Vier Jahre nach seinem Coming-out wirbt Lucas Krzikalla erneut für mehr queere Vorbilder im Sport. In einem Beitrag von BR24Sport steht sein Wunsch nach Sichtbarkeit im Mittelpunkt. Der Handballer verbindet damit eine klare Grenze: Offenheit soll Mut machen, aber niemanden unter Druck setzen.
Das Wichtigste im Überblick
- Lucas Krzikalla lebt seit seinem öffentlichen Coming-out 2022 offen schwul.
- Er wünscht sich mehr queere Vorbilder im Sport.
- Der Handballer spielt inzwischen für die Münchner Panther.
- Ein Coming-out bleibt für ihn eine persönliche Entscheidung.
Mut machen, ohne zu drängen
Im BR-Interview spricht Krzikalla über seine damalige Angst, nach dem Coming-out anders behandelt zu werden. Tatsächlich habe er viel Unterstützung erfahren. Dass weitere Sportler sichtbar werden, würde ihn freuen. Dabei betont er: „Aber jeder Sportler braucht seine Zeit – und da soll man niemanden drängen.“
Heute lebt der ehemalige Leipziger Bundesligaspieler mit seinem Partner in München. Seit diesem Sommer steht er für die Münchner Panther in der Regionalliga auf dem Feld.
Die Vorbilder fehlten ihm selbst
Der Wunsch ist für Krzikalla keine neue Forderung. Schon 2023 erzählte er, dass ihn nach seinem Coming-out Menschen aus dem privaten Umfeld und dem Breitensport um Rat baten. Das bestätigte ihn in seiner Entscheidung, selbst sichtbar zu werden. SCHWULISSIMO berichtete damals über seine Erfahrungen nach dem Coming-out.
In der Mannschaft sei seine Beziehung ganz normal aufgenommen worden, schilderte er seinerzeit. Beim Umgang miteinander habe sich kaum etwas verändert. Einzelne Schwulenwitze, die zuvor gefallen seien, hätten sich seine Mitspieler allerdings verkniffen. Seine Geschichte zeigt damit auch, dass Sichtbarkeit den Alltag verändern kann, ohne einen Sportler auf seine sexuelle Orientierung zu reduzieren.
Mehr als ein Moment vor der Kamera
Auch außerhalb der Halle beschäftigt sich Krzikalla mit dem Thema. Eine Porträtserie der Fotografin Jana Gerberding, über die SCHWULISSIMO Ende 2025 berichtete, rückte seine Persönlichkeit und die Sichtbarkeit eines schwulen Athleten in den Mittelpunkt.
Für junge LGBTIQ+-Menschen können solche Geschichten eine konkrete Antwort auf eine schwierige Frage geben: Kann ich im Sport dazugehören und zugleich offen leben? Ein Vorbild ersetzt keine verlässlichen Ansprechpersonen, keinen Rückhalt im Verein und kein konsequentes Vorgehen gegen Diskriminierung. Es kann aber zeigen, dass sportlicher Ehrgeiz und eine gleichgeschlechtliche Beziehung zusammengehören können.
Krzikallas Appell richtet den Blick deshalb auch auf das Umfeld. Wer mehr Offenheit möchte, muss Bedingungen schaffen, unter denen Sportlerinnen und Sportler sich sicher fühlen. Wann jemand über die eigene Identität spricht, entscheidet die Person selbst.