Direkt zum Inhalt
Brandanschlag in Cottbus

Brandanschlag in Cottbus "Neue Qualität und Eskalationsstufe des Hasses"

ms - 21.10.2025 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Auf das queere Zentrum RKB in Cottbus ist am gestrigen Montag ein Brandanschlag verübt worden. Auf dem Hof des Gebäudes war eine Papiertonne von unbekannten Tätern in Brand gesetzt worden. Das Feuer konnte von vier ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Feuerwehr gelöscht werden, bevor die Flammen auf das Gebäude überschlagen konnten.  

Feuer im Hinterhof 

Eine ältere Passantin hatte gestern Nachmittag gegen 15 Uhr Mitarbeiter des queeren Zentrums alarmiert, dass die Papiertonne im Hinterhof brennt. Mittels Feuerlöscher gelang es dem Team, das Feuer in Schach zu halten, während parallel dazu die Feuerwehr anrückte, die die Flammen schlussendlich erstickte, sodass eine Ausbreitung des Brandes verhindert werden konnte. Die Mülltonne stand im Hinterhof direkt an der Fassade des queeren Zentrums. Im Kulturzentrum „Bunte Welt“ in Cottbus-Sachsendorf hat das Regenbogenkombinat (RKB) seine Räume, auch der CSD Cottbus ist hier untergebracht. 

Christian Müller, Vorstandsmitglied des CSD Cottbus, erklärte dazu via Instagram: „Das ist kein Zufall. Wir stecken in den CSD-Aktionswochen, die noch bis Ende der Woche mit zahlreichen Veranstaltungen verlaufen. Wir brauchen schnelle Aufklärung durch die Polizei. Am kommenden Samstag wird es eine CSD-Demo in Cottbus geben. Dagegen wurde von Antidemokraten eine Gegendemo angemeldet.“ Die Polizei hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. 

Neue Eskalationsstufe des Hasses 

Auch der Landesverband AndersARTiG geht davon aus, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und das Feuer gezielt gelegt worden ist. In einer Pressemitteilung erklärte Geschäftsführer Lars Bergmann: „Die wiederkehrenden Vandalismusvorfälle am RKB Cottbus in den vergangenen Monaten und die uns vorliegenden Meldungen zu queerfeindlichen Übergriffen in der Region lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir hier ein erhebliches Problem mit Rechtsextremismus haben. Mit dem heutigen mutmaßlichen Brandanschlag erreichen wir nun eine neue Qualität und Eskalationsstufe des Hasses. Es ist ein großes Glück, dass niemand verletzt wurde und lediglich ein Sachschaden zu beklagen ist. Es ist aber auch klar: Wer so agiert, nimmt den Schaden und den Tod von Menschen billigend in Kauf. Der Staat ist in der Pflicht, auch queere Menschen wirksam zu schützen. Die Zeit für politische Wursteleien, wie wir sie in den vergangenen Jahren teilweise erlebt haben, ist vorbei.“

Steigende Hasskriminalität

Erst letzte Woche gab es dabei zum Thema Hasskriminalität ein Gespräch mit der Polizei, wie der CSD-Verein weiter mitteilt. „Das Thema Schutz und Sicherheit von queeren Menschen ist in diesem Jahr besonderes präsent. Das Regenbogenkombinat wurde in der Vergangenheit mehrfach am Eingangsbereich beschädigt. Regenbogenbanner wurden immer wieder abgerissen und beschmiert. Erschreckend ist, dass der Brand am Tag stattfand, während sich Menschen im Gebäude aufhielten“, so der CSD Cottbus weiter. Für die Pride-Parade am kommenden Wochenende haben rechtsextreme Gruppen bereits zwei Gegendemonstrationen angemeldet. 

Im Bundesland Brandenburg haben sich zuletzt die gemeldeten Fälle von Hasskriminalität gegen LGBTIQ+-Menschen binnen eines Jahres verdoppelt. Das CSD-Team bedankte sich abschließend eindringlich bei den Menschen, die halfen und der Passantin, die die Mitarbeiter alarmierte: „Wir brauchen Menschen, die Zivilcourage zeigen und hoffen am 25.10. ein Zeichen für eine offene, liebenswerte und vielfältige Gesellschaft zu setzen.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

LGBTIQ+ in Rheinland-Pfalz

Fortführung des Landesaktionsplans

Der Landesaktionsplan in Rheinland-Pfalz wird weiter fortgesetzt, Staatssekretär Littig betont überdies die enge Zusammenarbeit mit der Community.
Staatsanwaltschaft ermittelt

Hilfskraft vergeht sich an Toten

Ein 39-jähriger Mann soll in einem Krankenhaus im nordrhein-westfälischen Bünde sexuelle Handlungen an zwei Leichen vorgenommen haben.
Rollback in den USA

Rückabwicklung von Schutzrechten

In den USA wurden Leitlinien zurückgenommen, die queere Menschen vor Diskriminierung im Job schützen sollten. Queere Verbände betonen Gefahren.
Prozess gegen Neonazi-Anführer

Mitglieder rekrutierten Jugendliche

In Rom hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Anführer einer Neonazi-Gruppe begonnen, der gezielt Homosexuelle als Angriffsziel auserkoren hatte.
Politische Krise in Bulgarien

Rücktritt des Präsidenten

Bulgariens Präsident Radew ist zurückgetreten, um als Ministerpräsident zurückzukommen. Die queere Community blickt mit Sorge auf die Entwicklung.
Ende der Party

US-Community unter Schock

Die Fassungslosigkeit ist in der ganzen US-Community spürbar: Der altehrwürdige Tucson Pride ist nach fast 50 Jahren am Ende.
Spaniens Einsatz für LGBTIQ+

Botschafter bekräftigt Ziele

Online-Hassrede ist mehr denn je ein Problem für die Community. In Spanien fordert der LGBTIQ+-Sonderbotschafter nun mehr Einsatz im Kampf gegen Hetze
Jugendprojekt in Berlin

Stärkung von LGBTIQ+-Menschen

Mit einer großflächigen Plakatkampagne will das Berliner Queer-Bündnisses mehr Sichtbarkeit und Verständnis für queere Jugendarbeit schaffen.
Neuauflage des SchwuZ?

Comeback des Berliner Clubs

Gibt es in Berlin ein Comeback des queeren Clubs SchwuZ? Aktuell mehren sich die Anzeichen, dass die Institution wieder auferstehen könnte.