Direkt zum Inhalt
Razzia im Senegal
Foto: iStock / Hari Sucahyo
ANZEIGE

Razzia im Senegal Erneute Attacken auf Homosexuelle

ms - 18.08.2026 - 11:30 Uhr
Loading audio player...

In Kaolack im Senegal hat ein anonymer Hinweis eine polizeiliche Überwachung sowie eine Razzia und schließlich die Festnahme von vier schwulen Männern ausgelöst – der Vorfall ereignete sich letzte Woche, nachdem ein anonymer Tippgeber die Gendarmerie anrief und „verdächtige Aktivitäten“ in einem Wohnhaus meldete. 

Das Wichtigste im Überblick

  • In Kaolack im Senegal führte ein anonymer Hinweis zu einer polizeilichen Überwachung und vier Tage später zu einer Razzia.
  • Vier schwule Männer wurden in einem Schlafzimmer festgenommen.
  • Die Polizei beschlagnahmte unter anderem Kondome, Taschentücher, Gleitmittel, HIV-Schnelltests und Medikamente.
  • Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen Lehrer, einen Dekorateur und zwei medizinische Fachkräfte.
  • Ihnen werden unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung, „widernatürliche Handlungen“, Gefährdung des Lebens anderer und vorsätzliche Übertragung von HIV vorgeworfen.
  • Im Senegal wurde die Höchststrafe für homosexuelle Beziehungen in diesem Jahr von fünf auf zehn Jahre Haft erhöht.
  • Zusätzlich wurden neue Straftatbestände im Zusammenhang mit der „Förderung“ von Homosexualität eingeführt.
  • Im Land nimmt die Zahl der Festnahmen wegen mutmaßlicher Homosexualität weiter zu.

In flagranti im Schlafzimmer

Nach dem Hinweis, der nach den Ermittlungen vermutlich von einem Nachbarn kam, der anonym bleiben wollte, überwachten Ermittler der Polizei von Kaolack das Gebiet mehrere Tage lang. Mitte August griffen sie schließlich ein und stürmten ein Schlafzimmer, das einem der vier Männer gehören soll. Nach Angaben der senegalesischen Tageszeitung Seneweb fanden die Beamten die vier Männer in einem Zustand vor, den die Quellen als „eindeutig“ beschrieben. Der Wohnungsinhaber sei mit nacktem Oberkörper aufgefunden worden, zwei weitere Männer hätten sich auf dem Bett befunden, während der vierte auf sein Mobiltelefon konzentriert gewesen sei. Das Zimmer habe deutliche Spuren eines gerade stattgefundenen Geschlechtsverkehrs aufgewiesen. Bei der Durchsuchung des Zimmers beschlagnahmten die Beamten neue und benutzte Kondome, Taschentücher, Gleitmittel, HIV-Schnelltests und Medikamente zur HIV-Prophylaxe. Außerdem erklärten die Polizisten gegenüber der Presse, dass einer der vier Männer gerade versucht habe, bei einem anderen einen HIV-Test durchzuführen.

Die Identitäten der Männer sind in der Lokalpresse bereits im Umlauf. Bei ihnen handelt es sich um einen Lehrer, einen Dekorateur und zwei medizinische Fachkräfte, die in einer kommunalen Gesundheitseinrichtung arbeiten. Die vier Männer müssen sich jetzt einem Strafverfahren stellen, das im Senegal nach der in diesem Jahr beschlossenen Verschärfung des Gesetzes bis zu zehn Jahre Haft für homosexuelle Handlungen nach sich ziehen kann. Das Gesetz führte außerdem neue Straftatbestände im Zusammenhang mit der „Förderung“ von Homosexualität ein. Die jüngste Festnahme reiht sich dabei ein in eine Welle von Attacken und Hetzjagden gezielt auf schwule Männer im Land

Unterschiedliche Angaben

Bei den Ermittlern machten die vier Männer unterschiedliche Angaben. Der Eigentümer der Wohnung räumte ein, seit mehr als drei Jahren homosexuell zu sein und eine Beziehung mit einem der anderen drei Männer zu führen. Außerdem erklärte er, bereits bei ausländischen Botschaften Asylanträge eingeleitet zu haben. Der Lehrer bestätigte, mit HIV zu leben und eine Beziehung mit dem ersten Mann zu haben. Eine Beteiligung an gemeinschaftlichen sexuellen Handlungen bestritt er jedoch. Die auf den Taschentüchern gefundenen Sperma-Spuren stammten nach seiner Darstellung aus einer Zeit vor der Ankunft der anderen Männer.

