Sie drehten einen Film über schwules Begehren – und stellten dabei ihre eigene Liebe infrage. Javier Calvo und Javier Ambrossi erzählen jetzt, wie während der Arbeit an „La Bola Negra“ ihre 13-jährige Beziehung endete. Als Regieduo „Los Javis“ bleiben die beiden Spanier dennoch zusammen. Zum US-Kinostart am 16. Oktober bekommt ihr gemeinsamer Film damit auch eine sehr persönliche Geschichte hinter der Kamera.
Das Wichtigste im Überblick
- Javier Calvo und Javier Ambrossi erklären ihre Trennung während der Arbeit an „La Bola Negra“.
- Das Liebes-Aus wurde bereits 2025 bekannt; neu sind ihre aktuellen Interviewaussagen.
- Die beiden arbeiten weiterhin gemeinsam an Filmen.
- „La Bola Negra“ erzählt von drei schwulen Männern in unterschiedlichen Epochen Spaniens.
Ein Film verändert die Beziehung
Im Gespräch mit dem Magazin „i-D“ beschreiben die Regisseure, wie die Beschäftigung mit Leidenschaft und unerfüllter Liebe auch Fragen an ihr eigenes Leben aufwarf. Irgendwann während des Drehs sei ihnen klar geworden, dass sie Familie bleiben, ihre romantische Beziehung aber beenden wollten. Einen erbitterten Streit schildern sie nicht. Vielmehr sprechen sie von einem Wandel ihrer Verbindung, der ihre weitere Zusammenarbeit ermöglicht habe.
Die Trennung ist keine neue Enthüllung: Öffentlich bekannt wurde sie im November 2025. Nun erläutern die beiden, warum ausgerechnet die Arbeit an diesem Stoff zu einem Wendepunkt wurde. Zwischenzeitlich stand auch ihre berufliche Zusammenarbeit auf der Kippe. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AP erzählen die beiden, dass sie sich vor ihrem Auftritt in Cannes wieder für die gemeinsame Regiearbeit entschieden.
Drei Männer, drei Zeiten
„La Bola Negra“ verbindet Geschichten aus den Jahren 1932, 1937 und 2017. Es geht um Männer, deren Leben durch Begehren, Ausgrenzung und die Suche nach Zugehörigkeit geprägt sind. Einer von ihnen ist Sebastián, gespielt vom spanischen Musiker Guitarricadelafuente. Im Bürgerkrieg begegnet er dem Gefangenen Rafael, den „Élite“-Schauspieler Miguel Bernardeau verkörpert.
Der Titel verweist auf ein unvollendetes Theaterstück von Federico García Lorca. Die schwarze Kugel steht darin für den Ausschluss aus einer gesellschaftlichen Gemeinschaft. Calvo und Ambrossi greifen diesen Stoff auf und verbinden ihn mit anderen Zeitebenen und der Frage, was spätere Generationen über die verdrängten Lebensgeschichten ihrer Familien erfahren.
Schwule Erfahrungen vor der Kamera
Bei der Besetzung legten die Filmemacher Wert auf persönliche Verbindungen zu den Erfahrungen der Figuren. Im offiziellen Netflix-Besetzungsporträt erinnert Calvo daran, dass er selbst nach seiner Rolle als schwuler Jugendlicher nur noch wenige Chancen als Schauspieler bekommen habe. Bei diesem Film wollten die beiden deshalb bewusst einen anderen Weg gehen.
Neben den Hauptdarstellern wirken unter anderem Penélope Cruz, Glenn Close, Carlos González und Milo Quifes mit. Der Film startet am 16. Oktober zunächst in New York und Los Angeles. Netflix nennt für die USA und Kanada den 2. Dezember als Streamingstart; in Deutschland bringt Pandora Film das Drama am 19. November 2026 ins Kino.
Bereits im September sorgte der Publikumspreis für „La Bola Negra“ beim Filmfestival in Toronto für Aufmerksamkeit. Hinter dem gemeinsamen Erfolg stehen zwei Männer, die ihren privaten Abschied und ihre künstlerische Partnerschaft miteinander vereinbaren mussten.