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Gouverneur geht gegen Disney vor Disney könnte Urheberrechte an Mickey Mouse verlieren

Von ms - 12.04.2022 - 17:00 Uhr
Großstreik der LGBTI*-Mitarbeiter bei Disney // © IMAGO NurPhoto xArturxWidakx
Foto: Großstreik der LGBTI*-Mitarbeiter bei Disney // © IMAGO NurPhoto xArturxWidakx
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Floridas Gouverneur Ron DeSantis hat jetzt angekündigt, gegen den Disney-Konzern vorgehen zu wollen. Hintergrund dürfte der Streit um das neue „Don´t Say Gay“-Gesetz sein, das künftig verbietet, an Grundschulen LGBTI*-Themen zu besprechen. Auch in den weiterführenden Schulen sind queere Aspekte tabu, wenn sie nicht „altersgerecht“ vermittelt werden – eine schwammige Definition, die konservativen Eltern viel Macht und Auslegungsspielraum gibt, den sie künftig für Klagen nutzen können, wenn ihnen ein Unterrichtsstoff nicht zusagt.

Der Disney-Konzern hatte lange Zeit eine eher unrühmliche Rolle in der Diskussion um LGBTI*-Verbote gespielt. Als größter Arbeitsgeber des Bundesstaates und großer Spendengeber der Republikaner hätte das Unternehmen seinen Einfluss frühzeitig zur Geltung bringen können, vermied aber, in den Streit um das Gesetz mit hineingezogen zu werden und spendete sogar weiterhin Geld an jene Politiker, die den damaligen Gesetzentwurf unterstützten. Erst nach massiven Protesten sprach sich Disneys CEO Bob Chapek halbherzig gegen das Gesetz aus, welches schlussendlich trotzdem Ende März von Gouverneur DeSantis unterzeichnet wurde.

Im Juli tritt die Verordnung damit in Kraft. Erst nach der Verabschiedung positionierte sich Disney abermals neu und erklärte nun, dass das Gesetz niemals verabschiedet hätte werden dürfen und schrieb in einer Presseerklärung: "Unser Ziel als Unternehmen ist es, dass dieses Gesetz von der Legislative aufgehoben oder von den Gerichten gekippt wird, und wir unterstützen weiterhin die nationalen und bundesstaatlichen Organisationen, die sich für dieses Ziel einsetzen. Wir setzen uns für die Rechte und die Sicherheit der LGBTI*-Mitglieder der Disney-Familie sowie für die LGBTI*-Community in Florida und im ganzen Land ein."

Während für viele queere Aktivisten der Schritt abermals zu spät und halbherzig daherkommt, hat er bei Gouverneur Ron DeSantis anscheinend doch zu Empörung geführt und einen Nerv getroffen. Aufgrund dessen will der Republikaner nun massiv gegen den Disney Konzern vorgehen. Zum einen will der politische Hardliner und mögliche Präsidentschaftskandidat den sogenannten „Reedy Creek Improvement Act“ von 1967 rückgängig machen. Diese Verordnung gibt dem Unternehmen Disney bisher das Recht, sich sozusagen auf ihrem Grundbesitz selbst zu regieren, einschließlich der Möglichkeit, eigene Steuern zu erheben und Richtlinien zu erlassen. Zum anderen wird anscheinend daran gearbeitet, die Verlängerung der Urheberrechte von „Mickey Mouse“ nicht weiter zu unterstützen, was schwerwiegende und massive finanzielle Konsequenzen für Disney haben dürfte und für viele US-Beobachter schlicht ein Akt der Erpressung ist.

Gouverneur DeSantis äußerte sich beinahe nüchtern zu den neuen Plänen, die Macht des Konzerns beschneiden zu wollen: "Grundsätzlich unterstütze ich keine Sonderrechte im Gesetz, nur weil ein Unternehmen mächtig ist. Sie haben viel von dem Einfluss verloren, den sie früher hatten, und ehrlich gesagt, denke ich, dass das für unseren Staat gut ist. Man sollte nicht eine einzige Organisation haben, die in der Lage ist, die Politik in all diesen verschiedenen Bereichen zu diktieren, und das haben sie viele, viele Jahre lang getan. Wenn das jetzt aufhört, was es sollte, wäre das eine gute Sache für Florida."

Es wird sich zeigen, ob das Hause Disney tatsächlich für die LGBTI*-Community einsteht oder ähnlich wie ein Fähnchen im Wind seine politische Maxime abermals neu ausrichtet. Kritik am „Don´t Say Gay“-Gesetz kam in diesen Tagen dann noch von anderer prominenter Stelle – Charlee Corra Disney, ein Erbe des Disney-Vermögens, outete sich als transsexuell und sprach sich klar gegen das Schulverbot von LGBTI*-Themen aus. Dabei verwies er ausdrücklich auch auf die hohen Raten von Depressionen, Angstzuständen, Mobbing und Selbstmord unter LGBTI*-Jugendlichen, die mit dem neuen Gesetz wahrscheinlich weiter zunehmen werden. "Sie können in der Schule nichts über ihre Community und ihre Geschichte lernen, keinen Sport treiben oder die Toilette benutzen, die sie benutzen wollen", so der Disney-Erbe im Interview mit der LA Times. "Ich habe das Gefühl, dass ich nicht viel tun kann, um zu helfen. Ich rief auch keine Senatoren an oder wurde aktiv. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass ich mehr hätte tun können." Im weiteren Gesprächsverlauf berichtete der junge trans-Mann von seinem eigenen Leben: "Ich hatte sehr wenige offen queere Vorbilder. Und ich hatte ganz sicher keine transsexuellen oder nicht-binären Vorbilder. Ich sah mich in niemandem widergespiegelt, und das gab mir das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmte."

Der 30-jährige Urenkel von Walt Disney sowie seine Eltern, Roy und Sheri Disney, haben bekanntgegeben, dass sie nun 500.000 US-Dollar an die Human Rights Campain zur Unterstützung der LGBTI*-Community spenden werden.

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