Brutale Attacke auf Schwulen Proteste gegen Diskriminierung und Mileis Regierung
Der schwule LGBTIQ+-Aktivist Agustín Romero wurde Ende letzter Woche in Buenos Aires brutal homophob überfallen. Der junge Mann war mit einem Fahrrad unterwegs, als er unvermittelt von einem Autofahrer attackiert wurde. In den sozialen Medien sorgt der Fall für viel Gesprächsstoff und für Kritik an der Regierung von Präsident Javier Milei.
Das Wichtigste im Überblick
- Der schwule LGBTIQ+-Aktivist Agustín Romero berichtet von einem homophoben Angriff in Buenos Aires.
- Nach seinen Angaben wurde er geschlagen und musste wegen einer Verletzung mit vier Stichen genäht werden.
- Romero bringt den Angriff mit dem politischen Klima und den Hassreden der Regierung von Javier Milei in Verbindung.
- Ein Bericht des Nationalen Observatoriums für LGBTIQ+-Hassverbrechen verzeichnete 2025 insgesamt 227 entsprechende Straftaten, die Dunkelziffer wird auf 90 Prozent beziffert.
Attacke von Autofahrer
Romero schilderte den Vorfall in einem auf Instagram veröffentlichten Video. „Während ich mit dem Fahrrad zu der Mobilisierung anlässlich des 50. Jahrestags der Noche de los Lápices unterwegs war, wurde ich von einem Typen homophob angegriffen“, sagte er. Nach seiner Darstellung habe der Autofahrer unvermittelt gebremst. „Er hat plötzlich gebremst, ohne nach hinten zu schauen, wo ich mit dem Fahrrad ankam. Ohne dass ich ihn angefahren oder berührt hätte, stieg er direkt aus dem Auto und schlug mir, während er ‚du bist ein Kranker, du verdammter Schwuler‘ schrie, zweimal ins Gesicht und einmal auf den Rücken.“ Auf später verbreiteten Bildern sind Verletzungen in seinem Gesicht zu sehen. Romero zufolge musste eine Wunde mit vier Stichen genäht werden. Über seinen Gesundheitszustand sagte er: „Zum Glück geht es mir gut, es ist nichts Schlimmeres passiert.“ Zugleich kündigte er an, Anzeige erstatten zu wollen.
Zusammenhang mit Klima
Der bekannte argentinische schwule Aktivist ordnete den Angriff in die politische und gesellschaftliche Situation unter Präsident Javier Milei ein. „Diese Typen fühlen sich durch die Hassreden der Regierung legitimiert“, so Romero. LGBTIQ+-Organisationen in Argentinien haben die Rhetorik der Regierung Milei bereits zuvor wiederholt kritisiert. Im Januar 2025 hatte der Präsident beim Weltwirtschaftsforum in Davos den Feminismus, die sogenannte „Gender-Ideologie“ und progressive politische Ansätze angegriffen. Die Äußerungen führten zu Protesten in verschiedenen Teilen Argentiniens.
In der Folge kam es zur ersten großen föderalen LGBTIQ+-Demonstration für antifaschistischen und antirassistischen Pride. Veranstaltungen fanden in Buenos Aires und zahlreichen weiteren Städten statt. Auch Human Rights Watch befasst sich in seinem Weltbericht 2026 zu Argentinien mit Äußerungen Mileis. Darin wird auf abwertende Aussagen des Präsidenten zur Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen, zur Geschlechtsidentität und zur inklusiven Sexualerziehung hingewiesen.
227 Hassverbrechen registriert
Der Fall Romero ereignet sich vor dem Hintergrund dokumentierter Gewalt gegen LGBTIQ-Menschen in Argentinien. Das Nationale Observatorium für LGBTIQ+-Hassverbrechen, das von der LGBT-Ombudsstelle, der Federación Argentina LGBT und der Defensoría del Pueblo de la Nación getragen wird, registrierte für 2025 insgesamt 227 Hassverbrechen aufgrund sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck. Nach Angaben des Observatoriums entspricht dies ungefähr einer Tat alle 38 Stunden. Zugleich sei es der höchste Wert gewesen, den die Organisation bislang erfasst habe.
Bereits im ersten Halbjahr 2025 waren 102 Opfer dokumentiert worden. 17 Menschen wurden demnach getötet, 85 weitere verletzt. Gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres entsprach dies einem Anstieg von 70 Prozent, wie auch Human Rights Watch berichtete. Die Statistik erfasst allerdings nur Fälle, von denen das Observatorium durch Anzeigen, Medienberichte oder Informationen lokaler Organisationen Kenntnis erlangt. Die tatsächliche Zahl der Fälle könnte daher höher sein. In der Regel werden 90 Prozent der Attacken gar nicht erst angezeigt und damit auch nicht publiziert.
Opfer der Militärdiktatur
Romero war auf dem Weg zu einer Veranstaltung zum 50. Jahrestag der Noche de los Lápices, als es zu dem Angriff kam. Die Ereignisse gehören zu den bekanntesten Beispielen für die Repression während der letzten argentinischen Militärdiktatur. In der Nacht vom 16. auf den 17. September 1976 wurden in La Plata zehn Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren verschleppt. Die Jugendlichen waren politisch aktiv und hatten sich an Protesten beteiligt. Die Jugendlichen wurden in geheime Haftzentren gebracht und gefoltert. Vier von ihnen überlebten. Sechs gelten bis heute als verschwunden. Zum 50. Jahrestag fanden 2026 in verschiedenen Teilen Argentiniens Veranstaltungen und studentische Demonstrationen statt.
Die zentrale Demonstration wurde in La Plata organisiert. Auch in Buenos Aires gab es Veranstaltungen zum Gedenken sowie für die Verteidigung von Menschenrechten. In seinem Video rief Romero außerdem zur Teilnahme an der Marcha de la Bronca am 19. September auf. Die landesweite Mobilisierung richtete sich gegen die Politik der Regierung Milei und wurde von Gewerkschaften sowie studentischen, politischen, feministischen und LGBTIQ+-Organisationen unterstützt. Man müsse, so Romero, zu „Abertausenden auf den Straßen sein“, um ein deutliches Zeichen gegen Homo- und Transphobie zu setzen.