Eine neue Währung für LGBTI* Kann eine queere Währung die Welt verändern?
Ende Februar soll in Spanien eine neue Krypto-Währung speziell für LGBTI*-Menschen eingeführt werden. Damit sollen künftig speziell queere Menschen unterstützt, Gleichbehandlung vorangetrieben und Diskriminierung abgebaut werden. Die neue Währung soll ein politisches Statement und ein machtvolles Organ sein, um die LGBTI*-Community des Landes zu stärken.
Mit der neuen Währung will Mitbegründer Juan Belmonte (48) tatsächlich die Welt verändern, gerade mit Blick auf die LGBTI*-Community, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte: „Wir können Mikrokredite vergeben, damit Leute ein kleines LGBTI*-freundliches Café in Kolumbien eröffnen können oder Projekte unterstützen, die queeren Flüchtlingen helfen, aus Ländern zu fliehen, in denen sie sonst zu Tode gesteinigt werden!“ Die Idee dazu kam dem Friseur beim CSD in Madrid, inzwischen stehen bereits mehr als 10.000 Menschen auf der Warteliste. Zuvor war die Währung als Pilotprojekt erfolgreich in einem Stadtteil von Madrid getestet worden. Ab Ende Februar dann sollen die digitalen Münzen weltweit zur Verfügung stehen. Online werden dann Firmen und Händler gelistet, die die queere Währung führen, wobei streng darauf geachtet werden soll, dass alle Unternehmen LGBT*-freundlich sind. Wer negativ auffällt, fällt aus dem System.

In Spanien sorgt die neue Krypto-Währung zumeist für Begeisterung, nur mit dem Namen selbst hat sich Belmonte keinen Gefallen getan: Maricoin. Der Begriff ist an das spanische Wort „maricon“ angelehnt, was etwa so viel wie „Schwuchtel“ bedeutet. Ist es respektlos, ein vermeintliches Schimpfwort für queere Menschen zu verwenden? Die spanischen Queers sind da geteilter Meinung – ähnlich wie der Begriff „Schwule“ in Deutschland könnte die Community selbst den einstmals abwertenden Begriff durch eine eigene Neuinterpretation umdefinieren und positiv und mit stolzer Kampfeslust besetzen. Die schwulen Männer untereinander nennen sich bereits in Spanien selbst zumeist „maricon“.
Ob die gesamte Idee langfristig von Erfolg gekrönt sein wird, hängt maßgeblich von der Anzahl der Mitglieder ab. Erst eine breite Gruppe von Unternehmen und Usern kann die geplante LGBTI*-Währung tatsächlich zu einem kraftvollen Player auf dem Finanzmarkt machen. Ein ähnliches Projekt des Netzwerkes Hornet scheiterte zwar 2018, doch Hornet-Chef Cristoff Wittig glaubt gegenüber Reuters noch immer an eine queere Währung: „Eine dezentralisierte Technologie wie die Krypto-Währung passt im Prinzip perfekt zu einer dezentralisierten Community wie der unseren." Der Markt ist grundsätzlich vorhanden, das bestätigte auch die Credit Suisse Bank – ihrer Studie zufolge ist die Kaufkraft der LGBTI*-Community gigantisch. Wären die LGBTI*-Menschen eine eigene Volkswirtschaft, stünden sie auf Platz 4 weltweit – noch vor Deutschland.