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Venedig zeigt queere Vielfalt
Foto: Queer Lion / London / Victor Di Marco / Márcio Picoli
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Venedig zeigt queere Vielfalt Zwölf internationale Filme im Rennen um den Queer Lion

ms - 19.08.2026 - 13:30 Uhr
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Der Queer Lion, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig vergebene Preis für Filme mit LGBTIQ+-Themen, wird in diesem Jahr zum 20. Mal vergeben. Der von Daniel Casagrande gegründete und geleitete Preis gilt heute als einer der renommiertesten Auszeichnungen für internationale Filme mit homosexuellem oder queerem Hintergrund. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Queer Lion der Filmfestspiele von Venedig wird 2026 zum 20. Mal vergeben.
  • Zwölf Filme treten um den LGBTIQ+-Filmpreis an, darunter Werke von Paul Schrader und Edoardo Gabbriellini.
  • Außer Konkurrenz laufen sechs Langfilme, vier Kurzfilme und ein restaurierter Klassiker.
  • Der Preis wird vom Vorstand der Associazione Queer Lion vergeben.

Zwölf Filme im Wettbewerb

Der 20. Queer Lion Award wird vom Vorstand der Associazione Queer Lion vergeben. Bewertet werden die entsprechenden Filme des Wettbewerbs der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Casagrande zufolge hat der Preis inzwischen auch außerhalb der Kinos Bedeutung. Bei Veranstaltungen steige die Nachfrage teilweise deutlich, wenn ein Film zusätzlich für den Queer Lion nominiert sei. Für einzelne Produktionen habe die Auszeichnung zudem den Weg zu Festivals, in den Vertrieb oder zu Streamingplattformen geöffnet.Für den Wettbewerb kommen Filme mit einer Laufzeit von mindestens 30 Minuten infrage, in denen LGBTIQ+-Themen oder entsprechende Figuren eine wichtige Rolle spielen. Im Rennen um den 20. Queer Lion sind:

  • „Queer Eduard II.“ – Regie: Theo Rollason, Großbritannien, 2026
  • „Die Grundlagen der Philosophie“ – Regie: Paul Schrader, USA, 2026
  • „Die Stadt der Lebenden“ – Regie: Edoardo Gabbriellini, Italien, 2026
  • „Große kleine Dinge“ – Regie: Michelle Zhou, Hongkong/USA, 2026
  • „Liebende in der blauen Nacht“ – Regie: Anuparna Roy, Indien/USA, 2026
  • „Die Farbe der Sonne“ – Regie: Xavier Tera, Kanada/Italien/Japan, 2026
  • „Tijuana, immer noch“ – Regie: Gabriel Gutierrez Morales, Mexiko, 2026
  • „Ich pflanze meine Hand in den Garten“ – Regie: Boris Hadžija und Hoda Taheri, Deutschland/Serbien/USA, 2026
  • „Schönheitssalon“ – Regie: Nathalia Acevedo, Mexiko/Frankreich, 2026
  • „Tarnung“ – Regie: Mykyta Gibalenko, Deutschland, 2026
  • „Männerhaut“ – Regie: Léa Domenach, Frankreich, 2026
  • „London“ – Regie: Victor Di Marco und Márcio Picoli, Brasilien, 2026

Sichtbarkeit, Begehren und Identität

„Queer Eduard II.“ erzählt vom Frühjahr 1991, als das queere Leben in Großbritannien unter Druck stand. Regisseur Theo Rollason blickt anhand bislang unveröffentlichter Aufnahmen vom Set auf Derek Jarmans „Edward II.“ und dessen Bedeutung als Protest für queere Sichtbarkeit. In „Die Grundlagen der Philosophie“ von Paul Schrader führt Professor Jorissen zunächst ein geordnetes, unterdrücktes Leben. Die Rückkehr eines Menschen, der Opfer einer früheren Grenzüberschreitung wurde, bringt eine alte Wunde wieder zum Vorschein. Schuld, Begehren und Besessenheit führen auf eine Konfrontation zu.

„Die Stadt der Lebenden“ von Edoardo Gabbriellini basiert auf dem Roman von Nicola Lagioia über den Mord an Luca Varani. Im Mittelpunkt steht ein junger Mann, der seinen Platz in einer von Einsamkeit und Widersprüchen geprägten Stadt sucht. In „Große kleine Dinge“ gerät eine chinesische Mittelschichtfamilie in eine Krise, als Tochter Lei an Silvester einen Mann mit nach Hause bringt, der ihren Freund spielen soll. Dann taucht ihre tatsächliche Partnerin auf.

„Liebende in der blauen Nacht“ folgt am Rand von Mumbai vier Migranten – einem verheirateten schwulen Mann, seiner Frau, einem Dieb und einem Zuhälter –, deren Leben zwischen Liebe, Begehren und Überleben miteinander verbunden werden. In „Die Farbe der Sonne“ erleben Kamei und seine Freunde im Sommer vor dem Schulabschluss die Begegnung mit Colin, einem Jugendlichen, der auf einer US-Militärbasis aufgewachsen ist. Zwischen sexuellem Erwachen, Loyalität und Verrat entsteht eine Coming-of-Age-Geschichte über Begehren und emotionale Bindungen.

