Kiss-In gegen HIV-Stigma Schwule Paare bekräftigen Forderung nach gleichen Rechten
Mit einem öffentlichen Kiss-In haben Aktivisten zum Ende der Internationalen AIDS-Konferenz AIDS 2026 in Rio de Janeiro gegen HIV-Stigmatisierung und die Kriminalisierung von homosexuellen Menschen protestiert. Veranstaltet wurde die Aktion von der Organisation Mpact Global. Unterstützt wurde das sogenannte „Internationale HIV-Kiss-In“ von der schwulen Dating-App Scruff.
Das Wichtigste im Überblick
- Mpact Global veranstaltete bei der AIDS 2026 in Rio de Janeiro ein internationales HIV-Kiss-In.
- Die Aktion richtete sich gegen HIV-Stigmatisierung und die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen.
- Aktivisten betonen, dass der Kampf gegen HIV auch gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz erfordert.
- Die Kampagne knüpft an frühere Protestaktionen in Mexiko und an der US-mexikanischen Grenze an.
Öffentlicher Kuss als Symbol
Homosexuelle Aktivisten sowie Menschen mit HIV kamen zu der Demonstration zusammen, um Solidarität, Sichtbarkeit und Widerstand gegen Diskriminierung zu zeigen. Nach Angaben der Organisatoren sollte die Aktion auf die Situation in mehr als 60 Ländern aufmerksam machen, in denen schwule Männer noch immer strafrechtliche Konsequenzen befürchten müssen, wenn sie einen anderen Mann in der Öffentlichkeit küssen.
Im Mittelpunkt der Demonstration stand eine bewusst einfache Geste: Die Teilnehmer umarmten und küssten sich öffentlich. Damit wollten sie nach Angaben der Veranstalter die Würde, Sexualität und Menschlichkeit homosexueller Menschen mit HIV sichtbar machen und gleichzeitig auf Gesetze aufmerksam machen, die gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin kriminalisieren. Nach Auffassung von Mpact Global reicht medizinischer Fortschritt allein nicht aus, um die HIV-Epidemie zu beenden. Ebenso notwendig sei es, rechtliche und gesellschaftliche Hürden abzubauen, die LGBTIQ+-Menschen daran hinderten, medizinische Versorgung zu erhalten, offen zu leben und ihre Interessen zu vertreten.
Gleichberechtigung und Gerechtigkeit
„HIV wird niemals besiegt werden, solange gleichgeschlechtliches Sexualverhalten kriminalisiert wird“, erklärte Mpact Global im Vorfeld der Demonstration. Geschäftsführer Alex Garner betonte die politische Bedeutung öffentlicher Zuneigungsbekundungen: „Ein Kuss zwischen zwei schwulen Männern in der Öffentlichkeit ist noch immer ein starkes Statement. Mpact hat dieses Kiss-In bei AIDS 2026 organisiert, um zu zeigen, dass wir Homophobie und Stigmatisierung im Kampf gegen HIV entgegentreten können.“ Die internationale Konferenz sei dabei der ideale Ort gewesen, damit HIV-positive Gemeinschaften ohne Angst zusammenkommen konnten.
„Diese politische Aktion ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie unsere Gemeinschaft ihre Stimme erheben und Gleichberechtigung sowie Gerechtigkeit einfordern kann.“ Nach Angaben der Organisatoren war die Demonstration zugleich Ausdruck der Widerstandskraft homosexueller Menschen als auch Hinweis darauf, dass Schwule und Lesben in vielen Teilen der Welt noch immer wegen öffentlicher Zuneigungsbekundungen strafrechtliche Folgen drohen.
Internationale Kampagne
Die Aktion in Rio de Janeiro ist Teil einer Kampagne, die Mpact Global bereits 2023 ins Leben gerufen hatte. Seitdem organisiert die Organisation jährlich rund um den Welt-Aids-Tag internationale HIV-Kiss-Ins in Mexiko. Zuletzt fand eine Protestaktion an der Grenze zwischen den USA und Mexiko statt. Dort machten Aktivistinnen und Aktivisten auf die Menschenrechtslage von Migrantinnen und Migranten aufmerksam, insbesondere von Menschen mit HIV in Abschiebehaft.
Mit der Aktion bei der AIDS 2026 weitete Mpact Global seine Kampagne auf ein internationales Publikum aus. Die Konferenz bringt Forscher, politische Entscheidungsträger, Interessenvertretungen und Vertreter der Zivilgesellschaft aus zahlreichen Ländern zusammen. Nach Ansicht der Organisation zeigt die Entwicklung, dass wissenschaftliche Fortschritte allein nicht ausreichen. Um HIV langfristig einzudämmen, müssten auch Diskriminierung, Kriminalisierung und der ungleiche Zugang zur Gesundheitsversorgung überwunden werden. Mehrfach war es bei der 26. Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro zu Protesten gekommen, im Zentrum dabei standen immer wieder auch die strikten Einsparungen einiger Länder beim Einsatz gegen HIV, allen voran die USA.