Netflix sichert Cannes-Hit Festival-Gewinner „La Bola Negra” kommt zum Streamingdienst
Netflix hat sich die US-Vertriebsrechte an dem schwulen Drama „La Bola Negra“ („Die schwarze Kugel“) gesichert. Der Film entwickelte sich bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes zu einem der meistdiskutierten Beiträge und zu den großen Gewinnern des Festivals. Nach Angaben des Branchenmagazins Variety soll der Deal rund fünf Millionen US-Dollar wert sein und gehört damit zu den größten Verkäufen des Festivals.
Das Wichtigste im Überblick
- Netflix erwirbt die US-Rechte an „La Bola Negra“ für rund fünf Millionen US-Dollar
- Der Film erhielt bei seiner Premiere in Cannes 22-minütige Standing Ovation.
- Regie führten Javier Ambrossi und Javier Calvo, ausgezeichnet für die beste Regie.
- Die Geschichte folgt drei schwulen Männern in den Jahren 1932, 1937 und 2017.
- Glenn Close und Penélope Cruz gehören zur Besetzung.
- Der Film zählt zu den größten Verkäufen der Filmfestspiele von Cannes 2025.
Gefeierter Film in Cannes
Dem Bericht zufolge hatten mehrere namhafte Verleiher Interesse an dem Film gezeigt, darunter Neon, A24 und Mubi. Am Ende setzte sich Netflix im Bieterwettstreit durch. Regie bei „La Bola Negra“ führten Javier Ambrossi und Javier Calvo, die als Kreativduo unter dem Namen Los Javis bekannt sind. Für die beiden Spanier war es die erste Teilnahme am Hauptwettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Bei der Premiere wurde der Film mit einer 22-minütigen Standing Ovation gefeiert und galt früh als Kandidat für die Goldene Palme sowie die Queer Palm.
Der Film basiert auf einem unvollendeten Fragment des spanischen Dichters und Dramatikers Federico García Lorca. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von 85 Jahren spanischer Geschichte und erzählt die Geschichten von drei schwulen Männern in den Jahren 1932, 1937 und 2017. Ihre Lebenswege verbinden sich über Generationen hinweg und thematisieren Liebe, Verlust und die Spuren, die Menschen in den nachfolgenden Generationen hinterlassen. Der Titel „La Bola Negra“ verweist auf eine Form sozialer Ausgrenzung. In der Handlung wird eine schwarze Kugel in eine Wahlurne geworfen, um die Aufnahme eines jungen homosexuellen Mannes in einen Club in Granada zu verhindern. Dieser Vorgang wird zum Symbol für Ablehnung, Identität und Widerstandskraft, das sich durch den gesamten Film zieht.
Ein Film für alle
Das Drehbuch schrieben Ambrossi und Calvo gemeinsam mit dem Dramatiker Alberto Conejero. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Schauspieldebüt des spanischen Singer-Songwriters Guitarricadelafuente. Zur Besetzung gehören außerdem Miguel Bernardeau, Carlos González, Milo Quifes und Lola Dueñas. Schauspiel-Legende Glenn Close übernahm eine Nebenrolle, während Oscar-Preisträgerin Penélope Cruz in einem erweiterten Cameo-Auftritt zu sehen ist. Die Kritiken fielen bereits überwiegend positiv aus. In seiner Cannes-Rezension für Variety lobte Kritiker Guy Lodge den Film für seinen emotionalen Anspruch und seine visuelle Gestaltung. Der Film verbinde eine ungewöhnliche, künstlerisch anspruchsvolle und teilweise sperrige Form mit einer sehr direkten, emotionalen Erzählweise und könnte so sowohl innerhalb als auch außerhalb von LGBTIQ+-Arthouse-Kreisen ein Publikum finden.
Für Los Javis gilt „La Bola Negra“ als bislang ambitioniertestes Projekt ihrer Karriere. Das Duo wurde mit Produktionen wie „Veneno“ und „La Mesías“ zu prägenden Stimmen des spanischen Fernsehens und ist insbesondere für queere und homosexuelle Stoffe und Figuren bekannt. Für ihr Drama „La Bola Negra“ wurden sie in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.
Übernahmeschlacht um schwules Drama
Der Wettbewerb um die Vertriebsrechte entwickelte sich zu einer der heißesten Übernahmeschlachten des diesjährigen Festivals. Nur Jordan Firstmans Film „Club Kid“ sorgte für noch größere Kaufbegeisterung und landete Berichten zufolge in einem 17-Millionen-Dollar-Deal bei A24. Netflix setzt seit Jahren auf internationale Produktionen mit Preisverleihungspotenzial. Zu den erfolgreichen Titeln des Streamingdienstes zählen Jacques Audiards „Emilia Pérez“, der 13 Oscar-Nominierungen erhielt und zwei Academy Awards gewann, sowie Alfonso Cuaróns „Roma“, der mit zehn Oscar-Nominierungen bedacht wurde und drei Oscars gewann, darunter den Preis für die beste Regie. Ein Starttermin für „La Bola Negra“ wurde bislang nicht bekanntgegeben. Durch die Übernahme durch Netflix dürfte der Film jedoch schon bald einem deutlich größeren internationalen Publikum zugänglich werden.