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Queere Firmen unter Druck
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Queere Firmen unter Druck Zölle treffen kleine Betriebe und LGBTIQ+-Kreative

ms - 17.09.2026 - 14:00 Uhr
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Die Handelsspannungen zwischen Kanada und den USA treffen auch immer wieder und verstärkt die queere Wirtschaft Kanadas. Besonders kleine Unternehmen, die bislang einen großen Teil ihrer Waren an US-Kunden verkauft haben, müssen sich auf höhere Kosten, sinkende Umsätze und neue Vertriebswege einstellen.

Das Wichtigste im Überblick

  • US-Zölle und zunehmende Handelsspannungen erschweren den grenzüberschreitenden Verkauf erheblich.
  • Kanadischen Unternehmen können für Waren in den USA Abgaben von bis zu 50 Prozent entstehen.
  • Kanada reagierte mit Gegenzöllen auf US-Produkte im Wert von fast 30 Milliarden US-Dollar.
  • Fast 70 Prozent der von der Canadian Queer Chamber of Commerce (CQCC) befragten Unternehmen bezeichnen den US-Markt als wichtig.
  • Knapp 90 Prozent erwarten moderate, erhebliche oder schwere finanzielle Auswirkungen durch die Zölle.
  • Mehr als 120.000 queere Unternehmen tragen nach Angaben der CQCC rund 86 Milliarden US-Dollar zum jährlichen Bruttounternehmensumsatz in Kanada bei und beschäftigen fast eine halbe Million Menschen.
  • Die CQCC will neue internationale Märkte erschließen, unter anderem in London, Madrid, Mexiko-Stadt, Amsterdam und Tokio.

Neue Zölle verschärfen die Lage

Das erlebt auch Kelly Blenus, eine Künstlerin aus Halifax. Ihr kleines Unternehmen Resting Pride Face verkauft Accessoires, Aufkleber und Gemälde mit Pride-Motiven. Seit rund sechs Monaten hat sie nichts mehr in die USA verkauft. Der Grund sei einfach: US-Zölle und die zunehmenden Handelsspannungen hätten den Verkauf über die Grenze „nahezu unmöglich“ gemacht. „Als ich angefangen habe, gingen meine Verkäufe hauptsächlich in die USA, aber inzwischen verkaufe ich dort praktisch gar nichts mehr“, sagt Blenus. „Leider waren viele meiner Online-Kunden in den USA. Ich habe sehr viel Arbeit in meinen Online-Shop gesteckt, aber inzwischen kommt der Großteil meiner Arbeit von Märkten vor Ort, weil das Online-Geschäft einfach immer schwieriger wird.“

Blenus ist damit nicht allein. Ende August verhängte US-Präsident Donald Trump eine neue Runde von Zöllen auf kanadische Waren. Dadurch wurde die Zahl kanadischer Produkte ausgeweitet, für die hohe Einfuhrabgaben gelten. Für kanadische Geschäftsinhaber, die US-Kunden beliefern, können die Gebühren beim Grenzübertritt bis zu 50 Prozent betragen. Zusätzliche Zölle gibt es auf andere Importwaren wie Stahl und Aluminium. Sie wirken sich auch auf die Kosten innerhalb der Lieferketten und damit auf Hersteller aus. Anfang der Woche kündigte Trump zudem ein Einfuhrverbot für bestimmte kanadische Waren an, darunter kanadischen Alkohol. Kanada reagierte mit Gegenzöllen auf US-Produkte im Wert von knapp 30 Milliarden US-Dollar. 

Herausforderung und Potenzial 

Liana Georgiewa, Chief Operating Officer der Canadian Queer Chamber of Commerce (CQCC), sagt, die anhaltenden Handelsstreitigkeiten sorgten zwar für Unsicherheit bei queeren Unternehmern in Kanada. Gleichzeitig sei es eine Gelegenheit, mögliche neue Geschäftschancen zu prüfen. Die gemeinnützige CQCC setzt sich für LGBTIQ+-Unternehmer und Unternehmen in Kanada ein. Sie bietet unter anderem Schulungsprogramme an und organisiert Akkreditierungsinitiativen, mit denen Verbraucher mit queerfreundlichen Unternehmen in Kontakt gebracht werden.

„Ich glaube, dass die Zölle tatsächlich nicht nur eine Herausforderung sind, sondern für uns großes Potenzial haben“, sagt Georgiewa. „Es ist eine Chance, das Potenzial zu erschließen, das bereits hier vorhanden ist.“ Die CQCC veröffentlichte in dieser Woche die Ergebnisse einer neuen Umfrage unter ihren Mitgliedsorganisationen. Demnach ist die Sorge unter den Unternehmen groß. Fast 70 Prozent der Befragten erklärten, dass der US-Markt für ihr Unternehmen wichtig sei. „Die Menschen wollen ihre Kunden nicht aufgrund politischer Entscheidungen auf höchster Ebene verlieren“, sagt Georgiewa. „Es ist eine Realität, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Kanada über viele Jahre entwickelt haben und dass sie weiterhin eine wichtige Quelle für Wachstum und Chancen sind.“

