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Auf dem Bild von links: Pressesprecher Oliver Lau und KLuST-Geschäftsführer Uwe Weiler // © vvg

Das Motto zum Cologne Pride SCHWULISSIMO sprach mit dem Pressesprecher Oliver Lau

vvg - 09.02.2020 - 12:00 Uhr

Nicht nur im Internet brach das Chaos aus, bei der Versammlung am 16. Januar musste die sogar die Polizei gerufen werden. Stein des Anstoßes war das Motto für den größten CSD des Landes: „Einigkeit! Recht! Freiheit!".  Wie seid ihr auf das Motto gekommen?

Es gab Ende Oktober eine Veranstaltung, zu der Mitglieder des KLuST e.V. und auch Interessierte eingeladen waren. Es waren etwa vierzig Personen, so viele wie noch nie bei der Mottofindung dabei. Das Motto wurde vorgeschlagen darüber diskutiert und gewählt worden. Uns war von Anfang an klar, dass dieses Motto für Diskussionen sorgen wird. Wir dachten, dass wir unter den drei Worten „Einigkeit!, Recht!, Freiheit!“ die Community versammeln können. Es gab heftigste Diskussionen in den sozialen Medien: "Wir würden uns den Rechten anbiedern.“ oder "Nationalismus herbeirufen.", was uns nie in den Sinn gekommen ist. Das Motto sollte eine Mahnung sein, mit Forderungen unterlegt. Wir müssen als Community eine Einheit sein, wir brauchen das gleiche Recht und die gleichen Freiheiten für alle Menschen. Das war leider nicht vermittelbar. Es gab einige Gruppen, die bewusst das Motto missverstanden haben, missverstehen wollten und dies kommuniziert haben.

Wie würdest du den Abend inhaltlich wiedergeben?

Es war ein sehr aufwühlend emotionaler Abend. Wir hatten öffentlich eingeladen und es kamen mehr Menschen, als erwartet. Wir hatten damit gerechnet, dass wir aus dem linken Lager Gegenwind bekommen, das diese Kritik aber so massiv und aggressiv stattfand, das viele Teilnehmer der Veranstaltung Angst bekamen, das hat uns sehr geschockt. Wo kommt diese Wut und Aggressivität innerhalb der Community her? Es war unmöglich mit den Leuten und durch diese Leute in einen konstruktiven Diskurs zu kommen. Durch die Schreihälse lief die Veranstaltung so aus dem Ruder, dass an eine normale Auseinandersetzung nicht mehr möglich war. Nach der Veranstaltung sind Mitglieder des Vorstandes körperlich angegangen, bespuckt und bedroht worden, was wirklich nicht zu entschuldigen ist.

War das nicht ein gefundenes Fressen für die AfD, die ja durch eine Person vertreten war?

Ja!!!! Der Abend hat der Community nicht gut getan, er hat aufgezeigt, wie zerrissen die Szene doch ist und dass dies von einigen Gruppen forciert, zumindest aber in Kauf genommen wird, nur um eigene Interessen durchzusetzen.

Wir waren total geschockt, wie sich Menschen mit vergleichbarem Diskriminierungshintergrund so respektlos überwarfen.

Es machte uns fassungslos. Das war beängstigend und von der Einigkeit, wie wir sie im bisherigen Motto gefordert haben, sind wir tatsächlich weit entfernt. Daran müssen wir arbeiten, denn es kann nicht sein, dass wir uns gegenseitig heruntermachen. Das kostet Zeit, Kraft und Nerven, die wir besser für unseren gemeinsamen Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung einsetzen könnten.

Die Community ist gespalten - gibt es überhaupt noch die Szene?

Das ist eine Frage, die sollte sich jeder selber stellen und beantworten. Sie hat sich verändert, aber leider nicht zum Guten!

Werdet ihr das Motto verändern?

Wir finden das Motto immer noch gut, hatten es zum dreißigsten Jahrestag der Wiedervereinigung ausgesucht, weil es ein politisches Motto ist. Wir haben gedacht, dass wir dieses Motto verteidigen und Anregungen in eine Änderung des Mottos einfließen lassen können. Es gab z.B. den Vorschlag, die Ausrufezeichen durch Fragezeichen zu ersetzen. In einer sachlichen Diskussion hätten wir sicherlich eine Mehrheit gefunden. Wir haben uns dann die Entscheidung, das Motto zu ändern, nicht leicht gemacht. Wir haben es nicht geändert, wegen der Schreihälse, die sich nicht benehmen konnten. Wir haben es geändert, weil wir in persönlichen Gesprächen die leisen Töne gehört haben und wir möglichst viele mitnehmen und niemanden ausschließen wollen. Das neue Motto lautet jetzt: FÜR MENSCHENRECHTE – VIELE. GEMEINSAM. STARK!

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