Widerspruch von Weidel AfD-Chefin gegen Statements zum traditionellen Familienbild
AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel hat sich deutlich von Formulierungen zum Familienbild im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt distanziert. Ihre persönliche Lebensrealität stehe nicht im Einklang mit den dort formulierten Aussagen, erklärte sie am Rande des Bundesparteitags am vergangenen Wochenende in Erfurt. Zugleich verteidigte sie die grundsätzliche Ausrichtung ihrer Partei in dieser Frage.
Das Wichtigste im Überblick
- Alice Weidel kritisiert Passagen zum Familienbild im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt.
- Die AfD-Chefin verweist auf ihre eigene Lebenssituation mit ihrer Partnerin und zwei Kindern.
- Gleichzeitig verteidigt sie das traditionelle Familienbild als politisches Leitbild der Partei.
- Zum Abschluss des Bundesparteitags bekräftigt die Parteiführung ihren Anspruch auf eine Regierungsbeteiligung.
- Weidel kündigt Vorbereitungen auf mögliche vorgezogene Bundestagswahlen an.
Weidel betont „andere Realität“
Weidel lebt mit einer Frau zusammen und zieht gemeinsam mit ihr zwei Kinder groß. Auf eine entsprechende Nachfrage im RTL/ntv-Interview sagte sie mit Blick auf die Aussagen im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt: „Die können reinschreiben, was sie wollen. Ich lebe etwas anderes.“ Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt heißt es: „Eine intakte Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern, ist erwiesenermaßen die beste Voraussetzung für eine gute und gesunde Kindesentwicklung“. Vor diesem Hintergrund verwies Weidel auf ihre eigene Familie. „Wenn Sie mich persönlich fragen: Meine Kinder haben die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen“, sagte die AfD-Vorsitzende. Zugleich verwies sie auf gesellschaftliche Veränderungen: „Wir leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität. Also gleichgeschlechtliche Beziehungen sind gleichwertig zu behandeln.“
Kein Widerspruch zur AfD-Leitlinie?
Ungeachtet dessen sieht Weidel keinen Widerspruch zwischen ihrer persönlichen Situation und der politischen Position ihrer Partei. „Wenn ich als Politikerin von einem gesellschaftlichen Zielbild rede, und das ist nun mal die traditionelle Familie, dann kann ich mich dafür einsetzen und es ist kein Widerspruch“, sagte sie. Zum Abschluss des Bundesparteitags unterstrich die Parteiführung zudem ihren Anspruch, künftig Regierungsverantwortung zu übernehmen. Co-Parteichef Tino Chrupalla erklärte vor den Delegierten: „Die AfD ist da, um zu siegen. Und wir werden siegen und wir werden regieren.“
Nach seinen Worten müsse die Partei den Schritt von der Opposition in die Regierung schaffen. „Wir müssen endlich aus der Opposition in die Regierung kommen. Wir sind bereit dazu. Wir wollen regieren.“ Als wichtigste Etappenziele nannte Chrupalla Wahlsiege bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September. Darüber hinaus formulierte er das Ziel, „auch im Bund 2029“ die Regierungsverantwortung zu übernehmen.
Regierungsverantwortung und Neuwahlen
Auch Weidel bekräftigte diesen Anspruch in ihrer Abschlussrede. Nach der kommenden Bundestagswahl werde die AfD „Regierungsanspruch erheben, denn wir sind stärkste Kraft“. Zugleich appellierte Chrupalla an den Zusammenhalt innerhalb der Partei. Auf dem Weg zur Macht müsse die AfD auch mit schwierigen Phasen rechnen. Sie müsse sich auf „Enttäuschungen und auch auf Rückschläge“ einstellen. Als Ziel nannte der Co-Parteichef weitere Zugewinne bei Wahlen. „Wir wollen noch vier, fünf Prozent zulegen. Und deswegen müssen wir die Bürger weiter überzeugen, damit wir auch im Bund 2029 die Regierung übernehmen.“
Im Unterschied zu den „Altparteien“ dürfe die AfD „nichts versprechen, was wir nicht einhalten können“, sagte Chrupalla weiter. „Und wir müssen unsere Versprechen auch einhalten.“ Weidel erklärte in einem abschließenden Statement, die Partei bereite sich bereits auf mögliche vorgezogene Bundestagswahlen vor. Für den neu gewählten Bundesvorstand sei es nun die wichtigste Aufgabe, eine angestrebte Regierungsübernahme vorzubereiten. Dazu gehöre auch die Erarbeitung eines neuen Grundsatzprogramms. Die AfD erhebe „Regierungsanspruch als stärkste Kraft“, sagte Weidel. Ziel sei es, Deutschland „vom Kopf auf die Füße zu stellen“.