Kampf um den Goldenen Löwen Queer Lion feiert in Venedig 20-jähriges Jubiläum
Mit zahlreichen Weltpremieren und prominenten Regisseuren startet Anfang September die 83. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Das Festival gilt neben Cannes als eines der wichtigsten Schaufenster für die kommende Oscar-Saison. Die Veranstalter stellten nun das Programm für das Filmfestival vor, das vom 2. bis 12. September auf dem Lido stattfindet.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Filmfestspiele von Venedig finden vom 2. bis 12. September statt.
- Robert Pattinson, Martin McDonagh und Werner Herzog gehen ins Rennen um den Goldenen Löwen.
- Danny Boyles „Ink“ eröffnet das Festival, Maggie Gyllenhaal leitet die Jury.
- Tom Fords neuer Film „Cry to Heaven“ fehlt überraschend im Programm.
- Der Queer Lion wird 2026 zum 20. Mal verliehen.
Venedig als Gradmesser für den Oscar
Zu den Filmen im Wettbewerb zählt der Thriller „Primetime“ mit Robert Pattinson. Ebenfalls um den Goldenen Löwen konkurriert Martin McDonaghs schwarze Komödie „Wild Horse Nine“. Weitere Anwärter auf den Hauptpreis sind unter anderem Werner Herzogs „Bucking Fastard“ mit Rooney und Kate Mara sowie „Possible Love“ des südkoreanischen Regisseurs Lee Chang-Dong. Für den Filmemacher ist es der erste Spielfilm seit seinem vielfach gelobten Thriller „Burning“ aus dem Jahr 2018. Eröffnet wird das Festival am 2. September mit Danny Boyles Tatsachen-Thriller „Ink“, in dem Jack O'Connell, Star aus „28 Years Later“, eine Hauptrolle übernimmt.
Den Vorsitz der Wettbewerbsjury übernimmt in diesem Jahr Regisseurin und Schauspielerin Maggie Gyllenhaal. Sie wurde 2021 in Venedig für ihre Literaturverfilmung „Frau im Dunkeln“ mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Gemeinsam mit den weiteren Jurymitgliedern entscheidet sie über die Vergabe des Goldenen Löwen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich das traditionsreiche Festival zunehmend zu einer wichtigen Bühne für spätere Oscar-Favoriten. Zu den Gewinnern der vergangenen Ausgaben zählen „Father Mother Sister Brother“ von Jim Jarmusch, „Poor Things“ von Yorgos Lanthimos und „Joker“ von Todd Phillips.
Tom Ford fehlt überraschend
Für Enttäuschung gerade in der LGBTIQ+-Community sorgt vor allem das Fehlen von „Cry to Heaven“, dem mit Spannung erwarteten dritten Spielfilm von Tom Ford. Ford gewann 2016 für „Nocturnal Animals“ den Silbernen Löwen – den Großen Preis der Jury. Bereits sein Regiedebüt „A Single Man“ war 2009 beim Festival mit dem Queer Lion ausgezeichnet worden. In „A Single Man“ geht es um einen schwulen Literaturprofessor im Los Angeles der 1960er-Jahre, der nach dem Tod seines langjährigen Partners mit Trauer, Einsamkeit und der Suche nach einem neuen Lebenssinn kämpft.
„Cry to Heaven“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anne Rice aus dem Jahr 1982. Im Mittelpunkt stehen ein venezianischer Adliger und ein kastrierter Sänger aus Kalabrien, die als außergewöhnliche Sopranisten im Opernbetrieb des 18. Jahrhunderts Karriere machen wollen – viel Homoerotik inklusive. Vor der Bekanntgabe des Programms galt Tom Fords Rückkehr nach Venedig als nahezu sicher. Der Film wartet mit einer hochkarätigen Besetzung auf, darunter unter anderem Nicholas Hoult, Colin Firth, Aaron Taylor-Johnson, Sängerin Adele in ihrem Filmdebüt, Paul Bettany und Thandiwe Newton. Dass „Cry to Heaven“ nicht im Festivalprogramm vertreten ist, gilt allerdings nicht als Ablehnung durch die Auswahlkommission. Branchenbeobachter gehen vielmehr davon aus, dass die Postproduktion noch nicht abgeschlossen ist. Die Dreharbeiten waren Ende März 2026 in Rom beendet worden.
Guadagnino mit Doku vertreten
Auch Luca Guadagninos (Call Me By Your Name, Queer) neuer Film „Artificial“ über den schwulen OpenAI-Gründer wird entgegen früheren Erwartungen nicht in Venedig gezeigt. Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Amazon und der Übernahme durch Neon sei das Werk nicht rechtzeitig fertig geworden. Der Regisseur wird dennoch am Lido vertreten sein. Außer Konkurrenz präsentiert er den siebenstündigen Dokumentarfilm „Joie de Vivre“ über Bernardo Bertolucci. Ebenfalls außerhalb des Wettbewerbs läuft „Queer Edward II“ von Theo Rollason, eine Dokumentation über den Film „Eduard II.“ des verstorbenen Regisseurs Derek Jarman, der die gleichgeschlechtliche Liebe des Königs zu Piers Gaveston thematisierte.
Queer Lion feiert Jubiläum
Der Queer Lion für Filme mit LGBTIQI+-Thematik wird 2026 bereits zum 20. Mal verliehen. Welche Produktionen um die Auszeichnung konkurrieren, wollen die Veranstalter erst im August bekanntgeben. Der Preis wurde erstmals 2007 vergeben. Erster Gewinner war „The Speed of Life“ des US-Regisseurs Edward Radtke. Zum Jubiläum gestaltete der Illustrator Joey Guidone das offizielle Festivalplakat. Es greift das Thema der Sichtbarkeit queerer Identitäten im Kino auf. Zu sehen ist die Rialtobrücke, deren unterer Bogen sich in einen leuchtenden Regenbogen verwandelt, der sich im Wasser des Canal Grande spiegelt. Aus einer Gondel filmt eine Figur die Szene und verweist damit auf die Rolle des Kinos als Medium der Beobachtung und Sichtbarmachung. Himmel, Brücke und Wasser bilden dabei eine visuelle Metapher für das Gleichgewicht zwischen Umgebung, Erinnerung und Identität.