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Mahnwache in Kiel Rund 700 Menschen setzen ein Zeichen gegen Homophobie und Hass

Von ms - 08.11.2022 - 08:09 Uhr
Mahnwache in Kiel
Foto: IMAGO / CTK Photo
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Mit einer Mahnwache gedachten gestern Abend rund 700 Menschen in Kiel den Opfern der homophoben Attacke am vergangenen Wochenende – insgesamt vier junge Männer waren dabei teilweise sehr schwer verletzt worden. Einer der vier Männer schwebte zeitweise in Lebensgefahr, nach Angaben der Polizei habe sich sein Zustand inzwischen stabilisiert.

Täter mit vermutlich südeuropäischer Herkunft

Aufgerufen zu der Mahnwache hatten mehrere Organisationen und Institutionen, darunter die Bewegung Fridays for Future wie aber auch die Betreiber des Lokals MUM & DAD, vor welchem der Angriff geschehen war. Nach anfänglichen Pöbeleien sollen mehrere Männer insgesamt vier andere Männer im Alter zwischen 23 und 27 Jahren vor dem Lokal attackiert haben, Ausgangspunkt waren offenbar die lackierten Fingernägel eines der Opfer. Ein 23-jähriger Mann erlitt dabei durch ein Messer lebensbedrohliche Stichverletzungen am Oberkörper. Die Staatsanwaltschaft sowie die Kriminalpolizei ermitteln nun wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Die Polizei hat zudem eine Belohnung von 2.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen. Bei den Tätern soll es sich nach Polizeiangaben um drei oder vier Männer mit einem Alter von Mitte 20 handeln, die vermutliche Herkunft wird als “südeuropäisch“ beschrieben. Mindestens einer der Täter soll die Opfer mit einem Messer angegriffen haben. Weitere Einzelheiten wurden von Seiten der Polizei noch nicht bekannt gegeben. Zeugenaussagen bekräftigen indes eindeutig, dass es sich um ein homophobes Hassverbrechen handelt.

Polizei solidarisiert sich mit Regenbogenflaggen

Die Betroffenheit ob dieser Tat war gestern Abend am Kieler Ziegelteich direkt vor dem Lokal sehr groß, die Polizei selbst hatte nicht mit so viel Demonstranten gerechnet. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern sowie der LGBTI*-Community selbst trugen nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Polizisten selbst Regenbogenflaggen. Für die vier verletzten Männer wurde auch eine Schweigeminute abgehalten. Sichtlich bewegt zeigte sich auch die Sprecherin der LAG Queer Schleswig-Holstein, Anna Langsch, und erklärte während der Mahnwache: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass in so kurzer Zeit so viele Menschen - ob sie queer sind oder nicht - sich hier versammeln und ein klares Zeichen setzen, dass jegliche Form von Gewalt hier keinen Platz hat. Insbesondere, wenn sie aufgrund von menschenverachtenden Haltungen und Gesinnungen geschehen!" Aus Protest hatte Fridays for Future auch dazu aufgerufen, dass Männer mit lackierten Fingernägeln kommen sollten – viele kamen diesem Aufruf auch nach. Auf den mitgeführten Transparenten waren Aussagen zu lesen wie: “Wir sind hier, wir sind queer, wir werden nicht verschwinden!“, “Kiel bleibt bunt“ oder auch “Homophobie tötet!“ LGBTI*-Ansprechpartner bei der Polizei Schleswig-Holstein, Tim Jänke, hatte während der Mahnwache zudem bekräftigt, dass auch in Kiel wie in ganz Deutschland die Zahl der Hassverbrechen gegen die sexuelle Orientierung zuletzt drastisch angestiegen sei. Allein in Kiel waren 2021 insgesamt 26 Fälle registriert worden.

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