Ein Aushilfslehrer, der über schwule Pinguine spricht: Mit seinem Programm „Homologie“ hat Malte Anders am Mittwoch, 14. Oktober, Jugendliche des Feodor-Lynen-Gymnasiums in Planegg erreicht. Im Kupferhaus ging es für die achte und neunte Jahrgangsstufe um sexuelle Vielfalt und Ausgrenzung. Eine zugespitzte Aussage über die Tierwelt verdient dabei einen genaueren Blick.
Das Wichtigste im Überblick
- Malte Anders war mit „Homologie“ bei Schülerinnen und Schülern aus Planegg zu Gast.
- Das Programm verbindet Comedy mit Aufklärung über Homosexualität, Vorurteile und Mobbing.
- Gleichgeschlechtliche Balz ist bei Pinguinen wissenschaftlich dokumentiert.
- Eine pauschale Quote von 20 Prozent für sämtliche Pinguine lässt sich aus der hier betrachteten Studie nicht ableiten.
Eine Schulstunde mit Pointen
Nach der Vorstellung konnten die Jugendlichen anonym Fragen stellen. Hinter der Figur Malte Anders steht der Kabarettist und Theaterpädagoge Timo Schweitzer. Seine Bühnenrolle verbindet Wissensvermittlung mit persönlichen Erzählungen; diese sind nicht automatisch mit seiner eigenen Biografie gleichzusetzen.
Das Konzept führt durch verschiedene Schulfächer und nimmt dabei unter anderem Coming-out, queere Rechte und den Umgang mit Diskriminierung auf. Nach Angaben des Veranstalters Art-Q richtet es sich an die Klassen acht bis zehn. Auf rund eine Stunde Comedy folgt eine halbstündige Diskussion. Zum Angebot gehört auch Material, mit dem Lehrkräfte die Veranstaltung vorbereiten können.
Was die Pinguin-Zahl aussagt
Die bei dem Auftritt angeführte Behauptung, jeder fünfte Pinguin sei schwul oder lesbisch, klingt einprägsam. Gleichgeschlechtliches Verhalten bei den Vögeln ist tatsächlich belegt. Die Vorstellung einer festen Quote für alle Pinguine geht jedoch über das hinaus, was eine häufig zitierte Untersuchung zeigt.
In der 2010 in der Fachzeitschrift Ethology veröffentlichten Studie über das Balzverhalten von Königspinguinen untersuchten Gwénaëlle Pincemy, F. Stephen Dobson und Pierre Jouventin Tiere auf den Kerguelen. Bei 28,3 Prozent von 53 beobachteten balzenden Paaren waren beide Tiere gleichen Geschlechts, überwiegend Männchen.
Das ist ein Anteil unter den untersuchten Balzpaaren, keine Quote homosexueller Tiere im gesamten Bestand. Einige Männchen, die mit Männchen balzten, bildeten später Paare mit Weibchen. Nur in zwei Fällen dokumentierte das Team, dass gleichgeschlechtliche Partner die Rufe des jeweils anderen lernten – einen wichtigen Schritt der Paarbindung. Einzelne Balzhandlungen, längerfristige Bindungen und eine menschliche sexuelle Identität sind also unterschiedliche Dinge.
Gleichgeschlechtliche Balz und Paarbindungen sind auch bei anderen Tierarten dokumentiert.
Fragen ohne Coming-out-Druck
Wie wichtig der geschützte Austausch ist, beschrieb der Künstler bereits 2021 im SCHWULISSIMO-Interview über „Homologie“. Jugendliche fragten ihn etwa, wie sie mit homophoben Eltern umgehen oder sich in ihrer Klasse outen könnten. Seine Haltung: Ein Coming-out braucht keinen vorgegebenen Zeitpunkt. Zunächst könne es helfen, mit einer vertrauten Person zu sprechen. Die Entscheidung, wem man sich wann anvertraut, müsse bei den Jugendlichen selbst bleiben.
Vielfalt gehört zum Bildungsauftrag
Das bayerische Kultusministerium führt „Homologie“ unter seinen Angeboten zu geschlechtlicher Bildung und Vielfalt auf. Respekt gegenüber Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Identität gehört dort ausdrücklich zu den Bildungszielen. Neben dem Unterricht können auch Projekte und Veranstaltungen diese Themen aufgreifen.
Art-Q zufolge wurde das vom Sozialministerium finanzierte Kontingent im Herbst 2025 um bis zu 60 Aufführungen an 30 Schulen bis Ende 2026 erweitert. Schulen können das geförderte Angebot kostenfrei über den Veranstalter buchen.