Schulen in Florida machen ernst „Wenn man nicht darüber sprechen darf, wer man ist, ist das eine Bestätigung dafür, dass man nicht existieren sollte!“
Sozusagen im vorauseilenden Gehorsam setzen immer mehr Schulen im US-Bundesstaat Florida das sogenannte „Don´t Say Gay“- Gesetz bereits um, bevor dieses im Juli offiziell in Kraft tritt. Gouverneur Ron DeSantis hatte das Verbot von LGBTI*-Themen an Schulen gegen alle Widerstände von Seiten der Politik, queerer Vereine und Unternehmen wie World-Disney umgesetzt und gilt spätestens seitdem als heißer Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahlen 2024.
Wie ernst es die Schulen mit der gesetzlichen Direktive nehmen, hat nun jüngst der Oberstufenschüler Zander Moricz (18) aus Florida erfahren, als er letzte Woche in das Büro seines Schuldirektors gerufen wurde. Als Klassensprecher während seiner gesamten Highschool-Zeit sowie als erster offener LGBTI*-Schüler eigentlich keine Seltenheit, doch dieses Mal war alles anders.
Anstatt freundlicher Worte erklärte Schuldirektor Stephen Covert von der Pine View School in Osprey in Florida dem jungen Schüler, dass er bei seiner Abschlussrede nicht auf seinen LGBTI*-Aktivismus hinweisen dürfe, anderenfalls würden die Schulbeamten sein Mikrofon abschalten und die Zeremonie abbrechen.
Zur weiteren Erklärung soll der Schuldirektor laut Moricz gesagt haben, dass er nur wolle, dass die Familien einen schönen Tag haben und die Lebensgeschichte eines queeren Schülers würde da die Feierlaune nur trüben. "Es war unglaublich entmenschlichend!“, so Moricz gegenüber NBC News.
Auf Rückfrage erklärte die übergeordnete Vereinigung der Sarasota County Schools, dass es dieses Treffen gegeben habe und die Abschlussreden routinemäßig oft überprüft würden, um sicherzustellen, dass sie "dem Ton der Zeremonie angemessen" sind.
Zur Verteidigung seines Schulleiters fügte Moricz hinzu, dass er "erstaunt" sei, weil Coverts Forderung "nicht seine früheren Handlungen" in den vier Jahren ihrer Zusammenarbeit widerspiegele. Moricz nimmt daher an, dass die Aussage des Schuldirektors eine direkte Reaktion auf das "Don't Say Gay"-Gesetz ist. Viele Schulen hätten inzwischen Angst, gegen die Richtlinien zu verstoßen und anschließend hohe Geldstrafen zahlen zu müssen.
Der Kampf gegen die Gesetzgebung ist für Moricz eine persönliche Angelegenheit, er führte einen der Schüler-Proteste im Vorfeld des Gesetzes an. Für ihn war die Unterstützung von Seiten der Lehrer und seiner Mitschüler ein enorm wichtiger Schritt auf dem Weg zu seinem eigenen Coming Out – eine Möglichkeit, die künftigen Schülern versagt bleiben wird: "Ich würde nicht für diese Dinge kämpfen, wie ich es tue, wenn ich das nicht zuerst in der Schule hätte tun können. Ich denke, so wie man in der Schule so viele wichtige Dinge über das Leben lernt, so lernt man auch etwas über sich selbst, und das sieht für LGBTI*-Kinder anders aus. Das 'Don't Say Gay'-Gesetz sieht wie eine Kleinigkeit aus, ist aber in Wirklichkeit alles. Wenn man nicht darüber sprechen darf, wer man ist, ist das eine ständige unterbewusste Bestätigung dafür, dass man nicht gleichwertig ist und eigentlich gar nicht existieren sollte", so Moricz.
Seitdem der junge Mann auch außerhalb der Schule für LGBTI*-Rechte eintritt, erhält er sehr persönliche Online-Todesdrohungen und homophobe Fremde stürmten bereits das Büro seiner Eltern auf der Suche nach ihm.