Die beiden anderen Männer wiesen die Vorwürfe sexueller Handlungen komplett zurück. Einer von ihnen lebt nach eigenen Angaben seit zehn Jahren mit HIV und ist ein enger Freund des Wohnungsinhabers. Er bestritt jede Beteiligung an sexuellen Handlungen während des Treffens. Der vierte Mann, der Dekorateur, bezeichnete sich als Opfer einer Falle. Er erklärte, vom Lehrer eingeladen worden zu sein, ohne zu wissen, was tatsächlich in dem Zimmer geschehen sei. In den senegalesischen Medien wurden derweil zahlreiche demütigende Einzelheiten veröffentlicht. 

Repressionen verschärfen sich

Nach dem Ende des Polizeigewahrsams wurden die vier Männer dem Staatsanwalt Abass Yaya Wane vorgeführt, er leitet die Staatsanwaltschaft von Saloum. Den Männern werden Bildung einer kriminellen Vereinigung, „widernatürliche Handlungen“, Gefährdung des Lebens anderer und vorsätzliche Übertragung von HIV vorgeworfen. Es handelt sich um dieselben Vorwürfe, die im Laufe dieses Jahres gegen Hunderte weitere Männer im gesamten Land erhoben wurden, dabei nimmt die Zahl der Festnahmen stetig weiter zu.

Offenbar wiederholt sich bei den meisten Fällen ein ähnliches Muster: Eine häufig anonyme Anzeige oder ein Hinweis aus der Nachbarschaft führt zu einer Durchsuchung einer Wohnung. Gegenstände werden beschlagnahmt und anschließend als Beweismittel verwendet. Zudem werden die Gesundheitsdaten der betroffenen Personen öffentlich gemacht, noch bevor ein Prozess stattgefunden hat. Immer wieder eskaliert daraufhin die Situation – in Kaolack exhumierte so eine Menschenmenge den Leichnam eines Mannes, der für homosexuell gehalten wurde, und verbrannte ihn anschließend auf der Straße.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

News zu Heated Rivalry 2

Hudson Williams verrät Details

„Heated Rivalry 2“ wird derzeit gedreht und soll 2027 mit neuen Konflikten und mehr Emotionalität starten, verriet jetzt Schauspieler Hudson Williams.
Schwule Juden

Mehr Sichtbarkeit in der Community

Eine LGBTIQ+-Tora-Gruppe in Oregon liest jüdische Texte neu und will LGBTIQ+-Menschen darin als Teil der jüdischen Geschichte sichtbar machen.
Streisand greift Trump an

Streit um das Kennedy Center

Barbra Streisand kritisiert Präsident Trumps Vorgehen beim Kennedy Center, dessen Umbenennung juristisch und politisch umstritten ist.
Zehn Jahre Projekt „WiR*“

Aufklärung gerät unter Druck

Das Kölner Projekt „WiR*“ feiert zehn Jahre Aufklärungsarbeit – und warnt vor zunehmender Queerfeindlichkeit an Schulen.
Kolumbien sagt Nein zu LGBTIQ+

Kritik an neuem Regierungskurs

Kolumbien verlässt eine wichtige internationale LGBTIQ+-Koalition, während Menschenrechtsvereine vor anhaltender Gewalt gegen die Community warnen.
Vapen bei LGBTIQ+-Jugendlichen

Mobbing verstärkt den Trend

Eine neue Untersuchung sieht einen Zusammenhang zwischen der Ausgrenzung und Mobbing von LGBTIQ+-Jugendlichen und ihrem erhöhten Vape-Konsum.
ESC-Krise in Großbritannien

Prüfung des Auswahlverfahrens

Nach dem letzten Platz 2026 beim ESC soll das britische Eurovision-Auswahlverfahren jetzt im Parlament genauer untersucht werden.
Volkszählung in den USA

Neue Regeln sorgen für Kritik

Geplante Regeln für die US-Volkszählung 2030 könnten trans* Menschen zur Offenlegung ihrer Geschlechtsidentität gegenüber dem Staat zwingen.