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Infantino verstärkt unter Druck
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Infantino stark unter Druck FIFA zwischen Kommerz und Menschenrechten

ms - 10.09.2026 - 11:00 Uhr
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Die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino nimmt weiter zu. Im Zentrum steht dabei längst nicht mehr nur die Frage, wie der Weltverband mit seinen kommerziellen Rechten umgeht. Auch die Vergabe großer Fußballturniere an Staaten mit erheblichen Menschenrechtsproblemen sorgt für anhaltenden Widerstand. Besonders die Entscheidung für Katar als Gastgeber der Weltmeisterschaft 2022 und die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien stehen dabei im Fokus. 

Das Wichtigste im Überblick

  • EU-Sportkommissar Glenn Micallef wirft der FIFA unter Präsident Gianni Infantino eine zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs vor.
  • Die Kritik an Infantino geht weit über die inzwischen aufgegebenen Pläne zum Verkauf von WM-Rechten hinaus.
  • Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren, dass die FIFA große Turniere an Länder vergibt, in denen Menschenrechte und insbesondere die Rechte Homosexueller massiv eingeschränkt werden.
  • Katar war Austragungsort der WM 2022, Saudi-Arabien soll die WM 2034 ausrichten; in beiden Ländern ist Homosexualität strafbar.
  • Micallef lehnt eine persönliche Rücktrittsforderung gegen Infantino ab und sieht die nationalen Verbände in der Verantwortung.
  • Die UEFA prüft eine Strafanzeige gegen Infantino und will nach eigenen Angaben einen Gegenkandidaten aufstellen, sollte er 2027 erneut antreten.
  • Die Menschenrechtsorganisation FairSquare wirft Infantino in einer Beschwerde bei der FIFA-Ethikkommission acht Verstöße gegen die Ethikregeln vor.

Kritik von EU-Sportkommissar 

In beiden Ländern ist Homosexualität strafbar. Menschenrechtsorganisationen kritisieren deshalb seit Jahren, dass die FIFA bei der Vergabe ihrer wichtigsten Turniere Menschenrechtsfragen nicht ausreichend berücksichtige. Organisationen wie Amnesty International haben dem Weltverband wiederholt vorgeworfen, die Auswirkungen seiner Entscheidungen auf Menschenrechte nicht angemessen zu berücksichtigen. Auch EU-Sportkommissar Glenn Micallef geht mit der FIFA-Führung hart ins Gericht. 

Der für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport zuständige Kommissar kritisierte insbesondere die inzwischen aufgegebenen Pläne des Weltverbandes, Anteile an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen. Im Gespräch mit der Deutschen Welle (DW) bezeichnete Micallef die Pläne als „eine weitere Episode in einer Reihe schlechter Führungsentscheidungen, die den Sport übermäßig kommerzialisieren“. Das schade dem Fußball, sagte er.

Keine direkte Rücktrittsforderung

Eine Forderung nach dem Rücktritt Infantinos wollte Micallef trotz des wachsenden Drucks auf den FIFA-Chef allerdings nicht unterstützen. Auf die Frage, ob der Weltverband unter Infantinos Führung noch zweckmäßig aufgestellt sei, verwies der EU-Sportkommissar auf die Verantwortung der nationalen Mitgliedsverbände. „Das ist eine Entscheidung, die den nationalen Verbänden und Föderationen zusteht“, so Micallef. Er hoffe auf einen offenen Prozess, in dem über diese Themen diskutiert und Verantwortlichkeit sichergestellt werde. Die Frage nach der politischen und gesellschaftlichen Verantwortung der FIFA reicht dabei deutlich über einzelne Geschäftsentscheidungen hinaus. Kritiker sehen in der Vergabe der Weltmeisterschaften nach Katar und Saudi-Arabien ein grundsätzliches Problem: Der Weltverband beanspruche eine globale gesellschaftliche Bedeutung, berücksichtige bei seinen Entscheidungen aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen aber die Situation betroffener Gruppen nicht ausreichend.

Gerade die Behandlung homosexueller Menschen steht dabei immer wieder im Mittelpunkt. In Katar war Homosexualität bereits vor der WM 2022 strafbar. Saudi-Arabien, das die Weltmeisterschaft 2034 austragen soll, steht ebenfalls wegen der Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen und wegen der allgemeinen Menschenrechtslage international in der Kritik. In beiden Ländern existiert bis heute die Todesstrafe auf Homosexualität. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International sehen darin ein wiederkehrendes Muster. Aus ihrer Sicht stellt sich die Frage, welchen Stellenwert Menschenrechte bei den Entscheidungen des Fußball-Weltverbandes tatsächlich besitzen. Die Kritik lautet, dass wirtschaftliche und politische Interessen der FIFA offenbar häufig schwerer wiegen als der Schutz von Menschenrechten.

