Der erste schwule US-Präsident Buttigieg sieht seine Chance für 2028
Der frühere US-Verkehrsminister Pete Buttigieg (44) hält die Vereinigten Staaten für bereit, einen schwulen Präsidenten zu wählen. „Natürlich“ sei Amerika dazu bereit, sagte der Demokrat in einem Interview mit Kristen Welker für die Sendung „Meet the Press“. Und weiter: „Ich wäre überhaupt nicht für das Präsidentenamt angetreten, wenn ich das nicht geglaubt hätte!“
Das Wichtigste im Überblick
- Pete Buttigieg ist überzeugt, dass die USA für einen schwulen Präsidenten bereit sind.
- Buttigieg kandidierte bereits 2020 für das Präsidentenamt und gewann als erster offen schwuler Bewerber eine innerparteiliche Versammlung.
- Nach seiner Unterstützung für Joe Biden wurde er Verkehrsminister und damit der erste offen schwule Kandidat für das Kabinett eines US-Präsidenten.
- Kamala Harris erwog Buttigieg 2024 als ihren Vize-Kandidaten, entschied sich aber dagegen.
- Harris schrieb später, ein Ticket mit einer schwarzen Frau und einem schwulen Mann sei ein „zu großes Risiko“ gewesen.
- Buttigieg sagte, bei seinen Reisen durch die USA stoße seine sexuelle Orientierung inzwischen auf wenig Widerstand.
- Eine Kandidatur für 2028 schließt er nicht aus, kündigt sie aber derzeit nicht an.
- Sein Fokus liege zunächst auf den Zwischenwahlen 2026 und einem möglichen Machtgewinn der Demokraten im Kongress.
Karriere im Team Biden
Der 44-Jährige hatte sich bereits 2020 um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beworben. Damals war er Bürgermeister von South Bend im Bundesstaat Indiana. Bei den Vorwahlen in Iowa setzte er sich als erster offen schwuler Kandidat bei einem Caucus, einer innerparteilichen Versammlung einer großen US-Partei, durch. Iowa blieb allerdings der einzige Bundesstaat, den Buttigieg in diesem Wahlkampf gewann. Später unterstützte er Joe Biden. Der damalige demokratische Präsidentschaftskandidat hatte Buttigieg mit seinem verstorbenen Sohn Beau verglichen. Nach Bidens Wahlsieg holte er ihn in sein Kabinett. Als Verkehrsminister wurde Buttigieg zum ersten offen schwulen Kandidaten für einen Kabinettsposten eines US-Präsidenten.
Harris betonte großes Risiko
Auch bei der Präsidentschaftswahl 2024 spielte Buttigieg eine mögliche Rolle. Nachdem Kamala Harris die demokratische Kandidatur übernommen hatte, erwog sie ihn als ihren Vizepräsidentschaftskandidaten. In ihren Memoiren „107 Days“ schrieb Harris, Buttigieg sei ihre erste Wahl gewesen. Ein Wahlkampfteam aus einer schwarzen Frau und einem schwulen Mann habe ihr allerdings wie ein „zu großes Risiko“ erschienen. Welker sprach Buttigieg in dem Interview ausdrücklich auf diese Einschätzung an. Dieser verwies darauf, dass er auch im konservativ geprägten Indiana erfolgreich gewesen sei. Nach seinem öffentlichen Coming-Out habe er bei seiner Wiederwahl zum Bürgermeister von South Bend 80 Prozent der Stimmen erhalten. Auch auf seinen Reisen durch die USA stelle er mittlerweile wenig Widerstand gegen seine Homosexualität fest. Buttigieg gilt zudem als möglicher Kandidat für die nächste Präsidentschaftswahl. Einige Umfragen sehen ihn unter den Demokraten bereits an der Spitze des möglichen Bewerberfeldes für 2028.
„Es geht um ihr Leben“
Nach Buttigiegs Beobachtung beschäftigen sich die Menschen allerdings weniger mit seiner persönlichen Identität als mit ihren eigenen Problemen. „Was die Menschen beschäftigt, hat nichts mit dir oder deiner Identität als Kandidat zu tun. Es geht um sie. Es geht um ihr Leben“, sagte er. Viele Amerikaner litten derzeit: „Im Moment leiden die Amerikaner unter Trumps Wirtschaft“, sagte Buttigieg. Er sehe zugleich die Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Die Reaktion der Menschen auf seine Reisen durch das Land habe ihn überrascht. „Die Wähler, die ich sehe, kommen in einer Größenordnung, die ich für nicht möglich gehalten hätte, Hunderte und Aberhunderte auf einmal, weil sie Teil dieser Anstrengung, dieses Gesprächs, dieser Bewegung sein wollen, um den Kurs unseres Landes zu ändern, bevor es zu spät ist.“
Entscheidung steht aus
Buttigieg hat bereits mehrfach angedeutet, dass er 2028 erneut um das Weiße Haus kämpfen könnte. Eine konkrete Kandidatur kündigte er jedoch noch nicht an. Zunächst richtet sich sein Blick auf die Zwischenwahlen im November 2026. Dabei hofft er auf einen Erfolg der Demokraten und eine Rückeroberung der Kontrolle über den Kongress. „Wir sind etwa 50 Tage von einer äußerst wichtigen Zwischenwahl entfernt“, sagte Buttigieg. „Ich glaube, dass die Demokraten gewinnen werden. Es ist 2026. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was gerade passiert. Genau das tue ich.“ Seit seinem Ausscheiden aus dem Kabinett habe er nach eigener Zählung 35 Bundesstaaten besucht. „Ich möchte nichts tun, was davon den Fokus ablenken würde.“ Damit lässt Buttigieg seine politische Zukunft bewusst offen. Eine Bewerbung um die Präsidentschaft 2028 bleibt indes weiter möglich.