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Blutspende in den USA Fällt das dreimonatige Sexverbot für schwule Blutspender?

Von ms - 01.12.2022 - 11:34 Uhr
Blutspende in den USA
Foto: iStock / Vesnaandjic
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Nach Angaben des Wall Street Journal will die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die Blutspende für sexuell aktive schwule Männer in monogamen Beziehungen öffnen – ein erster Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung beim Thema Blutspende. Derzeit schreibt die FDA allen schwulen und bisexuellen Männern in den USA noch vor, drei Monate lang auf Sex zu verzichten, bevor sie Blut spenden dürfen. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu massiver Kritik von Seiten medizinischer Fachleute sowie auch von LGBTI*-Verbänden, dass die restriktive Schutzmaßnahme vor HIV inzwischen veraltet und stark diskriminierend ist.

Reicht ein Fragebogen zum Sexualverhalten künftig aus?

Auf Rückfrage erklärte die FDA dabei jetzt konkret: "Die FDA ist nach wie vor bestrebt, Alternativen zur zeitbasierten Zurückstellungspolitik zu evaluieren, indem sie dazu beiträgt, die Erstellung wissenschaftlicher Beweise zu erleichtern, die einen auf einer individuellen Risikobewertung basierenden Fragebogen für Blutspender unterstützen könnten", so die FDA. Dabei will die Behörde auch die Ergebnisse der ADVANCE-Pilotstudie mit einbeziehen, bevor sie zu einer finalen Entscheidung kommen werde. Die Studie wird aktuell in kommunalen Gesundheitszentren an wichtigen Standorten in den Vereinigten Staaten durchgeführt und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, ob ein Spenderfragebogen mit einer individuellen Risikobewertung nicht ebenso effektiv wäre wie die strikte Forderung nach einem dreimonatigen Sexverbot für schwule Männer.

USA will handeln, Deutschland verschleppt Reform

Einen genauen Zeitplan gibt es laut FDA noch nicht, allerdings zeigt sich die Behörde zuversichtlich, dass die Faktenlage zeitnah einen „politischen Übergang zu individuellen risikobasierten Spender-Screening-Fragen zur Verringerung des Risikos einer HIV-Übertragung unterstützen werden." Kurz gesagt will die USA ähnlich wie andere Länder auf das individuelle Risiko und das Sexualverhalten eines Menschen eingehen, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Ähnliches wird seit Jahren auch in Deutschland gefordert, seit 2021 gilt in der Bundesrepublik ein viermonatiges Sexverbot für homosexuelle Männer, die Blut spenden wollen.

Aktuell scheint die Ampel-Koalition die versprochene Änderung dieser Regelung zu verschleppen, die Linke warf der Regierung zuletzt im August dieses Jahres Nichtstun vor und der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, räumte ein, dass das Thema im Moment keine Priorität habe. Im kürzlich vorgestellten nationalen Aktionsplan findet sich die geplante Änderung des Blutspende-Verfahrens für schwule Männer wieder, allerdings ohne konkreten Zeitplan. 

Keine Entschuldigung mehr für Diskriminierung

Für die USA erklärte Sarah Kate Ellis, Präsidentin der LGBTI*-Organisation GLAAD: "Während die heutigen Berichte über einen überfälligen Schritt der FDA ein wichtiger Punkt ist, werden unsere Gemeinschaft und führende medizinische Experten nicht aufhören, sich dafür einzusetzen, dass die FDA alle Beschränkungen gegen qualifizierte LGBTI*-Blutspenderkandidaten aufhebt!" Dabei betont Ellis zudem einmal mehr, dass es keine sachlich fundierten Gründe mehr für das diskriminierende Verhalten gegenüber schwulen Männern gebe: "Wie LGBTI*-Sprecher und medizinische Experten schon seit Jahren sagen: Verbote und Beschränkungen für Blutspenden von schwulen und bisexuellen Männern beruhen auf Stigmatisierung, nicht auf Wissenschaft. Es ist eine eklatante Diskriminierung, wenn für einige Menschen eine Reihe von Regeln gilt und für andere eine andere Reihe von Regeln, die nur auf ihrer Identität beruhen. Dieser Kampf ist erst dann beendet, wenn für alle LGBTI*-Amerikaner, die Blut spenden wollen, die gleichen Vorschriften gelten wie für andere Amerikaner. Alle potenziellen Blutspender, deren Spenden Leben retten können, sollten gleich behandelt werden. Es gibt keine Entschuldigung dafür, im Jahr 2022 das Stigma über die Wissenschaft zu stellen". Die Regierung Biden hatte im Januar 2022 zuletzt angedeutet, dass sie bereit sei, die derzeitige Regelung zu ändern, weitere Schritte wurden auch hier bisher aber nicht unternommen.

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