Bild: Erik Shoji – Archivaufnahme.
Erik Shoji blickt mit großer Zufriedenheit auf sein öffentliches Coming-out zurück. Im aktuellen Interview beschreibt der Spieler der Berlin Recycling Volleys die Reaktionen als nahezu vollständig positiv. Zugleich sieht der US-Amerikaner Unterschiede zwischen den Sportarten: Während im Volleyball die Akzeptanz wachse, bestehe im Männerfußball weiterhin ein Stigma.
Das Wichtigste im Überblick
- Shoji machte seine queere Identität bereits im Juni 2025 öffentlich.
- Die neue Nachricht ist seine Bilanz im Interview vom November 2026.
- Er beschreibt die Resonanz mit „zu 99,9 Prozent positiv“.
- Sein Rat zum Coming-out betont das eigene Tempo und die eigenen Bedingungen.
Ein großer persönlicher Moment
Für Shoji gab es nach eigener Aussage keinen einzelnen dramatischen Auslöser. Für ihn war die Zeit gekommen, dass die Öffentlichkeit Bescheid wissen sollte. Die positive Resonanz habe den Schritt zu einem wichtigen persönlichen Erlebnis gemacht. Die von ihm genannte Prozentzahl ist als Beschreibung seiner Erfahrung zu lesen, nicht als wissenschaftlich erhobene Quote.
Für viele Menschen besteht die Wirkung eines Coming-outs auch in scheinbar kleinen Alltagssituationen. Wer von einem Date oder einem Partner erzählen kann, ohne ständig die Formulierung kontrollieren zu müssen, muss einen Teil seines Lebens nicht mehr ausblenden. Shoji hatte schon in einem früheren persönlichen Bericht diese größere Selbstverständlichkeit im Umgang mit Mannschaftskollegen beschrieben.
Warum Berlin für ihn wichtig ist
Der Libero kehrte 2026 zu den Berlin Recycling Volleys zurück. Die Stadt kennt er bereits aus einer früheren Station beim Verein. Ihre Offenheit verbindet er mit der Möglichkeit, auf und neben dem Spielfeld er selbst zu sein. Das bedeutet nicht, dass queere Menschen in einer Großstadt keine Diskriminierung erleben. Es beschreibt zunächst seinen persönlichen Eindruck und seine Lebenssituation.
Auch positive Erfahrungen einzelner bekannter Sportler sind kein Beleg dafür, dass das Problem im Leistungssport gelöst wäre. Öffentliche Vorbilder können Mut machen. Ob ein Coming-out möglich und sicher erscheint, hängt jedoch ebenso von Mannschaft, Verein, Familie, Arbeitsplatz und persönlichen Umständen ab. Niemand schuldet der Öffentlichkeit eine Erklärung über seine sexuelle Orientierung.
Kein Zeitplan für andere
Entsprechend vorsichtig fällt Shojis Rat aus: Menschen sollten sich die Zeit nehmen, die sie brauchen, und den Schritt zu ihren eigenen Bedingungen gehen. Diese Haltung verhindert, dass aus einer ermutigenden Geschichte eine neue Erwartung entsteht. Sichtbarkeit kann befreiend sein; sie darf nicht zur Pflicht werden.
Sein Hinweis auf den Fußball lenkt zugleich den Blick auf Strukturen. Unterstützung zeigt sich nicht erst in Glückwünschen nach einem Coming-out. Sie beginnt dort, wo abwertende Sprache angesprochen, Diskriminierung verfolgt und vertrauliche Hilfe möglich wird. Shojis neue Bilanz ist damit ein positives Signal, ohne alle Unterschiede im Profisport einzuebnen.
Weitere Informationen: Shojis Rückkehr nach Berlin.
Stand: 7. November 2026.