Sexarbeiter bei OnlyFans Sexarbeit vor Jahrhunderten und heute
Männliche Sexarbeit gehört nach Einschätzung der Autorin Hallie Lieberman seit Jahrhunderten zur Geschichte der Vereinigten Staaten, findet in historischen Darstellungen jedoch bis heute nur wenig Beachtung. In einem Beitrag für die Rewire News Group beschreibt die Historikerin die Entwicklung männlicher Sexarbeit von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart.
Das Wichtigste im Überblick
- Historikerin Hallie Lieberman beschreibt die Geschichte männlicher Sexarbeit in den USA.
- Männliche Sexarbeit soll bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen.
- Im 19. Jahrhundert arbeiteten männliche Sexarbeiter in vielen Bordellen, vor allem für homosexuelle Kunden.
- Im 20. Jahrhundert entstand der Begriff „Gigolo“ für Männer, die Frauen ihre Dienste anboten.
- Historiker sehen männliche Sexarbeit bis heute als wenig erforschten Teil der US-Geschichte.
Sexarbeit vor 400 Jahren
Nach Liebermans Darstellung reicht männliche Sexarbeit in Nordamerika mindestens bis ins 17. Jahrhundert zurück. Englische Siedler auf dem Weg nach Jamestown hätten „überlebt, indem sie auf dem Schiff Sex gegen Kekse mit Söldnern tauschten“. Auch in den Kolonien hätten arme Männer ihren Lebensunterhalt unter anderem damit verdient, wohlhabenderen Siedlern sexuelle Dienste anzubieten. Zwar seien homosexuelle Handlungen verboten gewesen, die entsprechenden Gesetze jedoch nur selten konsequent durchgesetzt worden.
Im 19. Jahrhundert seien männliche Sexarbeiter in Bordellen nahezu ebenso verbreitet gewesen wie weibliche Prostituierte. Zu ihren Kunden hätten vor allem homosexuelle Männer gehört, die ihre sexuelle Orientierung geheim hielten und bezahlte Treffen als sicherer empfanden, als andere Männer öffentlich anzusprechen und dabei Gewalt zu riskieren. Sogar der US-Dichter Walt Whitman erwähnte männliche Prostituierte in seiner Gedichtsammlung „Grashalme“ aus dem Jahr 1856. Dort heißt es: „Lasst die Huren und die männlichen Prostituierten besonnen sein! Lasst sie weiter tanzen.“
Schwule Sexarbeiter auf der Straße
Nach Angaben Liebermans verfügten bis in die 1890er-Jahre die meisten größeren Städte – darunter auch San Francisco – über mindestens ein Bordell mit männlichen Sexarbeitern. Allein in New York habe es mindestens sechs solcher Einrichtungen gegeben. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich ein Markt männlicher Sexarbeit für weibliche Kunden. In dieser Zeit etablierte sich der Begriff „Gigolo“. Zu den angebotenen Dienstleistungen gehörten Tanzstunden, das „Entjungfern“ sowie die Begleitung alleinstehender Frauen in Bars und Restaurants. Männer, die weiterhin männliche Kunden bedienten, seien dagegen zunehmend auf die Straße verdrängt worden. Daraus habe sich der Begriff „Hustling“ entwickelt.
Diskriminierung von Männern
Während der Markt heterosexueller Gigolos in den 1960er-Jahren zurückging, gewann männliche Sexarbeit innerhalb der schwulen Community und bei Männern, die ihre Sexualität hinterfragten, an Bedeutung. Parallel dazu entstanden schwule Magazine, Cruising-Führer und freizügige Zeitschriften. Warum männliche Sexarbeit in der Geschichtsschreibung vergleichsweise selten thematisiert wird, erklärt der Soziologe Kerwin Kaye von der Wesleyan University mit gesellschaftlichen Rollenbildern. „Das Bild der ,Hure‘ dreht sich vollständig um die Geschlechterrollen von Frauen und die Kontrolle weiblicher Sexualität“, sagte der Professor für feministische Geschlechter- und Sexualitätsforschung.
„Selbst wenn Männer schon früher Geld für Sex nahmen, werden sie nicht auf dieselbe Weise als Prostituierte betrachtet. Deshalb sind sie in der Geschichtsschreibung kaum präsent.“ Nach Ansicht Liebermans besteht die Diskriminierung von Sexarbeitern bis heute fort – insbesondere gegenüber Männern, die andere Männer bedienen. Gleichzeitig sei das Thema in den vergangenen Jahren durch Filme und Fernsehserien wie „American Gigolo“, „Hung“ oder „Rent a Man“ stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die moderne Fortführung der Sexarbeit findet sich heute auf Portalen wie OnlyFans wieder, die durch die Offenheit und Selbstverständlichkeit ihrer Angebote immer mehr zumindest teilweise auch in der gesellschaftlichen Mitte anzukommen scheinen.