung und dem Anschlag unterscheiden zu wollen. „Die Ablehnung des Christentums rechtfertigt in keiner Weise das brutale und menschenverachtende Vorgehen der islamischen Terroristen, deren Morde und Gruppenvergewaltigungen Ausdruck ihres Hasses sind.“
Solchen Terroristen müsse das Handwerk gelegt werden. Ausgangspunkt seiner Kritik war dabei die Äußerung des Berliner Erzbischofs Heiner Koch, der nach dem CSD-Anschlag erklärt hatte: „Wie schrecklich! Ein so frohes und bewegendes Fest brutal zu zerstören.“ Abel kritisierte dabei deutlich, dass ein katholischer Bischof den Pride als „frohes und bewegendes Fest“ bezeichnete. Fulda könne damit zu einer „Stätte der Unkultur“ werden. Weiter schrieb er: „Wird nun die einst prächtige, nun arg zusammengeschrumpfte Fronleichnamsprozession durch die große Parade der halbnackten Leiber verdrängt?“
Bistum widerspricht Statements
Das Bistum widersprach dieser Einordnung mit deutlichen Worten. „Insbesondere jede Deutung eines terroristischen Anschlags als Ausdruck eines göttlichen Handelns weisen wir entschieden zurück“, heißt es in der Stellungnahme. Die Anteilnahme gelte den Opfern, deren Angehörigen sowie allen Menschen, die durch das Verbrechen erschüttert worden seien.
Das Bistum Fulda stellte den Statements des Ex-Pfarrers die eigene Position entgegen. „Als Kirche glauben wir, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und eine unveräußerliche Würde besitzt. Daraus erwächst der Auftrag, allen Menschen mit Achtung, Respekt und Nächstenliebe zu begegnen - unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität.“ Weiter erklärte die Diözese, der Christopher Street Day stehe für das Anliegen, auf die Würde aller Menschen aufmerksam zu machen und sich gegen Ausgrenzung und Gewalt einzusetzen. Das Bistum unterstütze das friedliche Engagement für eine offene, respektvolle und freiheitliche Gesellschaft.
Fuldaer Zeitung distanziert sich
Auch die Fuldaer Zeitung reagierte auf den Leserbrief mit deutlicher Kritik. Chefredakteur Tobias Farnung veröffentlichte in der Samstagsausgabe einen Kommentar und schrieb: „Es gibt Leserbriefe, über die man streiten kann. Und es gibt Leserbriefe, bei denen die Worte fehlen.“ Er betonte, selbstverständlich dürfe jeder den Christopher Street Day ablehnen und niemand müsse die Veranstaltung gutheißen. Der veröffentlichte Leserbrief gehe jedoch weit über eine Meinungsäußerung hinaus.
„Wer einen Terroranschlag auf eine Veranstaltung, bei der Menschen angegriffen, verletzt und sogar getötet werden, als ´Signal des Himmels´ und als ´Aufruf zur Besinnung und Umkehr´ bezeichnet, überschreitet eine Grenze.“ Mit einer solchen Aussage werde ein Gewaltverbrechen religiös als göttliche Botschaft interpretiert. Denn damit werde aus der Verurteilung einer Veranstaltung die religiöse Deutung eines Gewaltverbrechens als göttliche Botschaft. Den Opfern werde damit nachträglich ihre Würde genommen.
Bei dem islamistisch motivierten Anschlag in Berlin hatte der Attentäter Abdul Ballout am Samstag vergangener Woche mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere mit einer Machete angegriffen. Eine Frau aus Polen kam ums Leben, 31 weitere Menschen wurden verletzt. Der 21-Jährige wurde tags darauf bei einem Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen.