Pride trotz Papstbesuch? Brasiliens LGBTIQ+-Szene will trotz Verbot marschieren
In Buenos Aires sorgt ein Verbot öffentlicher Veranstaltungen rund um den bevorstehenden Besuch von Papst Leo XIV. für Proteste von LGBTIQ+-Organisationen. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, vom 6. bis zum 13. November keine „Veranstaltungen, Aufführungen oder Menschenansammlungen im öffentlichen Raum“ zu genehmigen. Betroffen wäre damit auch der für den 7. November geplante Pride.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Stadtverwaltung von Buenos Aires will vom 6. bis 13. November keine Veranstaltungen und Menschenansammlungen im öffentlichen Raum genehmigen.
- Hintergrund ist der Besuch von Papst Leo XIV., der am 8. November in Argentinien erwartet wird.
- Am 7. November soll die 35. Ausgabe des Pride von Buenos Aires stattfinden.
- Die Pride-Organisatoren kritisieren das Verbot und kündigen an, trotzdem auf die Straße zu gehen.
- Im vergangenen Jahr nahmen rund zwei Millionen Menschen am Pride in Buenos Aires teil.
- Die Organisatoren verweisen auch auf die politische Situation unter Präsident Javier Milei und auf dokumentierte LGBTIQ+-feindliche Vorfälle.
- Das Nationale Observatorium für LGBTIQ+-Hassverbrechen registrierte 2025 insgesamt 227 entsprechende Straftaten.
Community widersetzt sich
Die Entscheidung wird von den queeren Organisatoren als unverständlich kritisiert. Denn Papst Leo XIV. soll erst am 8. November in Buenos Aires eintreffen – also einen Tag nach dem Pride. Die LGBTIQ+-Community in Argentinien kündigte deshalb an, sich dem Verbot zu widersetzen. „Wir verstehen die institutionelle Bedeutung des Besuchs eines Staatsoberhauptes und der höchsten Autorität der katholischen Kirche. Was wir nicht verstehen, ist, wie dieser Umstand als ausreichender Grund dafür angeführt werden kann, die Aussetzung einer der wichtigsten, traditionsreichsten und meistbesuchten öffentlichen Veranstaltungen der Stadt zu fordern – insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass der Papst erst am folgenden Tag in unser Land kommt“, erklärten die Organisatoren. Der Pride von Buenos Aires gehört zu den größten Veranstaltungen dieser Art weltweit. Im vergangenen Jahr nahmen nach Angaben der Organisatoren rund zwei Millionen Menschen daran teil.
Stadt betont Sicherheitsmaßnahmen
Papst Leo XIV. wird am 8. November eine viertägige Reise durch Argentinien beginnen. Sie ist Teil seiner ersten Lateinamerika-Reise, die ihn außerdem nach Uruguay und Peru führen soll. Der letzte Papst, der Argentinien besuchte, war Johannes Paul II. im April 1987. Papst Franziskus, der als Jorge Mario Bergoglio in Buenos Aires geboren wurde, besuchte sein Heimatland während seiner zwölfjährigen Amtszeit nicht. In einer am jetzt veröffentlichten Entscheidung begründete die Stadtverwaltung von Buenos Aires die Einschränkungen mit der besonderen Bedeutung des Papstbesuchs. Dieser „stellt ein Ereignis von außergewöhnlicher institutioneller, religiöser und gesellschaftlicher Bedeutung sowie von außergewöhnlicher Tragweite dar“, hieß es. Deshalb seien „vorbeugende Maßnahmen erforderlich, um die Sicherheit des hochrangigen Besuchers, der Teilnehmer und der Bevölkerung zu gewährleisten“.
Geplant seien unter anderem „ein spezieller Verkehrsmanagementplan – einschließlich Straßensperrungen, vorübergehender Einschränkungen und Umleitungen“. Zudem sollen Polizei und andere Behörden „außergewöhnlich“ viele personelle und materielle Ressourcen einsetzen. Nach Darstellung der Stadtverwaltung wären weitere Veranstaltungen im öffentlichen Raum im gleichen Zeitraum „mit den Sicherheits-, Ordnungs- und Mobilitätsbedingungen, die die Stadtverwaltung gegenüber der Bevölkerung gewährleisten muss, unvereinbar“. Sie könnten zudem „den ordnungsgemäßen und sicheren Ablauf des Besuchs des Heiligen Vaters“ beeinträchtigen.
Organisatoren kündigen Marsch an
Die Reaktion der Pride-Organisatoren folgte umgehend. In den sozialen Netzwerken erinnerten sie daran: „Der Pride wird auch auf den Straßen gestaltet.“ Weiter erklärten sie: „Die Regierung versucht, die Pride-Parade zu verhindern, indem sie Veranstaltungen im öffentlichen Raum einschränkt. Aber eines müssen sie verstehen: Unsere Rechte können nicht per Dekret ausgesetzt werden. Die Mütter der Plaza de Mayo gingen auf die Straße, als dies bedeutete, sich der Macht entgegenzustellen. Sie baten nicht um Erlaubnis, um Wahrheit, Erinnerung und Gerechtigkeit einzufordern. Wenn sie nicht darum gebeten haben, werden wir es auch nicht tun. Denn zu marschieren bedeutet, zu existieren. Zu marschieren bedeutet, sichtbar zu werden. Zu marschieren bedeutet, das Erreichte zu verteidigen und das einzufordern, was noch fehlt. Am 7. November kehrt der Pride auf die Straße zurück.“
Kritik an Präsident Milei
Die Auseinandersetzung fällt in eine politisch angespannte Zeit für die LGBTIQ+-Community in Argentinien. Die Organisatoren verweisen auch auf die Politik von Präsident Javier Milei und werfen seiner Regierung vor, Homophobie und Transfeindlichkeit wieder auf institutioneller Ebene zu verankern. Erst in der vergangenen Woche wurde der junge schwule LGBTIQ+-Aktivist Agustín Romero in Buenos Aires angegriffen. Zuvor im Januar 2025 hatte Milei beim Weltwirtschaftsforum in Davos Feminismus, die sogenannte „Gender-Ideologie“ und progressive politische Ansätze angegriffen. Seine Äußerungen lösten Proteste im ganzen Land aus. Auch Human Rights Watch verwies in seinem Weltbericht 2026 über Argentinien auf abwertende Äußerungen Mileis über die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen, Geschlechtsidentität und inklusive Sexualerziehung.
227 Hassverbrechen im Jahr 2025
Das Nationale Observatorium für LGBTIQ+-Hassverbrechen, das von der LGBT-Defensoría, der argentinischen LGBT-Föderation und der Defensoría del Pueblo de la Nación getragen wird, registrierte im Jahr 2025 insgesamt 227 Hassverbrechen, die durch sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck motiviert gewesen seien. Rund 90 Prozent der Attacken liegen dabei im Dunkelfeld und finden nicht Einzug in die Statistik. Vor diesem Hintergrund wollen die Pride-Organisatoren an ihrem Termin festhalten.