Direkt zum Inhalt

Ampel-Koalition verschleppt Reform Österreich zeigt, dass es auch viel schneller gehen kann

Von ms - 10.08.2022 - 10:30 Uhr
Überarbeitung des Blutspende-Verbots bleibt liegen
Foto: IMAGO / Christian Spicker
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Kritik an der Ampel-Koalition aufgrund der Hinhaltetaktik bei der Reform der Blutspende wird immer lauter – mehrfach hatten Verbände wie der Lesben- und Schwulenverband Deutschland oder auch die Deutsche Aidshilfe das bisherige Verfahren als diskriminierend eingestuft, weil pauschal eine ganze Gruppe Menschen, in diesem Fall homosexuelle Männer, unter Generalverdacht gestellt werden würden. Die Ampel-Koalition hatte die Abschaffung des Blutspende-Verbots zu einem zentralen queer-politischen Vorhaben gemacht, hat nun anscheinend aber die Pläne immer weiter nach hinten geschoben.

Die aktuelle Praxis sorgt vor allem auch deswegen für Empörung, weil die Bestände von Blutkonserven auf einem teilweise dramatisch niedrigen Niveau in Deutschland angekommen sind, medizinische Verbände und Kliniken hatten zuletzt mehrfach vor einem Engpass gewarnt, der am Ende viele Menschenleben kosten könne. Die österreichische Regierung hat sich der gleichen Problematik inzwischen gestellt und angekündigt, ab Herbst neue Richtlinien bei der Blutspende einzuführen. Künftig soll die sogenannte “3x3“-Regel greifen: Wer in den letzten drei Monaten mit (mindestens) drei Menschen Sex hatte, darf drei Monate lang keine Blutspende abgeben – unabhängig von der sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung. Bisher hatte Österreich ähnliche Richtlinien wie aktuell noch immer in Deutschland: Schwule Männer müssen vor einer Blutspende vier Monate monogam gewesen sein – bei Sex mit mehreren Partnern werden sie gesperrt.

Die queer-politische Sprecherin der Linken, Kathrin Vogler, hatte jüngst beim zuständigen Bundesgesundheitsministerium angefragt, wann die Regeln denn nun geändert werden sollen. Die lapidare Antwort: Das Ministerium prüfe derzeit weitere Maßnahmen zu Männern, die Sex mit Männern haben und Transpersonen im Zusammenhang mit Blutspenden – ein Ende dieser Prüfung ist offensichtlich noch nicht absehbar. Vogler kritisiert die Bundesregierung scharf für dieses Verhalten, sie tue schlicht nichts. Das SPD-geführte Gesundheitsministerium wolle oder könne den Koalitionsvertrag offenbar nicht umsetzen. Dass das Thema momentan keine Priorität habe, bestätigte auf Rückfrage auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, gegenüber dem ZDF. Der Bund konzentriere sich derzeit auf andere Themen wie das geplante Selbstbestimmungsgesetz. Zudem verweist Lehmann auf die Bundesärztekammer, die erst einmal neue Richtlinien ausarbeiten müsse. Sollte die Kammer nicht reagieren, habe man noch immer vor, in dieser Legislaturperiode eine Neu-Regelung gesetzlich zu verankern, so Lehmann weiter. Konkreter wurde er gegenüber dem ZDF dabei nicht. Aktuell scheint es dabei ganz so, dass Deutschlands Nachbarland Österreich bei weitem effektiver und zielorientierter mit der Situation umgeht und mit Blick auf den Herbst dann in einem Zeitraum von weniger als sechs Monaten neue Regeln umgesetzt haben wird. Es steht zu befürchten, dass die deutsche Bundesregierung dann noch immer in der Prüfung stecken wird.    

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

BILDÜberraschendes Geständnis von Maite Kelly - Ich könnte mich auch in eine Frau verliebenrbb24CSD-Anschlag: Regenbogenbank im Tiergarten immer wieder beschädigtFrankfurter Allgemeine ZeitungBrief aus Istanbul: Das Jahrhundert der AbzockeMOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.
Queere Jugendliche in Wien

Mehr Angst vor Anfeindungen

Anfeindungen und Gewalt belasten queere Jugendliche in Wien zunehmend. Experten warnen vor psychischen Folgen und fordern bessere Hilfsangebote.
Russlands Strafen explodieren

Rekordbußen gegen LGBTIQ+

Russland verschärft die Verfolgung von LGBTIQ+-Menschen: 2025 stiegen die Geldstrafen um 83 Prozent, die Verfahren um ein Drittel.
Verbot spaltet Tasmanien

Streit um Homo-Heilung

Tasmanien will über ein Verbot von Konversionsmaßnahmen abstimmen. Während die Befürworter auf Schutz drängen, warnen Gegner vor Einschränkungen.
Behrens rechtfertigt Eklat

Kicker betont "dumme Aussage“

Zwei Jahre nach seinem homophoben Spruch spricht Fußballer Kevin Behrens über die Folgen des Eklats, Anfeindungen und Probleme bei der Vereinssuche.
Niederlande zeigen Lila

Statement gegen Ausgrenzung

Am „Lila Freitag“ zeigen die Niederlande heute Solidarität mit LGBTIQ+-Jugendlichen vor dem Hintergrund sinkender Akzeptanz gegenüber Homosexuellen.