Neue Chancen – auch in Deutschland 

Knapp 90 Prozent der LGBTIQ+-Befragten rechneten infolge der Zölle mit moderaten, erheblichen oder schweren finanziellen Auswirkungen auf ihr Unternehmen. Fast 60 Prozent erwarteten sinkende Verkäufe oder Einnahmen. Fast 50 Prozent rechneten mit höheren Betriebskosten und zusätzlichem Druck auf den Cashflow. Die Unsicherheit über die Zölle könnte die langjährige Handelsbeziehung zwischen den USA und Kanada grundlegend verändern. Georgiewa sieht darin einen Anlass, nach neuen Möglichkeiten in anderen Ländern zu suchen. Die CQCC-Umfrage habe gezeigt, dass die Unternehmen neue Partnerschaften erkunden wollten. Verbindungen zu neuen Kunden außerhalb der USA zu finden, gehörte zu den am häufigsten gewünschten Formen der Unterstützung.

„Es besteht ein starker Wunsch der Unternehmen, praktische Wege zu finden, um sich anzupassen und zu wachsen, und wir suchen aktiv nach einer Diversifizierung der Märkte“, sagt Georgiewa. „Wir nehmen an globalen Handelsmissionen teil, denn es gibt mehr Länder, mit denen wir Partnerschaften eingehen können, und mehr Volkswirtschaften, mit denen wir zusammenarbeiten können, als nur die USA.“ Die CQCC will internationale Handelsmissionen unter anderem mit London, Madrid, Mexiko-Stadt, Amsterdam und Tokio aufbauen. Georgiewa betont auch die möglichen Handelschancen mit Ländern wie Deutschland. „Ich habe wirklich das Gefühl, dass dies ein Moment ist, in dem Kanada geopolitisch eine größere Rolle spielen kann. Und da die kanadische queere Wirtschaft bereits so stark ist, glaube ich, dass auch sie in diesem Moment eine wichtige Rolle spielen sollte“, sagt sie.

Mehr als 120.000 queere Unternehmen

Georgiewa unterstreicht die Bedeutung queerer Unternehmen für die kanadische Wirtschaft. Mehr als 120.000 queere Unternehmen in Kanada erwirtschaften demnach jährlich rund 86 Milliarden US-Dollar Bruttounternehmensumsatz und beschäftigen fast eine halbe Million Menschen. Trotz der Chancen auf neue Formen des Wachstums räumt Georgiewa die unmittelbaren negativen Folgen für Unternehmen ein. Besonders betroffen seien Betriebe mit einem großen Kundenstamm in den USA und Unternehmen mit wenigen Beschäftigten.

Queere Unternehmen seien häufig kleine Betriebe und keine großen Konzerne. Bei der CQCC-Umfrage hatten 86 Prozent der Befragten weniger als 50 Beschäftigte. Das könne bedeuten, dass sie weniger Möglichkeiten hätten, schwierige wirtschaftliche Zeiten abzufedern. „Oft haben solche Unternehmen weniger Flexibilität, um unerwartete Kosten oder Einnahmeausfälle aufzufangen, sodass die finanziellen Auswirkungen größer sein können“, sagt Georgiewa. „Die größte Herausforderung ist wirklich die Unsicherheit darüber, wie man die Kosten steuern kann und was das für die Kunden und das Wachstum bedeuten wird.“

Kanadische Produkte stärker gefragt

Für andere queere Unternehmer in Kanada ist die Verlagerung des Geschäfts weg von den USA nicht ausschließlich eine Folge der aktuellen Zollstreitigkeiten. Kelsi Morris, Inhaberin des Garnladens Bistitchual in Toronto, hat den ausschließlichen Verkauf kanadischer Produkte zu einem Bestandteil ihres Geschäftsmodells gemacht. „Viele Menschen kaufen in den USA oder anderswo ein und wissen gar nicht, wie talentiert kanadische Garnfärber sind“, sagt sie. „Ich wollte den Menschen wirklich zeigen, dass wir nicht unbedingt international einkaufen müssen. Wir haben hier in Kanada großartige Talente.“

Georgiewa sieht den Weg nach vorn vor allem in Zusammenarbeit, Solidarität und politischer Interessenvertretung. Unternehmen müssten zusammenhalten und sich auf Regierungsebene für ihre Interessen und eine stärkere Vertretung einsetzen. „Wir sehen eine sehr widerstandsfähige Gemeinschaft, und trotz der anhaltenden Unsicherheit über die Zölle haben unsere Organisationen ein hohes Maß an Vertrauen in ihre Fähigkeit gezeigt, sich anzupassen“, sagt sie. „Im Laufe der Geschichte mussten unsere Gemeinschaften so viele Wege finden, sich anzupassen und zu wachsen. Das gilt auch für große wirtschaftliche Entwicklungen. Das ist eine große Stärke unserer Gemeinschaft.“

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