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Oscar-Jahr für LGBTIQ+? Chancen für Colman Domingo und Andrew Scott

Von ms - 14.08.2026 - 13:00 Uhr
Oscar-Jahr für LGBTIQ+?
Foto: FASH Medien Archiv KI
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Der Oscar-Jahrgang 2027 könnte für das LGBTIQ+-Kino zu einem historischen werden. Zwar stehen die Filmfestivals von Venedig und Toronto noch bevor, doch das Rennen um die 99. Academy Awards nimmt bereits Fahrt auf. Als großer Favorit gilt Christopher Nolans „Odyssee“. Der Universal-Koloss hat innerhalb weniger Wochen mehr als eine Milliarde Dollar an den Kinokassen eingespielt.  Zugleich könnten mehrere schwule und queere Filme und offen schwule Schauspieler für Aufsehen sorgen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Christopher Nolans „Odyssee“ gilt schon jetzt als Favorit für die Oscars 2027 und könnte den bisherigen Nominierungsrekord angreifen.
  • „La Bola Negra“ von Javier Ambrossi und Javier Calvo könnte in mehreren Kategorien für eine Überraschung sorgen.
  • Colman Domingo könnte als erster offen schwuler Schauspieler den Oscar als bester Nebendarsteller gewinnen.
  • Andrew Scott tritt in „Elsinore“ als an AIDS erkrankter Schauspieler Ian Charleson auf und könnte ebenfalls auf eine Nominierung hoffen.
  • Auch Lukas Dhont, Jordan Firstman, Jane Schoenbrun und Tom Ford haben potenzielle LGBTIQ+-Beiträge im Oscar-Rennen.
  • Die Nominierungen werden am 21. Januar 2027 bekanntgegeben, die Oscar-Verleihung findet am 14. März statt.

„Odyssee“ zum Oscar-Rekord

Die Oscar-Verleihung findet am 14. März 2027 statt, erneut mit Conan O’Brien als Moderator. Die Abstimmung über die Nominierungen beginnt am 11. Januar und endet am 15. Januar. Die Kandidaten werden am 21. Januar bekanntgegeben. Die abschließende Abstimmung über die Gewinner läuft vom 25. Februar bis zum 4. März. 2026 schrieb Ryan Cooglers „Blood & Sinners“ Filmgeschichte: Mit 16 Nominierungen wurde der Film zum Werk mit den meisten Oscar-Nominierungen aller Zeiten. „Odyssee“ könnte diesen Rekord einstellen oder sich ihm zumindest annähern.

Viel wird dabei von den Schauspielkategorien abhängen. Möglich ist eine Nominierung für Anne Hathaway – offen ist noch, ob als Haupt- oder Nebendarstellerin. Dagegen könnten Matt Damon, Tom Holland, Samantha Morton als Kirke und John Leguizamo als Eumaios leer ausgehen. Auch eine Nominierung von Elliot Page erscheint angesichts der wenigen Minuten, die der Rolle Sinone eingeräumt werden, schwierig.

Nolan, der drei Jahre nach seinen beiden persönlichen Oscars für „Oppenheimer“ erneut als Regisseur und Produzent erfolgreich sein möchte, bekommt allerdings starke Konkurrenz. Im Oktober kommt Alejandro González Iñárritus „Digger“ mit einem kaum wiederzuerkennenden Tom Cruise in die Kinos. Cruise hofft auf seinen ersten großen Oscar-Erfolg. Im Dezember folgt Denis Villeneuves „Dune 3“ mit Timothée Chalamet und Zendaya. Weitere mögliche Konkurrenten sind Martin McDonagh mit „Wild Horse Nine“, David Fincher mit „Die Abenteuer des Cliff Booth“ nach einem Drehbuch von Quentin Tarantino und Ridley Scott mit „The Dog Stars“.

Überraschungen bei den Nominierungen?

