Staffel 3 von The Last Of Us Wie gehen queere Fans mit der neuen Perspektive um?
Die erfolgreiche HBO-Serie „The Last of Us“ steht vor einer deutlichen Veränderung. Nachdem die zweite Staffel mit dem Tod der Hauptfigur Joel Miller einen entscheidenden Wendepunkt erreicht hat, soll sich die dritte Staffel stärker auf dessen Gegenspielerin Abby konzentrieren. Damit verändert sich nicht nur die Perspektive auf die Geschichte. Auch das Genre der Serie verschiebt sich. Ob die Fans weiter am Ball bleiben, bleibt abzuwarten – gerade in der queeren Community folgen viele bis heute dem Format. Die Rolle der Ellie wird erneut von Bella Ramsey (22) verkörpert – 2023 outete sich Ramsey als nicht-binär.
Das Wichtigste im Überblick
- Die HBO-Serie „The Last of Us“ basiert auf dem gleichnamigen Videospiel und wurde international von Publikum und Kritik gefeiert.
- Nach dem Tod von Joel Miller in der zweiten Staffel verschiebt sich der Schwerpunkt der Geschichte.
- Ellie macht sich auf die Suche nach Abby, die für Joels Tod verantwortlich ist.
- In der dritten Staffel soll Abby deutlich stärker im Mittelpunkt stehen.
- Die Handlung wird überwiegend aus ihrer Perspektive erzählt.
- Dadurch verändert sich auch der Charakter der Serie: Aus dem postapokalyptischen Drama soll zunehmend ein Kriegsdrama werden.
- Schauplatz ist unter anderem Seattle, wo Abby in einer militärisch geprägten Gesellschaft lebt.
- Eine weitere zentrale Rolle spielt die fundamentalistische Gemeinschaft der Seraphiten.
- Die Figur Abby ist unter Fans stark umstritten. Bereits nach dem zweiten Videospiel erhielt ihre Sprecherin und Motion-Capture-Darstellerin Laura Bailey Morddrohungen.
- Schauspielerin Kaitlyn Dever, die Abby in der HBO-Serie spielt, erhielt deshalb schon vor Beginn der zweiten Staffel zusätzlichen Personenschutz.
Überlebenskampf wird zum Krieg
Die von Craig Mazin gemeinsam mit dem Creative Director der Videospielreihe entwickelte Serie hatte sich bereits in ihrer ersten Staffel einige Freiheiten gegenüber der Vorlage genommen. Grundsätzlich orientierte sie sich jedoch eng an den Ereignissen und Themen der Spiele. Mit der dritten Staffel dürfte sich das ändern. Der Tod von Joel, gespielt von Pedro Pascal, hat die Handlung in eine neue Richtung gelenkt. Ellie reagiert auf den Verlust mit einem ausgeprägten Rachewunsch. Sie will Abby, gespielt von Kaitlyn Dever, für deren Beteiligung an Joels Tod zur Verantwortung ziehen.
Die dritte Staffel wird nun vor allem Abbys Perspektive einnehmen. Das ist für die Zuschauer eine entscheidende Veränderung. Denn Abby wurde bislang vor allem durch ihre Rolle als Gegenspielerin wahrgenommen. Die neue Staffel soll dagegen stärker zeigen, was sie selbst erlebt hat, welche Traumata sie mit sich trägt und weshalb sie zu der Person geworden ist, die Ellie und das Publikum bislang kennen. Damit verschiebt sich auch die Bewertung der beiden Figuren. Während Abby zunächst wie eine klassische Antagonistin erscheint, wird im Verlauf der Geschichte deutlich, dass sie und Ellie trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege mehr miteinander verbindet, als zunächst angenommen.
Abby lebt in einer anderen Welt
Ein Grund für den veränderten Ton der dritten Staffel liegt im Umfeld der beiden Frauen. Ellies Alltag ist trotz der postapokalyptischen Situation vergleichsweise geschützt. Sie lebt in Jackson, einer Gemeinschaft, die zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit und Normalität bietet. Abby befindet sich dagegen in Seattle. Dort herrscht eine stark militarisierte Ordnung. Das Leben wird von einer Organisation bestimmt, deren Strukturen an eine Militärdiktatur erinnern.
Aus dieser Perspektive verändert sich die Erzählung. Die Zuschauer sollen die Welt nicht mehr ausschließlich durch die Augen einer jungen Frau sehen, die in einer zerstörten Welt ums Überleben kämpft. Stattdessen rücken bewaffnete Konflikte, Machtstrukturen und moralische Entscheidungen stärker in den Mittelpunkt. Durch die Perspektive von Abby entwickelt sich „The Last of Us“ in Staffel drei wohl zu einem waschechten Kriegsdrama voller Gewalt und ethischer Dilemmata. Queere Fans hoffen, dass auch LGBTIQ+-Aspekte trotzdem nicht zu kurz kommen. Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit den Seraphiten. Dabei handelt es sich um eine fundamentalistische Religionsgemeinschaft, die in einen erbitterten Konflikt mit der militärisch organisierten Gruppierung gerät, der auch Abby angehört. Der Kampf zwischen diesen Gruppen bildet einen weiteren wichtigen Bestandteil der Geschichte.
Warum Abby polarisiert
Die Figur Abby gehört zu den umstrittensten Charakteren im „The Last of Us“-Universum. Das hängt vor allem mit einem Ereignis zusammen, das für die Geschichte von „The Last of Us Part II“ entscheidend ist: Abby tötet Joel. Das Videospiel erschien 2020 und löste damit heftige Reaktionen unter den Fans aus. Besonders die Schauspielerin und Synchronsprecherin Laura Bailey, die Abby im Spiel verkörperte und auch für die Motion-Capture-Aufnahmen verantwortlich war, wurde Ziel massiver Anfeindungen. Bailey berichtete von Morddrohungen gegen sie und ihre Familie. Der Auslöser war die Rolle der Abby und insbesondere deren Beteiligung an Joels Tod.
Die Reaktionen zeigten, wie stark die Bindung vieler Spielerinnen und Spieler an die Figuren der Reihe ist. Die Kontroverse um Abby beschränkte sich deshalb nicht auf Diskussionen über die Handlung, sondern nahm teilweise persönliche und bedrohliche Formen an. Als die zweite Staffel der HBO-Serie die Ereignisse rund um Joel übernahm, war daher mit heftigen Reaktionen zu rechnen. Besonders Zuschauer, die die Spiele nicht kannten, mussten sich auf eine Entwicklung einstellen, die für viele überraschend kam.
Kaitlyn Dever unter Schutz
Kaitlyn Dever wusste bereits vor Beginn der Dreharbeiten, dass die Darstellung der Abby mit einem erheblichen öffentlichen Interesse verbunden sein würde. Die Erfahrungen mit Laura Bailey spielten dabei eine Rolle. Aufgrund der Morddrohungen gegenüber Laura Bailey bekam Dever bereits vor dem Staffel-Start ein hohes Maß Security gestellt. Damit steht die dritte Staffel vor einer besonderen Herausforderung. Die Erzählweise der dritten Staffel könnte damit einen ähnlichen Effekt erzielen wie die Vorlage: Sie zwingt das Publikum, eine Geschichte aus der Sicht einer Figur zu betrachten, die zuvor vor allem als Feindin wahrgenommen wurde. Für „The Last of Us“ bedeutet das einen deutlichen Wandel. Aus der Geschichte über eine postapokalyptische Reise und den Verlust einer Vaterfigur wird zunehmend ein Drama über Krieg, Macht, Rache und die Frage, wie sich moralische Grenzen in einer zerstörten Welt verschieben.