Streit um Museumsinhalte LGBTIQ+-Ausstellungen im Fokus einer Debatte in den USA
Ein neuer Bericht des Weißen Hauses wirft der Smithsonian Institution und ihrem National Museum of American History eine ideologisch geprägte Geschichtsvermittlung vor. Besonders scharf kritisiert werden Ausstellungen zu LGBTIQ+-Geschichte, Dragqueens und gesellschaftlich benachteiligten Gruppen.
Das Wichtigste im Überblick
- Das Weiße Haus kritisiert die Ausstellungen des National Museum of American History scharf.
- Beanstandet werden unter anderem Darstellungen von LGBTIQ+-Geschichte, Dragqueens und Popkultur.
- Historiker weisen die Vorwürfe zurück und sprechen von politischer Einflussnahme.
- Auch ein Zentrum für inklusive Geschichtsschreibung gerät ins Visier der Kritik.
- Der Bericht des Weißen Hauses stellt zudem Ausstellungen zu Abtreibung und das Musical „Hamilton“ infrage.
Weißes Haus kritisiert Smithsonian
Der Bericht des Domestic Policy Council mit dem Titel „Saving America’s Story“ behauptet, das Museum sei von einem „intellektuellen Rahmenwerk erfasst worden, das im Marxismus verwurzelt ist und darauf abzielt, die Gesellschaft radikal zu verändern, indem angebliche ‚sich überschneidende Systeme der Unterdrückung‘ offengelegt und infrage gestellt werden.“ Zu den beanstandeten Ausstellungsstücken gehören unter anderem Kostüme aus dem Broadway-Musical „Hamilton“, ein Video mit Dragqueens sowie das Titelblatt des feministischen Fanzines „Girl Germs“ aus den 1990er-Jahren, auf dem zwei nackte Frauen in einer Umarmung zu sehen sind. Der Bericht wirft dem Museum vor, Kindern dadurch sexuell anzügliche Inhalte zu präsentieren.
Im Mittelpunkt der Kritik steht nach Darstellung des Berichts jedoch die Entscheidung des Museums, verstärkt Geschichten gesellschaftlich marginalisierter Gruppen zu erzählen. Die Autoren argumentieren, dies geschehe auf Kosten einer Geschichtsvermittlung, die junge Menschen stärker mit der Geschichte heterosexueller weißer Männer inspirieren solle.
Historiker weisen Vorwürfe zurück
Die Organization of American Historians (OAH) wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer unzulässigen politischen Einflussnahme auf die Arbeit einer unabhängigen Kulturinstitution. „Das National Museum of American History vermittelt die Geschichte Amerikas anhand seiner umfangreichen Sammlung; Ziel dieses Berichts ist es, das Museum dafür zu bestrafen, dass es die US-Geschichte auf eine Weise zugänglich macht und darstellt, die alle Amerikaner widerspiegelt“, heißt es in einer Erklärung der OAH. „Der Bericht ist nur das jüngste Kapitel einer umfassenderen, systematischen Kampagne, die nun eine Institution ins Visier nimmt, die niemals einer einzelnen Regierung unterstellt sein sollte. Wie die OAH bereits zuvor erklärt hat, hat kein Präsident die Befugnis, den Inhalt der Ausstellungen des Smithsonian vorzugeben.“
Kritik übt der Bericht auch an der Gründung des Center for Restorative History. Das Zentrum verfolge das Ziel, die Perspektiven von BIPOC (Schwarze, indigene und andere People of Color), LGBTIQ+-Menschen sowie Personen mit sich überschneidenden Identitäten stärker in die historische Aufarbeitung einzubeziehen. Nach Auffassung der Autoren bevorzuge dieses Konzept „praktisch jede Gruppe außer heterosexuellen weißen Amerikanern“.
Weitere Kritik an Abtreibung und „Hamilton“
Der Bericht wirft der Smithsonian-Leitung außerdem „Pro-Abtreibungs-Aktivismus“ vor. Dabei weisen die entsprechenden Ausstellungen ausdrücklich sowohl Positionen von Befürwortern als auch von Gegnern des Rechts auf Schwangerschaftsabbrüche aus. Kritisiert wird zudem, dass Museumsdirektorin Anthea Hartig nach der Aufhebung des Grundsatzurteils „Roe v. Wade“ im Jahr 2022 eine persönliche Stellungnahme veröffentlichte, in der sie die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs verurteilte.
Ausführlich befasst sich der Bericht außerdem mit dem Broadway-Musical „Hamilton“. Beanstandet wird unter anderem eine Erläuterung in der Ausstellung „Entertainment Nation“. So heißt es: „Eine Erläuterung zum Broadway-Musical Hamilton in der Ausstellung Entertainment Nation des National Museum of American History bezeichnet Alexander Hamilton lediglich als einen ‚einflussreichen und zugleich fehlerhaften Gründervater‘ – vermutlich unter anderem deshalb, weil er Sklaven besaß –, ohne seine zentrale Rolle bei der Gründung und frühen Entwicklung der Vereinigten Staaten zu erwähnen.“ Für diese Interpretation nennt der Bericht keinen Beleg. Das Musical selbst thematisiert nicht, ob Hamilton Sklaven besaß. Historiker diskutieren diese Frage seit Langem kontrovers. Bekannt ist zugleich, dass Hamilton die Sklaverei kritisierte. Das Stück zeigt dagegen seine persönlichen Schwächen, darunter Untreue und seine polarisierende politische Art.
Auch die Ausstellung „Entertainment Nation“ insgesamt wird im Bericht kritisiert. Beanstandet wird unter anderem, dass Besucher dort Informationen über „eine bisexuelle Blues-Sängerin, eine lesbische Schauspielerin, einen sexuell selbstbestimmten Filmstar, eine LGBTIQ+-Ikone, einen lesbischen Fernsehstar, einen schwulen Baseball-Profi der Major League sowie eine queere Fußballspielerin“ erhalten.