UEFA erhöht den Druck

Micallefs Aussagen passen zur zunehmend kritischen Haltung der UEFA und ihres Präsidenten Aleksander Ceferin gegenüber Infantino. Der Europäische Fußballverband erklärte im August, er prüfe eine Strafanzeige gegen den FIFA-Präsidenten. Außerdem kündigte die UEFA an, einen Gegenkandidaten zu stellen, sollte Infantino wie geplant beim FIFA-Kongress im März 2027 zur Wiederwahl antreten. Damit wächst der Widerstand gegen den FIFA-Chef auch innerhalb der internationalen Fußballorganisationen. Neben der UEFA gibt es zahlreiche weitere Infantino-Kritiker. Dazu gehört auch die Menschenrechtsorganisation FairSquare, die eine Beschwerde mit 100.000 Unterstützern bei der FIFA-Ethikkommission gegen den Präsidenten einreichte.

Infantino wird darin vorgeworfen, in acht Fällen gegen die Ethikregeln der FIFA verstoßen zu haben. Zu den genannten Punkten gehören die Pläne zur Teilprivatisierung der WM sowie die Aufhebung der Sperre nach einer Roten Karte gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun. Alle Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit Infantinos Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. In der Beschwerde, die der DW vorliegt, erklärte FairSquare: "Zumindest hat Infantino seine Macht missbraucht, gegen seine Pflicht zur politischen Neutralität sowie gegen seine Loyalitätspflicht verstoßen, indem er versuchte, sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln. Die Hinweise darauf, dass er aus diesem Verhaltensmuster persönlich Nutzen ziehen wollte, erhöhen zusätzlich die Schwere der Vorwürfe.“

Streit um Verkauf von WM-Rechten

Für Micallef bleibt auch die geplante Beteiligung privater Investoren an den kommerziellen WM-Rechten ein Beispiel für eine aus seiner Sicht falsche Entwicklung des Weltfußballs. Die FIFA hatte im Juli Pläne bekannt gemacht, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu veräußern. Das Vorhaben löste breite Empörung aus und wurde inzwischen aufgegeben. „Der Fußball steht nicht zum Verkauf“, betonte Micallef gegenüber der DW. Investitionen seien zwar notwendig, doch dies bedeute nicht, dass sich der Fußball selbst verkaufen müsse. Die FIFA-Führung müsse dafür sorgen, dass der Sport wachse und mehr Menschen erreiche, dürfe aber nicht auf dessen Kosten Profit machen. „Der Fußball gehört uns, den Fans.“ Die Aussage steht zugleich für einen grundsätzlicheren Konflikt über die Ausrichtung des Weltverbandes. Da keine Anzeichen für einen Kurswechsel erkennbar seien, fordert FairSquare-Direktor Nicholas McGeehan ein Eingreifen der EU und stellt die Fähigkeit von Sportorganisationen infrage, sich selbst wirksam zu regulieren.

EU-Kommission prüft weitere Schritte

Auch die Rolle der FIFA als Organisator von Wettbewerben und zugleich weltweiter Regulierer des Fußballs sorgt seit langem für Kritik. Diese Doppelrolle wirft Fragen nach möglichen Interessenkonflikten auf. Bei der Europäischen Kommission läuft bereits eine Beschwerde wegen der Kontrolle des internationalen Spielkalenders. Eingereicht wurde sie vom Dachverband der europäischen Profiligen. Der Vorwurf lautet, die FIFA nutze ihre Stellung, um eigene Wettbewerbe zu begünstigen. Am Dienstag wurde die Beschwerde auf den Frauenfußball ausgeweitet. Micallef schloss weitere Maßnahmen der EU nicht aus. „Die Autonomie des Sports entbindet ihn nicht von seinen rechtlichen Verpflichtungen“, sagte er. Wettbewerbspolitik sei eines der verfügbaren Instrumente, allerdings ziehe er es vor, Probleme durch Dialog statt durch wettbewerbsrechtliche Verfahren zu lösen. Wenn leidenschaftliche Fußballfans und Institutionen gemeinsam ein starkes Signal aussendeten, sei das eine Kraft, mit der gerechnet werden müsse. „Wir verdienen eine gute Verbandsführung. Das ist nicht zu viel verlangt.“

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