Überraschungen könnten Jesse Eisenberg mit „The Debut“ und Olivia Wilde mit „The Invite“ liefern. Auch „Project Hail Mary“ könnte im Science-Fiction-Bereich für eine Überraschung sorgen. Der Kassenerfolg mit Ryan Gosling wurde von Phil Lord und Christopher Miller inszeniert. Bei den Schauspielerinnen gelten Sandra Hüller für „Fatherland“ und „Digger“ sowie Julianne Moore für „The Debut“ als aussichtsreich. 

Eine überraschende Kandidatin könnte Inde Navarette werden. Sie war bis vor wenigen Monaten noch weitgehend unbekannt und spielt eine zentrale Rolle in „Obsession“. Der Horrorfilm kostete weniger als eine Million Dollar und spielte weltweit mehr als 460 Millionen Dollar ein. Auch Meryl Streep könnte mit „Der Teufel trägt Prada 2“ erneut nominiert werden – 20 Jahre nach ihrer Oscar-Nominierung für den ersten Teil. Sollte es dazu kommen, könnte sie ausgerechnet auf Anne Hathaway treffen, die in „Odyssee“ Penelope spielt.

„La Bola Negra“ als schwuler Oscar-Hit?

Besonders interessant für das LGBTIQ+-Kino ist „La Bola Negra“ von Javier Ambrossi und Javier Calvo. Nach ihrem Erfolg in Cannes könnten die beiden bei den Oscars 2027 nachlegen. Der Film soll noch in diesem Jahr bei Netflix zu sehen sein, zuvor ist die längste reine Kinoauswertung in der Geschichte des Streamingdienstes geplant: fast 50 Tage. „La Bola Negra“ könnte bei den Nominierungen gleich in mehreren Kategorien auftauchen: als bester Film, für die Regie, das adaptierte Drehbuch, als internationaler Film sowie für Szenenbild, Schnitt, Kostüme und die Nebendarstellerin Penélope Cruz.

Colman Domingo und Andrew Scott

Für eine historische Premiere könnte Colman Domingo sorgen. Nach zwei Oscar-Nominierungen als bester Hauptdarsteller könnte er für das Michael-Jackson-Biopic „Michael“ als bester Nebendarsteller ausgezeichnet werden. Sollte Domingo gewinnen, wäre er der erste offen schwule Schauspieler, dem dies in dieser Kategorie gelingt. Auch Andrew Scott könnte für einen besonderen Oscar-Moment sorgen. Der Star aus „All of Us Strangers“ spielt in „Elsinore“ von Simon Stone den britischen Schauspieler Ian Charleson, den unvergessenen Hauptdarsteller von „Die Stunde des Siegers“. Charleson hatte mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, als er sich auf seine Rolle als Hamlet am National Theatre in London vorbereitete, weil er an AIDS erkrankt war. An der Seite von Scott spielt Olivia Colman, die ebenfalls auf eine Oscar-Nominierung hoffen kann. Der Film könnte zu den britischen Produktionen des Jahres gehören, die bei der Academy besonders beachtet werden.

Weitere LGBTIQ+-Filme im Rennen 

Auch Lukas Dhont ist mit „Coward“ im Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film. Dagegen scheint Pedro Almodóvar mit „Amarga Navidad“ derzeit aus dem Rennen zu sein. Nicht vergessen werden sollte „Club Kid“ von Jordan Firstman, insbesondere mit Blick auf das Drehbuch. Auch „Camp Miasma“ von Jane Schoenbrun könnte eine Rolle spielen. Nominierungen für beide Filme wären allerdings angesichts der traditionellen Kriterien der Academy überraschend. Noch unklar ist die Zukunft von Tom Fords „Cry to Heaven“. Weil der Film nicht rechtzeitig für Venedig fertig wurde, könnte er auf die Berlinale oder Cannes 2027 warten. Möglich wäre auch ein Kinostart Ende 2026 ohne Festivalpremiere. In diesem Fall könnte der Film zu den aussichtsreichsten Kandidaten für zahlreiche Nominierungen gehören.

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