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Bipoc „Tony“ blendet queeres Provincetown weitgehend aus
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LGBTIQ+-Kritik an Film Biopic „Tony“ blendet queeres Provincetown weitgehend aus

kw - 28.08.2026 - 16:00 Uhr
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Matt Johnson hat bei der Premiere seines Biopics „Tony“ über den jungen Autor, Koch und Reisejournalisten Anthony Bourdain viel Lob für eine ehrliche, handwerklich herausragende Charakterstudie geerntet. Doch Cineastinnen und Cineasten, die auf eine farbenfrohe Rekonstruktion des legendär queeren Provincetown gehofft hatten, blicken verblüfft auf die weitgehend heteronormative Kulisse: Der Film lässt die queere Identität der Küstenstadt, die Bourdains Leben prägte und der sich zeitlebens stark für LGBTIQ+-Rechte einsetzte, im Hintergrund verblassen. Angesichts schwindender LGBTIQ+-Repräsentation in großen Kinoproduktionen ist das sowohl überraschend als auch bedeutsam.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • „Tony“ feierte seine Premiere in den USA.
  • Die Verfilmung zeigt Anthony Bourdains Jahre im legendären Provincetown der 1970er.
  • Im Film spielen Dominic Sessa und Antonio Banderas die Hauptrollen.
  • Die bekannte queere Szene der Stadt wird nur am Rande thematisiert.
  • LGBTIQ+-Gruppen kritisieren die reduzierte Darstellung queerer Personen.
  • Regisseur Matt Johnson verteidigt laut New York Times die filmische Perspektive.

 

Queeres Provincetown bleibt Kulisse im Film

Provincetown an der Ostküste der USA war in den 1970er Jahren eine Bastion queerer Sichtbarkeit und Subkultur. Hier habe Anthony Bourdain, wie er 2014 selbst im US-Fernsehen erzählte, das Gefühl von Freiheit und Zugehörigkeit erstmals gespürt. Pete Wells, Gastronomiekritiker der New York Times, beschreibt diese Welt als „sicheren Hafen für Dichterinnen, Künstler, Drag Queens und queere Gemeinschaften“. Im Film „Tony“ bleibt das jedoch bloße Staffage. Nur selten sind queere Paare oder Hinweise auf queere Lebensrealitäten zu sehen. Die meisten Szenen entfalten sich in einer von Männlichkeitsritualen und Heteronormen geprägten Küchenkultur.

 

Kritik und Perspektive aus der Community

Die Zurückhaltung im Umgang mit Provincetowns queerer Geschichte stößt bereits zum Kinostart auf kritische Stimmen. Wie NPR festhält, hätten sich viele queere Zuschauerinnen und Zuschauer mehr als nur beiläufige Blicke auf gleichgeschlechtliche Paare oder nonverbale Andeutungen erhofft. Stattdessen bleibt diese Ära des gesellschaftlichen Wandels für LGBTIQ+-Personen überwiegend unsichtbar. Regisseur Matt Johnson rechtfertigte gegenüber der New York Times die Entscheidung damit, dass der Film sich auf „Bourdains subjektives Erleben“ konzentriere und damit nicht den Anspruch erhebe, eine umfassende Milieustudie zu liefern.

 

Queere Repräsentation bleibt Streitpunkt

Die Diskussion trifft einen Nerv der aktuellen Filmlandschaft. Nach Angaben von GLAAD ist die Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Figuren in US-Kinoproduktionen zuletzt zurückgegangen. Da wiegt es umso schwerer, wenn ein Film, der in einem queeren Sehnsuchtsort spielt, diese Aspekte nicht in den Mittelpunkt stellt. Für viele queere Cinephile in Deutschland und international bleibt so die Frage, wieviel Authentizität ein Biopic schultern muss, das in einer Stadt wie Provincetown spielt und den prägenden Einfluss dieser Umgebung auf das Leben seines Protagonisten herausstellt.

Bei den kommenden Festivalaufführungen und dem deutschen Kinostart wird sich zeigen, ob diese Zurückhaltung im Umgang mit queerer Geschichte auch hier für Diskussionen sorgt oder die künstlerische Entscheidung als legitime Perspektive akzeptiert wird. Das Publikum darf gespannt sein, ob weitere Stimmen aus Provincetown tatsächlich noch auf der Leinwand zu hören sein werden.

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