Obdachlosigkeit Depressionen, Angst, Suizid – Standard bei vielen obdachlosen LGBTI*
Es sind alarmierende Zahlen, die das Trevor Project jetzt veröffentlicht hat – laut ihrer jüngsten Untersuchung waren 28 Prozent der queeren Jugendlichen in Amerika bereits einmal von Obdachlosigkeit oder einer prekären Wohnsituation betroffen. Die Hälfte aller obdachlosen LGBTI*-Jugendlichen haben indigene Wurzeln, rund 40 Prozent definieren sich als transsexuell oder nicht-binär.
Die Gefahr unter Depressionen, Angstzuständen sowie Suizidgedanken zu leiden, ist bei obdachlosen LGBTI*-Jugendlichen bis zu viermal höher als bei jenen queeren jungen Menschen, die in einer Schutzeinrichtung untergebracht werden konnten. Etwa jeder dritte obdachlose queere Jugendliche hat innerhalb des letzten Jahres versucht, sich das Leben zu nehmen. Für Forschungswissenschaftler Jonah DeChants, einer der Autoren der Studie, zeichne sich hier ein dramatisches Bild von der Lebenssituation junger queerer Menschen ab. Überraschend sind die Zahlen für den Fachmann allerdings nicht, wie er gegenüber NBC News betonte: "Wenn man Homophobie, Rassismus, Transphobie und anti-indigenen Rassismus zusammenzählt, dann sehen wir wieder, dass junge Menschen, die mehrere Formen von Marginalisierung und Unterdrückung erleben, dazu neigen, aus der Wohnunterstützung herausgedrängt und obdachlos zu werden."

Die Pandemie hat die Situation dabei noch einmal extrem zugespitzt – für über 80 Prozent der LGBTI*-Jugendlichen hat sich ihre Wohnsituation dadurch noch weiter verschlechtert. Die Pandemie und deren Auswirkungen vergrößere zudem auch die Hoffnungslosigkeit für queere Jugendliche noch weiter, sodass Fachleute verschiedener Gremien befürchten, dass die Zahl der Suizide weiter ansteigen könnte. "Nichts repariert den Schaden, der typischerweise dadurch entsteht, dass man von seiner Familie, seiner Gemeinschaft oder der Kultur im Allgemeinen abgelehnt wird. Was die Auswirkungen von Covid betrifft, so hat es diese Probleme verzehnfacht", so Bill Torres, Leiter der Anlaufstelle des Ali Forney Center in New York, einer der größten Obdachlosenunterkünfte für LGBTI*-Jugendliche in den USA.
Kate Barnhart, die Geschäftsführerin von New Alternatives, einer weiteren Anlaufstelle für obdachlose LGBTI*-Jugendliche und HIV-Infizierte in New York, erklärt die Situation mit dramatischen Worten: "Wir sehen Menschen, die von ihrer medizinischen und psychologischen Versorgung abgekoppelt sind. Telemedizin ist in Ordnung, wenn man zur Mittelschicht gehört, aber wenn man kein Gerät oder kein Wi-Fi hat oder in einem Acht-Mann-Zimmer in einer Notunterkunft sitzt und keine Privatsphäre hat, um mit seinem Psychiater zu sprechen, dann funktioniert das alles nicht so wirklich gut." Helfen könnte nach Auskunft der Experten, deutlich mehr Wohnprogramme für LGBTI*-Jugendliche umzusetzen und den Antidiskriminierungsschutz für queere Menschen deutlich zu stärken.
Hier gibt es Hilfe
Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst.
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.
Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de