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60.000 Unterschriften gegen Katar In zwei Monaten startet die Fußball-WM im homophoben Emirat

Von ms - 20.09.2022 - 11:00 Uhr
Aktion ruft FIFA zu einem strikten Umdenken auf
Foto: IMAGO / ULMER Pressebildagentur
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Im Juni outete sich Dr. Nas Mohamed aus Katar öffentlich in einem Interview mit der BBC als homosexuell, um auf die dramatische Menschenrechtslage von homosexuellen Menschen im Emirat hinzuweisen, dass in genau zwei Monaten die Fußballweltmeisterschaft ausrichten wird. Zusammen mit der All Out-Petitionsplattform startete er eine Kampagne, um mehr Druck auf Politik und Medien auszuüben – nun hat die Aktion die Zielmarke von rund 60.000 Unterschriften erreicht. In einem offenen Brief fordern die Unterzeichner den Chef des Organisationskomitees, Scheich Mohammed bin Hamad bin Khalifa al-Thani, sowie FIFA-Präsident Gianni Infantino dazu auf, mehr für die Rechte von LGBTI*-Menschen zu tun. Eine Antwort darauf sind beide bisher schuldig geblieben. Derweil inszeniert sich Katar als Opfer einer negativen Kampagne. So erklärte al Thani bei einem Kongress des Deutschen Fußballbundes zu Beginn dieser Woche: „Wenn wir vier Jahre zurückgehen, war die WM in Russland, einem Land, das die Krim gerade eingenommen hatte und Menschen im Gefängnis unterdrückte, und da gab es keine Aufmerksamkeit aus Deutschland oder irgendeinem anderen Land in Europa.“

Seit Monaten ist das Land sowie auch die FIFA selbst starker Kritik ausgesetzt, gerade auch mit Blick auf die homophoben Gesetze im Land. Emirat wie auch der Verein selbst beteuerten immer wieder, dass homosexuelle Fußballfans sicher seien, legten aber im gleichen Atemzug Wert darauf, dass schwule Touristen sich bestenfalls nicht als homosexuell zu erkennen geben sollen und auch jedwede Symbole der Gay-Community wie die Regenbogenflagge strengstens verboten sind. Homosexualität ist in Katar nach Artikel 296 des Strafgesetzbuchs illegal und wird mit bis zu fünf Jahren Haft und sogar der Todesstrafe bestraft. Der geoutete Aktivist Mohamed fragt daher auch nach: „Wie soll also in einem so LGBT-feindlichen Land ein globales Fußballturnier stattfinden, das für alle sicher ist?“

Eine ernsthafte Antwort konnten bisher alle Verantwortlichen darauf nicht geben. Auch von Seiten des Deutschen Fußballbundes gab es vereinzelt Kritik gegenüber den Praktiken im Emirat, ernsthafte Konsequenzen gab es bisher allerdings auch hier nicht. Und auch von Seiten der Politik mangelt es nach wie vor an eindeutigen und unmissverständlichen Statements zur Menschenrechtslage in Katar. Aktivist Mohamed zusammen mit All-Out dazu: „Katar projiziert einen modernen und glamourösen Lebensstil. Aber dieses Bild ist für viele eine bloße Illusion – insbesondere für die katarische LGBT*-Community, die weitgehend im Schatten lebt. LGBT* in Katar zu sein bedeutet nämlich, in ständiger Angst um seine Gesundheit, Sicherheit und sogar sein Leben zu sein. Einige LGBT*-Kataris haben jedoch Wege gefunden, ihre Stimme zu erheben, ihre Geschichten zu erzählen und für ihr Recht auf Selbstentfaltung zu kämpfen.“ Diese Stimmen präsentiert All-Out auf seiner Petitionsplattform.

Kritik richtet sich dabei auch an die großen Medien, die bisher aus Sicht der LGBTI*-Aktivisten viel zu wenig und oftmals einseitig über die WM und Katar berichten würden. Immer wieder steht oftmals auch nur die Frage im Raum, wie sicher die Spiele für homosexuelle Gäste sind, nicht aber, wie die Menschenrechtslage für LGBTI*-Menschen insgesamt im Emirat ist. „Für LGBT*-Menschen ist Katar ein gefährlicher Ort. Deshalb ist es wichtiger denn je, dass wir gemeinsam ein Zeichen setzen, indem wir die FIFA und Katar auffordern, die Grundsätze der Fußball-Weltmeisterschaft einzuhalten: Stolz, Inklusion, Respekt und Vielfalt. Das sind Werte, die Mannschaften aus der ganzen Welt vereinen. Die Weltmeisterschaft 2022 verkörpert diese Werte jedoch nicht. Es ist keine Schande, ein Mensch zu sein. Liebe ist kein Verbrechen!“, so Aktivist Mohamed. In der gemeinsamen Petition werden so auch zwei zentrale Forderungen klar formuliert: Zum einen muss Katar die Sicherheit aller LGBTI*-Besucher in Katar gewährleisten, zum anderen soll der diskriminierende Artikel 296 aufgehoben werden, sodass LGBTI*-Kataris die Chance haben, offen, frei und sicher zu leben. „FIFA und Katar: Die Welt schaut zu. Jetzt ist es an euch zu zeigen, dass die FIFA und Katar die Werte einer modernen Welt verkörpern, in der Liebe kein Verbrechen ist - nicht nur dieses Jahr, sondern immer“, so die LGBTI*-Aktivisten abschließend. Bisher verhallten die Forderungen ebenso ungehört wie die vehemente Kritik, dass beim Bau der WM-Stadien und Einrichtungen in Katar bis zu 15.000 Arbeitsmigranten aus Nepal, Sri Lanka und Bangladesch umgekommen sein sollen. Passend dazu startet die WM im Katar am 20. November, dem Totensonntag.

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