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Italien: Initiative fordert PMA für Lesben

Medizinische Fortpflanzung Italien: Initiative fordert PMA für Lesben

tb - 02.07.2026 - 15:30 Uhr
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In Italien hat die Initiative „PMA für alle“  von Bürgerinnen und Bürgern einen entscheidenden Schritt erreicht: Aktivistinnen und Aktivisten sammelten innerhalb weniger Wochen Zehntausende Unterschriften für eine parlamentarische Gesetzesinitiative, die es alleinstehenden Frauen und lesbischen Paaren ermöglichen soll, in Italien legal eine medizinisch assistierte Fortpflanzung (PMA) durchzuführen. Bisher ist diese Möglichkeit nach Artikel 5 des Gesetzes 40/2004 ausschließlich heterosexuellen Paaren vorbehalten – eine Einschränkung, die im europäischen Vergleich als klare Diskriminierung gilt und viele Betroffene zwingt, kostenintensive Auslandsbehandlungen in Anspruch zu nehmen. Nun steht das Thema durch den Vorstoß der Associazione Luca Coscioni und die breite Unterstützung aus der Zivilgesellschaft erneut auf der politischen Agenda.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Italien erlaubt bislang nur verschiedengeschlechtlichen Paaren den Zugang zur medizinischen Fortpflanzung.
  • Für die parlamentarische Behandlung der Initiative „PMA für alle“ werden 50.000 zertifizierte Unterschriften benötigt.
  • Über 32 weitere europäische Länder ermöglichen bereits auch lesbischen Paaren und alleinstehenden Frauen Zugang zu PMA (Procréation Médicalement Assistée).
  • Das italienische Verfassungsgericht sieht keine verfassungsrechtlichen Hindernisse für eine Öffnung des Zugangs.
  • Seit 2004 wurden durch gesetzliche und richterliche Lockerungen bereits über 30.000 Kinder durch PMA in Italien geboren.

 

Gesetzeslage und Folgen für Betroffene

Nach geltendem Recht dürfen nur verheiratete oder zusammenlebende heterosexuelle Paare in Italien medizinisch unterstützte Fortpflanzungskliniken nutzen. Frauen ohne männlichen Partner und lesbische Paare müssen auf Kliniken im Ausland ausweichen, sofern sie sich eine solche Behandlung überhaupt leisten können. Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jede sechste Person im gebärfähigen Alter von Unfruchtbarkeit betroffen. Die finanziellen, psychischen und sozialen Belastungen seien erheblich, sagt Filomena Gallo, Generalsekretärin der Associazione Luca Coscioni: „Viele Frauen werden weiter ausgeschlossen – das Recht auf Elternschaft darf nicht vom Familienstand oder der sexuellen Orientierung abhängen.“

 

Verfassungsgericht und politische Dynamik

Das italienische Verfassungsgericht machte 2025 in zwei richtungsweisenden Urteilen deutlich, dass die Beschränkung im Gesetz 40 verfassungsrechtlich nicht zwingend ist. Im Urteil 69/2025 wird ausdrücklich erklärt, der Zugang könne auf lesbische Paare und alleinstehende Frauen ausgeweitet werden, das letzte Wort habe aber der Gesetzgeber. Die bisherige Sperrregelung widerspricht internationalen Entwicklungen – so räumen etwa Frankreich und Spanien den Zugang zur PMA unabhängig von der sexuellen Orientierung oder dem Zivilstand ein. In Italien fordern nun zahlreiche Initiativen, darunter auch der Verein „Famiglie Arcobaleno“, eine rasche Angleichung an die europäischen Standards, auch im Hinblick auf die alarmierende Geburtenrate und den demografischen Wandel.

 

Hintergrund: Wandel durch Rechtsprechung

Das in Italien restriktive PMA-Gesetz wurde seit dessen Einführung 2004 mehrfach durch Gerichtsentscheidungen aufgelockert. 2009 fiel die Limitierung auf drei Embryonen, 2014 wurde die Eizellspende auch für unfruchtbare heterosexuelle Paare erlaubt und 2015 das Recht auf genetische Diagnostik vor Embryonenimplantation zugesprochen. Laut Associazione Luca Coscioni kamen seitdem mehr als 30.000 Kinder zur Welt, die ohne die Anpassungen des Gesetzes nicht geboren worden wären. Der aktuelle Vorstoß will nun die letzte bestehende Benachteiligung gezielt beseitigen.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Ab wann könnte das Parlament über die Initiative abstimmen?
Nach Erreichen und Bestätigung von 50.000 zertifizierten Unterschriften wird die Gesetzesvorlage offiziell eingereicht. Je nach parlamentarischem Verfahren kann dies einige Monate in Anspruch nehmen.

Welche Änderungen fordert die Initiative konkret?
Sie verlangt die Streichung aller Beschränkungen bezüglich Geschlecht, Zivilstand oder Familienmodell im Gesetz 40/2004, sodass künftig alle erwachsenen Frauen Zugang zu PMA haben.

Wie positioniert sich die WHO zur PMA?
Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet den Zugang zu Fortpflanzungsmedizin als fundamentales Menschenrecht – unabhängig von Beziehungsstatus und sexueller Orientierung.

 

Ausblick

Die Initiative „PMA für alle“ nimmt gezielt den Gesetzgeber in die Pflicht, eine längst überfällige Gleichstellung bei der Familiengründung herzustellen. Die nächsten Schritte hängen nun vom Erfolg der Unterschriftensammlung und der anschließenden parlamentarischen Behandlung ab, die viele Betroffene und Verbände mit großer Spannung erwarten.

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