Drogen und die Community Viele Todesfälle in London, Chemsex birgt hohe Risiken
Drogenbedingte Todesfälle, Überdosierungen und problematischer Konsum sind in Teilen der schwulen Community Londons weit verbreitet. Das zeigt eine neue Untersuchung von You Are Loved CIC. Demnach haben 28 Prozent der Befragten in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen geliebten Menschen durch einen drogenbedingten Tod verloren.
Das Wichtigste im Überblick
- 28 Prozent der Befragten haben in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen geliebten Menschen durch einen drogenbedingten Tod verloren.
- In Lambeth, Southwark und Lewisham lag der Anteil bei 33 Prozent.
- Befragt wurden 1.156 größtenteils schwule Männer, die in den zwölf Monaten zuvor mindestens eine Freizeitdroge konsumiert hatten.
- Besonders problematisch sind laut Studie GHB/GBL und Crystal Meth, aber auch Mephedron wird untersucht.
- Zwei Drittel der GHB/GBL-Konsumenten berichteten von ungewollter Bewusstlosigkeit oder ungewolltem Einschlafen.
- Fast 60 Prozent der Crystal-Meth-Konsumenten äußerten zumindest eine gewisse Sorge über ihren Konsum.
Drogenschäden in Londons Community
In den Londoner Stadtteilen Lambeth, Southwark und Lewisham war der Anteil mit 33 Prozent noch höher. Die Ergebnisse stammen aus dem Bericht “Drug Use, Chemsex and Harm in London’s LGBTIQ+ Community: A Community-Led Evidence Report” von 2026. Für die Untersuchung wurden 1.156 Personen aus der Community befragt, größtenteils schwule Männer. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass sie in den zwölf Monaten zuvor mindestens eine Freizeitdroge konsumiert hatten. Besonders im Mittelpunkt stehen dabei die drei beim Chemsex verbreiteten Substanzen GHB/GBL, Crystal Meth und Mephedron. Insgesamt gaben 560 Befragte an, mindestens eine dieser drei Substanzen konsumiert zu haben. Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit fast dreimal so hoch, den eigenen Freizeitdrogenkonsum als schädlich einzuschätzen wie bei Menschen, die andere Drogen konsumierten.
Zwei Drittel berichten von Bewusstlosigkeit
Besonders deutlich sind die Risiken beim Konsum von GHB und GBL. Zwei Drittel der Nutzer dieser Substanzen gaben an, bereits ungewollt ohnmächtig geworden oder eingeschlafen zu sein. Der Bericht wertet diese Vorfälle als Überdosierungen. Zugleich wird davor gewarnt, dass die große Häufigkeit dazu beitragen könnte, dass solche Ereignisse innerhalb der Community als etwas Normales wahrgenommen werden. Auch beim persönlichen Umgang mit dem Konsum zeigen sich Risiken: Die Hälfte der GHB/GBL-Nutzer berichtete von zumindest einer gewissen Sorge über den eigenen Drogengebrauch.
Crystal Meth weist in der Untersuchung das höchste berichtete Schadensprofil auf. Fast 60 Prozent der Nutzer äußerten zumindest ein gewisses Maß an Besorgnis. 20 Prozent bezeichneten ihren Konsum als ein „großes Problem“. Zudem konsumieren viele Crystal Meth offenbar allein zu Hause. 41 Prozent der Befragten, die diese Droge nutzten, gaben dies als Konsumort an. Bei Mephedron fiel das berichtete Schadensprofil zwar niedriger aus als bei den beiden anderen untersuchten Substanzen, trotzdem äußerten auch hier 44 Prozent der Nutzer eine gewisse Sorge über ihren Konsum. Mephedron wurde dabei häufiger in Gesellschaft konsumiert: 69 Prozent berichteten von Konsum in Clubs, 35 Prozent von Konsum in Bars.
Chemsex in der Community
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung betrifft die Bezeichnung des eigenen Drogenkonsums. Rund ein Drittel der Menschen, die GHB/GBL, Crystal Meth oder Mephedron konsumieren, würde dafür nicht den Begriff „Chemsex“ verwenden, zwei Drittel indes durchaus. 33,7 Prozent sagten indes, sie würden ihren Konsum immer als Chemsex bezeichnen. 35,5 Prozent würden den Begriff zumindest gelegentlich verwenden. Je nachdem, wie problematisch die Befragten ihren eigenen Konsum einschätzten, unterschieden sich die Angaben deutlich.
Von den Menschen, die ihren Drogenkonsum als ein „großes Problem“ bezeichneten, würden 70 Prozent immer den Begriff Chemsex verwenden. Unter denjenigen, die ihren Konsum nicht als problematisch ansahen, waren es dagegen lediglich 22 Prozent. Die Autoren sehen darin ein mögliches Problem für Beratungs- und Hilfsangebote. Wenn Organisationen den Begriff „Chemsex“ gezielt einsetzen, um Menschen mit Unterstützungsbedarf anzusprechen, könnten sie einen Teil der Betroffenen möglicherweise gar nicht erst erreichen.
„Diese Drogen sind nicht austauschbar“
Marc Svensson, Gründer und Direktor von You Are Loved CIC, betonte die Unterschiede zwischen den Substanzen und die Notwendigkeit, die Erfahrungen der Betroffenen bei der Entwicklung von Hilfsangeboten zu berücksichtigen. „Diese Drogen sind nicht austauschbar, und GHB/GBL und Crystal Meth verursachen den größten Schaden. Ein Drittel der Befragten sagte uns außerdem, dass Chemsex kein Wort ist, das sie für sich selbst verwenden. Wir müssen auf beides hören, wenn wir Unterstützung konzipieren. 91 Prozent der Befragten waren Männer, 87 Prozent schwul. Die Ergebnisse sollen laut den Studienautoren allerdings daher nicht für die gesamte LGBTIQ+-Bevölkerung oder alle queeren Menschen in London verstanden werden. Sie geben vielmehr Einblick in die Erfahrungen der untersuchten Gruppe und zeigen insbesondere die Risiken im Zusammenhang mit GHB/GBL, Crystal Meth und Mephedron.