Premiere in Baden-Württemberg Trans* Frau Jennifer Kubach will Bürgermeisterin werden
Jennifer Kubach will Bürgermeisterin von Linkenheim-Hochstetten werden. Die parteilose trans* Kandidatin bewirbt sich bei der Wahl am 27. September 2026 um das Amt und möchte dabei ihre langjährige berufliche Erfahrung, ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Vorstellungen von einer bürgernahen Verwaltung einbringen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Jennifer Kubach kandidiert am 27. September 2026 als parteilose Bürgermeisterin in Linkenheim-Hochstetten.
- Die trans* Frau verfügt nach eigenen Angaben über rund 45 Jahre Berufserfahrung in einem großen deutschen Energiekonzern.
- Sie engagiert sich ehrenamtlich für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
- Zu ihren politischen Vorhaben gehören unter anderem erneuerbare Energien, solide Finanzen, ein Ärztehaus und ein Ausbau des Schienen-ÖPNV.
- Kubach betont, bei ihrer Kandidatur solle nicht ihre Biografie als trans* Frau, sondern ihre fachliche Qualifikation im Mittelpunkt stehen.
Kandidatin mit Berufserfahrung
Kubach kann nach eigenen Angaben auf rund 45 Jahre Berufserfahrung bei einem der größten deutschen Energiekonzerne zurückblicken. Ihre Laufbahn begann im technischen Bereich. Später übernahm sie verantwortungsvolle Fachaufgaben und arbeitete in zentralen Unternehmensfunktionen. Zu ihren Tätigkeiten gehörten unter anderem die interne und externe Kommunikation, die Koordination komplexer Projekte sowie der maßgebliche Aufbau des Unternehmensbereichs Erneuerbare Energien.
Aus dieser beruflichen Tätigkeit nehme sie insbesondere Erfahrungen in Verantwortung, wirtschaftlichem Denken und Entscheidungsprozessen mit, erklärt Kubach. Auch in schwierigen Situationen habe sie gelernt, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Neben ihrem Beruf engagiert sich Kubach seit vielen Jahren ehrenamtlich. Sie gründete den gemeinnützigen Verein Diversity Events e. V. und ist dessen Vorsitzende. Der Verein setzt sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und gegenseitigen Respekt ein. Zu den von Kubach initiierten Projekten gehört die Diversity-Ballnacht. Die Veranstaltung findet im Oktober zum zweiten Mal in Karlsruhe statt. Sie soll Menschen verschiedener Herkunft, Religionen, Generationen und Lebensweisen zusammenbringen und hat nach Angaben der Kandidatin über die Region Karlsruhe hinaus Aufmerksamkeit erhalten.
Verwaltung und Infrastruktur
Mit ihrer Kandidatur verbindet Kubach mehrere konkrete politische Vorhaben. Sie setzt auf eine moderne und bürgernahe Verwaltung, transparente Entscheidungen und solide Gemeindefinanzen. Zugleich will sie die Nutzung erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben und das Ehrenamt stärken. Auch bei der Infrastruktur sieht die Kandidatin Handlungsbedarf. Geplant ist aus ihrer Sicht unter anderem ein weiterer Ausbau des Schienen-ÖPNV. Zudem möchte sie ein Ärztehaus in der Gemeinde schaffen.
Den Kontakt zu den Einwohnerinnen und Einwohnern will Kubach nach eigenen Angaben nicht auf das Rathaus beschränken. Sie möchte regelmäßig vor Ort ansprechbar sein und den Austausch in Vereinen, Unternehmen, sozialen Einrichtungen und bei öffentlichen Veranstaltungen suchen. „Ich kandidiere nicht für eine Partei, sondern für die Menschen in Linkenheim-Hochstetten“, so Jennifer Kubach. „Als parteilose Kandidatin bin ich ausschließlich den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet. Ich möchte zuhören, anpacken und gemeinsam mit den Menschen unsere Gemeinde weiterentwickeln. Gute Ideen dürfen nicht daran scheitern, dass man sagt: 'Das haben wir schon immer so gemacht.'“
Mit Inhalten überzeugen
Mit ihrer Kandidatur verbindet Kubach zugleich eine persönliche und gesellschaftspolitische Botschaft. Sie gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen trans* Frauen in Deutschland, die sich um das Amt einer hauptamtlichen Bürgermeisterin bewerben. Nach ihrer Darstellung ist sie erst die dritte trans* Frau, die diesen Schritt in die Öffentlichkeit wagt. Ihre eigene Biografie soll im Wahlkampf allerdings nicht im Mittelpunkt stehen. Entscheidend seien vielmehr ihre Qualifikationen, ihre Erfahrungen und ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen.
„Ich möchte nicht auf meine Biografie reduziert werden. Entscheidend ist für mich die Frage, welche Ideen, welche Erfahrung und welchen Einsatz jemand für eine Gemeinde mitbringt. Wenn meine Kandidatur gleichzeitig anderen Menschen Mut macht, ihren eigenen Weg zu gehen und sich gesellschaftlich oder politisch zu engagieren, dann ist das ein schönes Signal für unsere Demokratie.“ Kubach sieht Vielfalt, Offenheit und gegenseitigen Respekt als wichtige Grundlagen für das Zusammenleben in einer Gemeinde. Gleichzeitig misst sie wirtschaftlicher Vernunft, transparenten Entscheidungen und einer leistungsfähigen Verwaltung große Bedeutung bei. Ihr Ziel sei es, unterschiedliche Positionen zusammenzubringen und Brücken zu bauen.