Direkt zum Inhalt

Mark Foster übers Coming-Out Forderung nach mehr Offenheit für schwule Sportler

Von ms - 03.07.2026 - 14:00 Uhr
Mark Foster übers Coming-Out
Foto: IMAGO / Xinhua
ANZEIGE
Loading audio player...

Der frühere britische Olympiaschwimmer Mark Foster blickt in seinen neuen Memoiren „My Double Life“ auf die Jahre zurück, in denen er seine Homosexualität verborgen hielt. Der 55-Jährige beschreibt darin die Belastungen eines Doppellebens als Spitzensportler und äußert sich auch zur Situation homosexueller Fußballprofis.

Das Wichtigste im Überblick

  • Mark Foster beschreibt in seinen Memoiren sein Leben als ungeouteter schwuler Spitzensportler.
  • Der frühere Olympiaschwimmer outete sich erst 2017 im Alter von 47 Jahren.
  • Foster berichtet von Lügen und der Trennung von Berufs- und Privatleben.
  • Er ist überzeugt, dass es homosexuelle Spieler in der Premier League gibt, die sich nicht outen.
  • Zudem erinnert er an das Schicksal des früheren Fußballprofis Justin Fashanu.

Outing nach Karriere-Ende

Foster outete sich erst 2017 im Alter von 47 Jahren – nach einer erfolgreichen Karriere als Profischwimmer. Bei den Olympischen Spielen 2008 gewann er eine Silbermedaille und trug bei der Eröffnungsfeier als Fahnenträger die britische Flagge. In seinem Buch schildert Foster, wie sehr ihn das Verstecken seiner sexuellen Orientierung belastete. „Ich hielt mein Arbeits- und Privatleben komplett voneinander getrennt, niemals durften sie sich vermischen. Ich wurde sehr gut darin, Halbwahrheiten und glatte Lügen zu erzählen. Das war erschöpfend“, sagte er.

Weiter erklärte Foster: „Wenn dir die Gesellschaft vermittelt, dass es nicht richtig ist – sei es auf dem Schulhof, in der Umkleidekabine oder im Fernsehen –, dann dachte ich irgendwann: Okay, was auch immer ich fühle, ich kann nicht dieser Mensch sein. Dieses kleine Geheimnis wurde immer größer.“ Vor seinem Coming-Out führte Foster öffentlich eine Beziehung mit einer Frau namens Catherine. Tatsächlich sei sie jedoch lediglich eine gute Freundin gewesen. „Ihr tatsächlicher Partner hatte glücklicherweise nichts dagegen“, sagte er. Heute lebt Foster mit seinem Partner Craig McKay im englischen Leigh-on-Sea in der Grafschaft Essex.

Blick auf die Fußballwelt 

Mit Blick auf den Profifußball zeigte sich Foster überzeugt, dass es homosexuelle Spieler in der Premier League gibt. „Es muss schwule Fußballer in der Premier League geben“, sagte er. „Es muss Geschichten von unglaublich talentierten, außergewöhnlich begabten Fußballern geben, die das Gefühl hatten, in diesem Umfeld nicht offen homosexuell sein zu können, weil sie es nicht als sicheren Ort empfanden.“ Besonders bewegend sei für ihn das Schicksal des früheren Fußballprofis Justin Fashanu gewesen. Dieser war 1990 der erste offen schwule Profifußballer. Nach seinem Coming-Out sah sich Fashanu Anfeindungen von Fans, seiner Familie und den Medien ausgesetzt und nahm sich 1998 das Leben.

„Seine Geschichte bewegt mich bis heute sehr“, so Foster. „Er war unglaublich mutig, aber diese Geschichte erklärt zumindest teilweise, warum viele homosexuelle Menschen – mich eingeschlossen – sich nicht sicher genug fühlten, sich öffentlich zu outen.“ Mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung sagte Foster außerdem: „Glaube ich, dass es besser geworden ist? Ja. Glaube ich, dass wir dort sind, wo wir sein sollten? Nein. Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Menschen benutzen noch immer Hassrede und nennen sie Meinungsfreiheit. Es gibt weiterhin Vorurteile und weit verbreitete Homophobie. Das ist Mobbing.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER SPIEGELTürkei: Unabhängiges Onlineportal muss wegen angeblicher »LGBT-Propaganda« schließentazKonzertempfehlungen für Berlin: Klang gewordene WimmelbilderFrankfurter Allgemeine ZeitungInfluencerin Vapaux: In zehn Jahren möchte ich mein Girl sorglos küssenFrankfurter Allgemeine ZeitungInfluencerin Valentina Vapaux: In zehn Jahren möchte ich mein Girl sorglos küssenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Herkules liebte auch Männer

Die schwule Seite des Halbgottes

Herkules werden in antiken Überlieferungen auch zahlreiche männliche Liebhaber zugeschrieben – darunter Hylas, Abderos und Nireus.
Streit um Sexkauf-Gesetz

Island verschärft Freier-Strafen

Island will beim Sexkauf Geldstrafen streichen und Haft als Sanktion vorsehen. Organisationen von Sexarbeitern warnen vor mehr Gefahren.
„Heated Rivalry“ wird real

Stiftung für Shane und Ilya

Die Macher von „Heated Rivalry“ machen eine Idee aus der Romanvorlage zur Realität und gründen die gemeinnützige Irina Foundation.
Sieben Jahre Haft für Maja T.

Budapester Gericht senkt Strafe

Ein Berufungsgericht in Budapest reduziert die Haftstrafe für Maja T. auf sieben Jahre. Der Vater fordert die Überstellung nach Deutschland.
LEGO streitet um Jacke

„Queer Eye“-Outfit vor Gericht

Eine Lederjacke aus „Queer Eye“ beschäftigt jetzt ein US-Gericht: Designer James Concannon wirft LEGO eine Verletzung seines Urheberrechts vor.
Queerer Redakteur erschossen

Schwiegereltern unter Mordverdacht

Ein trans* Mitarbeiter der New York Times wurde erschossen – kurz vor einer Sorgerechtsanhörung. Seine Schwiegereltern sind tatverdächtig in Haft.
Newsom stärkt LGBTIQ+-Schutz

Kalifornien schützt queere Daten

Kalifornien stärkt mit sechs neuen Gesetzen den Schutz von LGBTIQ+-Menschen – und reagiert damit ausdrücklich auf die Politik der Trump-Regierung.
Köln feiert Dirk Bach

Feierliche Einweihung am Rhein

14 Jahre nach Dirk Bachs Tod wird sein Platz in Köln jetzt feierlich eingeweiht – nach einem jahrelangen Streit um die Namensgebung.
25 Jahre Haft für Mord

Tayy Thomas mit 17 getötet

Ein 22-Jähriger muss wegen des Mordes an der 17-jährigen trans* Jugendlichen Tayy Thomas in Alabama für 25 Jahre ins Gefängnis.