Erstes nationales Denkmal Zürich weiht erstes Mahnmal für queere Opfer ein
Zum ersten Mal in der Schweiz wurde ein öffentliches Denkmal für die Opfer von Diskriminierung und Gewalt gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, queere und intergeschlechtliche Menschen eingeweiht. Am 24. August 2026 ist das Mahnmal auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich enthüllt worden. Es erinnert an Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität Benachteiligung, Ausgrenzung oder sogar Tod erfahren mussten. Das Denkmal soll sowohl zur Erinnerung an vergangene Verfolgung dienen, als auch ein Zeichen gegen aktuelle homo, bi und trans*feindliche Gewalt setzen.
Das Wichtigste im Überblick
- In Zürich ist das erste nationale Denkmal für queere Opfer eingeweiht worden.
- Die Initiative wurde von lokalen LGBTIQ+-Organisationen wie HAZ Queer Zürich getragen.
- Das Mahnmal steht öffentlich zugänglich auf dem Friedhof Sihlfeld.
- Das Denkmal besteht aus einer Sandsteinsäule mit beweglichen Elementen und farbigen Sitzen.
- Engagierte der Community sowie religiöse Gruppen und Stiftungen beteiligten sich an Bau und Finanzierung.
Gedenkort für queere Opfer erstmals in der Schweiz
Am Friedhof Sihlfeld, unweit vergangener Gräber queerer Menschen, steht nun das erste Mahnmal der Schweiz, das Verfolgung und Gewalt gegen LGBTIQ+-Personen explizit zum Thema macht. Die Initiatorinnen und Initiatoren, darunter die Organisation HAZ Queer Zürich, betonten, dass Diskriminierung auch in der Gegenwart eine reale und fortwährende Bedrohung darstellt. Nach Angaben der Stadt Zürich waren neben Persönlichkeiten der queeren Community auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik sowie Glaubensgemeinschaften an der feierlichen Übergabe anwesend.
Symbolik und Funktion des Denkmals
Das Kunstwerk besteht aus einer etwa anderthalb Meter hohen Säule aus Sandstein, die sich aus fünf unterschiedlich dicken Drehringen zusammensetzt. Die Besucherinnen und Besucher können diese Ringe bewegen, um das Thema Perspektivwechsel zu verdeutlichen. Rund um die Säule laden farbige Sitzsteine zum Verweilen und Nachdenken ein. In über hundert kleine Vertiefungen wurde farbiger Mörtel in den Farben des Regenbogens eingearbeitet. Die Initiatorinnen und Initiatoren sehen darin ein zugängliches und interaktives Erinnern, das auch zum Austausch und zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart anregen soll.
Beteiligung aus Community, Kirche und Gesellschaft
Rund zwanzig Mitglieder der queeren Community halfen eine Woche lang aktiv bei der Umsetzung des Denkmals mit. Das Projekt wurde unterstützt durch private Spenderinnen und Spender, Stiftungen und erstmals auch durch kirchliche Gruppen wie die katholische Fachstelle für Menschen mit HIV oder AIDS des Kantons Zürich. Ein Teil der finanziellen Mittel kam von der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Die Künstlerinnen Judith Schröter und Regine Brandt leiteten die Bauarbeiten, das bekräftigte die Stadt Zürich.
Weiterer Aufarbeitungsbedarf bleibt bestehen
Trotz schrittweisem Abbau rechtlicher Diskriminierung, etwa durch die Einführung der Ehe für alle im Jahr 2022 und das Verbot sogenannter Konversionstherapien seit 2016, sehen viele Organisationen weiterhin gesellschaftliche Missstände. Nach Angaben von HAZ Queer Zürich ist geplant, mit dem neu geschaffenen Erinnerungsort auch eine digitale Sammlung biografischer Zeugnisse queerer Menschen in der Schweiz aufzubauen. Das Projekt soll der Vielfalt der Community künftig dauerhaft Sichtbarkeit geben.