Arizona: Transphobes Gesetz gescheitert Aber über 160 Anti-LGBTI*-Gesetze in Vorbereitung
Es ist wahrlich eine kleine Sensation und schlägt in Amerika gerade hohe Wellen: Ein republikanischer Senator des Bundesstaates Arizona hat sich gegen die eigene Partei gestellt und sich für LGBTI*-Menschen eingesetzt. Mit seinem „Nein“ zu einem Gesetzentwurf, der künftig eine geschlechtsangleichende Betreuung für Transgender-Jugendliche verboten hätte, entstand eine Patt-Situation bei der Abstimmung, sodass der Gesetzentwurf schlussendlich abgewiesen wurde. Das geplante neue Gesetz hätte es Gesundheitsdienstleistern untersagt, transsexuellen und nichtbinären Minderjährigen geschlechtsangleichende Behandlungen anzubieten, einschließlich reversibler Pubertätsblocker.
Der Name des „Helden“: Senator Tyler Pace. Er hatte anschließend beteuert, dass er durchaus beide Seiten verstehen könne, ihn aber die persönlichen Schilderungen von LGBTI*-Jugendlichen und deren Familien davon überzeugt hatten, gegen den Gesetzentwurf zu stimmen. Vor der Abstimmung durfte so auch Lizette Trujillo über ihren 14-jährigen transsexuellen Sohn berichten. Gegenüber NBC News sagte sie: "Wenn man unsere Kinder trifft, sieht, wie sie leben und unsere Community kennenlernt, werden viele dieser Vorurteile, die die Leute haben, zerstreut, weil wir auch nur Familien sind, die versuchen, das Richtige zu tun. Ich denke, dass Senator Pace das in diesem Moment erkannt hat.“

Ein bemerkenswerter Sinneswandel, der vorab so nicht abzusehen war. Pace selbst erklärte sein Einlenken folgendermaßen: „Wir haben heute so viele Zeugnisse über die vielen Menschen gehört, die diese Möglichkeiten der medizinischen Behandlung nutzen, um Leben zu retten und um Leben zu verbessern. Ich möchte nicht, dass meine Stimme diese großartigen Dinge aufhält.“ Eine gute Nachricht, auch wenn zu befürchten gilt, dass es leider nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein könnte. Mit 15 Vorlagen hat allein Arizona dieses Jahr bisher die meisten Anti-LGBTI*-Gesetzentwürfe aller amerikanischen Bundesstaaten eingereicht. Zwei Bundesstaaten - Arkansas und Tennessee – haben bereits im vergangenen Jahr eine sehr ähnliche Version des Gesetzentwurfs von Arizona in Kraft gesetzt. In rund 30 Bundesstaaten werden weitere Anti-LGBTI*-Gesetze vorbereitet, insgesamt haben republikanische Gesetzgeber in diesem Jahr bereits mehr als 160 LGBTI*-feindliche Gesetzesvorlagen eingereicht, so die gemeinnützige Organisation Freedom for All Americans. Die meisten dieser Gesetzentwürfe (92) richten sich gegen trans-Menschen. Der Bruch des Senators mit seiner Partei weicht von dem landesweiten Vorstoß konservativer Gesetzgeber ab, im öffentlichen Leben und insbesondere an Schulen queere Lebenswelten zu verbieten.