Liebe, Männlichkeit und Schönheit

„Tijuana, immer noch“ handelt von einem jungen queeren Russen, der vor dem Krieg in der Ukraine geflohen ist, und einem schwulen Mann mittleren Alters. Beide lernen sich über eine Dating-App kennen und müssen sich mit Exil und Machismo auseinandersetzen. In „Ich pflanze meine Hand in den Garten“ entscheiden sich die schwangere iranische Geflüchtete Hoda und der schwule Serbe Boris in Berlin zu heiraten und gemeinsam ein Kind großzuziehen. Der Film verbindet autobiografische Elemente und Fiktion und beschäftigt sich mit Identität, Familie, Liebe, Männlichkeit und Vaterschaft.

„Schönheitssalon“ erzählt von einem Schönheitssalon, der von einem ehemaligen schwulen Friseur geführt wird und für Ausgegrenzte zu einem Zufluchtsort wird. Zwischen Ritualen, Erinnerung und Visionen verschwimmen Realität und Vorstellung. „Tarnung“ folgt Vitaly, der 2021 aus der Ukraine nach München geht und dort in einer Theatergruppe Anschluss findet. Der russische Angriffskrieg verändert jedoch sein Leben und das seiner Familie. Der Film beschäftigt sich mit Migration, Krieg und familiären Konflikten.

In „Männerhaut“ erhält die gegen ihren Willen verheiratete Prinzessin Blanche eine geheimnisvolle Haut, mit der sie die Gestalt eines Mannes annehmen kann. Der als Komödie und Musical angelegte Film hinterfragt Geschlechterrollen, Freiheit und Begehren. „London“ schließlich handelt von einem jungen Mann mit Behinderung, der als Master in einem Fetischclub arbeitet. Eine Diagnose könnte helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen – zugleich fürchtet der Protagonist, auf ein Etikett reduziert zu werden.

Filme außer Konkurrenz

In der Sektion „Queer Lion Award – Außer Konkurrenz“ laufen Filme, bei denen LGBTIQ+-Figuren oder -Situationen für die Handlung eher nebensächlich sind. Auch Filme unter 30 Minuten, restaurierte Werke der LGBTIQ+-Filmgeschichte sowie Serienproduktionen für Fernsehen und Streaming können dort gezeigt werden. Mit dabei sind in diesem Jahr als Langfilme:  

  • „Die Fremde“ – Regie: Paolo Strippoli, Italien/Frankreich/Belgien
  • „Lebensfreude“ – Regie: Luca Guadagnino, Italien
  • „Pause“ – Regie: Yonfan, Hongkong
  • „Meine unerwünschten Freunde: Teil II – Exil“ – Regie: Julia Loktev, USA
  • „Eklipse“ – Regie: Manuel Wetscher, Österreich/Italien
  • „Sonntagshauptstadt – Sonntagsgenre“ – Regie: Giovanna Giuliani, Italien

Besonders umfangreich ist „Lebensfreude“ von Luca Guadagnino mit einer Laufzeit von 435 Minuten. Der zweiteilige Dokumentarfilm ist als Liebeserklärung an Bernardo Bertolucci angelegt und zeichnet dessen filmisches und künstlerisches Erbe nach. „Pause“ des queeren taiwanischen Regisseurs, Drehbuchautors, Fotografen und Künstlers Yonfan ist ein 225-minütiges Selbstporträt über Musik, Tanz, Fotografie und Schreiben. „Meine unerwünschten Freunde: Teil II – Exil“ von Julia Loktev begleitet unabhängige russische Journalisten, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ins Exil gezwungen wurden. In „Eklipse“ wird die Kindheit zweier Jungen im Sommer 1999 durch die Angst vor HIV und die damalige Bezeichnung der Krankheit als „Schwulenkrankheit“ überschattet. Außer Konkurrenz laufen vier Kurzfilme. Die Filme beschäftigen sich unter anderem mit queerer Identität und ersten sexuellen Erfahrungen: 

  • „Tropen des trauernden Geckos“ – Regie: Stavros Markoulakis
  • „Blauer Engel“ – Regie: Tommaso Acquarone
  • „Revolver“ – Regie: Paoli De Luca
  • „Eine kurze Begegnung“ – Regie: Liryc Dela Cruz

Restaurierte Klassiker

Als restaurierter Film wird „Valerie und ihre Woche voller Wunder“ von Jaromil Jireš aus dem Jahr 1970 gezeigt. Der tschechoslowakische Film erzählt von einer 13-Jährigen, deren Welt innerhalb einer Woche von Erscheinungen, Bedrohungen und mysteriösen Figuren erschüttert wird. Erwachendes Begehren wird dabei zu einer surrealen Reise der Selbstentdeckung. Zusätzlich verweist der Queer Lion auf drei ältere Filme mit zwar sehr marginalen, für ihre Zeit aber bemerkenswerten LGBTIQ+-Figuren und queeren Elementen: „Die Geschichte von Woo Viet“ von Ann Hui (Hongkong, 1981), „Brutal, schmutzig und böse“ von Ettore Scola (Italien, 1976) sowie „Wenn Katelbach kommt“ von Roman Polański (Großbritannien, 1966). Eine weitere Erwähnung gilt einem LGBTIQ+-Charakter in „Das Feuer, das du in dir trägst“ von Edoardo De Angelis, der in der Sektion Venezia 83 gezeigt wird.

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