Gen Z will reich werden Finanzielle Unsicherheit prägt queeraffine Heranwachsende
Die junge, queer-affine Generation Z steht immer wieder im Mittelpunkt von Debatten über Arbeit, Leistung und Lebensentwürfe. Häufig wird den zwischen 1995 und 2009 Geborenen nachgesagt, weniger karriereorientiert zu sein und andere Vorstellungen vom Leben zu haben als ältere Generationen. Belastbare empirische Belege für einen grundsätzlichen Generationenkonflikt gibt es dafür allerdings nicht – dafür anderweitig neue und spannende Daten.
Das Wichtigste im Überblick
- Die queer-affine Generation Z wird häufig mit Vorurteilen über ihre Einstellung zu Arbeit und Leistung konfrontiert.
- Für viele Angehörige der Gen Z stehen Freunde und Familie über einer klassischen Karriere.
- Gleichzeitig ist der Wunsch nach Reichtum unter jungen Menschen besonders ausgeprägt.
- Laut einer Studie von Intuit Credit Karma wollen 44 Prozent der Gen Z reich sein.
- Bei den Millennials liegt der Anteil mit 46 Prozent sogar noch etwas höher.
- Als mögliche Erklärung gilt unter anderem sogenannte Geld-Dysmorphie, eine gefühlte finanzielle Unsicherheit
- Bei jungen LGBTIQ+-Menschen in den USA spielt auch die Angst vor der US-Politik mit hinein.
Freizeit und viel Geld
Fest steht: Für viele junge queere und queer-affine Menschen haben Freundschaften und Familie einen hohen Stellenwert. Die Frage, wie viel Raum der Beruf im eigenen Leben einnehmen soll, wird stärker hinterfragt. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist für viele Angehörige der Generation Z ein wichtiges Ziel – also jener Generation, die sich in Deutschland zu 22 Prozent als LGBTIQ+ definiert (Ipsos Studie). Doch der Wunsch nach einem erfüllten Privatleben bedeutet offenbar nicht, dass finanzielle Ziele keine Rolle spielen. Im Gegenteil: Eine von Intuit Credit Karma durchgeführte Untersuchung zeigt nun einen auffällig starken Wunsch nach Reichtum bei jüngeren Generationen.
Nach Angaben des US-Magazins Newsweek erklärten 44 Prozent der Befragten aus der Generation Z, dass sie reich sein möchten. Bei den Millennials, also den Jahrgängen 1981 bis 1995, lag der Anteil mit 46 Prozent sogar noch etwas höher. Zum Vergleich: Über die gesamte US-Bevölkerung hinweg äußerten lediglich 27 Prozent diesen Wunsch. Damit zeigt sich ein scheinbarer Widerspruch: Auf der einen Seite wollen viele junge Menschen ihre Arbeitszeit begrenzen und mehr Wert auf Freunde, Freizeit und Selbstverwirklichung legen. Auf der anderen Seite ist der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit und Wohlstand besonders stark ausgeprägt.
Die eigene finanzielle Lage
Eine mögliche Erklärung könnte das Phänomen der sogenannten Geld-Dysmorphie sein. Gemeint ist damit ein Gefühl finanzieller Unsicherheit, das unabhängig davon auftreten kann, wie die tatsächliche wirtschaftliche Situation einer Person aussieht. Menschen können sich demnach finanziell unzureichend abgesichert fühlen, obwohl ihre objektive Lage möglicherweise besser ist, als sie selbst wahrnehmen. Courtney Alev von Credit Karma erklärte: „Viele Menschen prüfen ihre Finanzen und vergleichen sich mit Gleichaltrigen, mit Menschen in den sozialen Medien und sogar mit Prominenten, was Gefühle der Unzulänglichkeit hervorruft. Diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität kann die Leute davon abhalten, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.“
Eine Rolle spielt dabei offenbar auch der ständige Vergleich mit anderen. Soziale Netzwerke vermitteln Einblicke in das Leben von Gleichaltrigen und Prominenten und können dadurch den Eindruck verstärken, selbst finanziell nicht mithalten zu können. Der Wunsch nach Reichtum könnte deshalb nicht ausschließlich mit dem Streben nach Luxus zusammenhängen. Vielmehr könnte dahinter auch das Bedürfnis stehen, finanzielle Sicherheit zu erreichen und das Gefühl persönlicher Unzulänglichkeit zu überwinden.
Angst vor Anti-LGBTIQ+-Politik
Daneben kommen nach Einschätzung der Untersuchung weitere Gründe infrage. Sowohl die Generation Z als auch die Millennials sehen sich mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Steigende Lebenshaltungskosten und Unsicherheiten über die eigene finanzielle Zukunft könnten den Wunsch nach größerem Vermögen zusätzlich verstärken. In den USA spielt dann auch gerade der Aspekt Sicherheit eine große Rolle – immer mehr LGBTIQ+-Menschen haben Angst vor dem Verlust von Rechten oder direkten Angriffen der US-Regierung. Finanzielle Sicherheit kann da ermöglichen, in einen anderen Bundesstaat zu ziehen oder die USA sogar ganz zu verlassen. Die Ergebnisse zeichnen damit ein differenzierteres Bild der Generation Z, insbesondere auch der queeren Gruppe junger Menschen. Ihr stärkerer Fokus auf Freizeit und persönliche Beziehungen steht nicht zwangsläufig im Gegensatz zu hohen finanziellen Ambitionen. Vielmehr können der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und das Streben nach finanzieller Unabhängigkeit gleichzeitig bestehen.