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Gerhard Hoffmann wird 80 Gründer des schwul-lesbischen Stadtfests

Von ms - 29.06.2026 - 15:30 Uhr
Gerhard Hoffmann wird 80
Foto: IMAGO / Emmanuele Contini
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Gerhard Hoffmann gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten der Berliner LGBTIQ+-Community. Der Diplom-Politologe war Gastwirt, Verleger, Moderator und Mitbegründer des lesbisch-schwulen Stadtfests. Anlässlich seines 80. Geburtstags am Samstag den 11. Juli stellt er in der Heilig-Kreuz-Kirche sein Gesamtkunstwerk „Die Geschichte des Cellos, das Auschwitz überlebt hat“ vor.

Das Wichtigste im Überblick

  • Gerhard Hoffmann zählt zu den Mitbegründern des lesbisch-schwulen Stadtfests in Berlin.
  • Der Politologe engagierte sich früh in der Schwulenbewegung und verschiedenen Bürgerinitiativen.
  • Mit dem „Anderen Ufer“ eröffnete er 1977 eine der ersten offen schwulen Kneipen Europas.
  • Zum 80. Geburtstag präsentiert Hoffmann ein Musiktheaterwerk über ein Cello, das Auschwitz überlebte.
  • Politik spielt für ihn eine wichtige Rolle – auf der Bühne des Stadtfests soll sie jedoch nicht dominieren.

Viel Politik und Gastronomie 

Politik war über viele Jahre ein wichtiger Bestandteil von Hoffmanns Lebens. Während seines Studiums engagierte er sich in verschiedenen Basisgruppen, beteiligte sich an der Schwulenbewegung und arbeitete im Chile- sowie im Berufsverbote-Komitee der Freien Universität Berlin mit. Bis heute steht er in engem Austausch mit dem Rathaus Schöneberg. Dabei geht es unter anderem um das Stadtfest oder das Hissen der Regenbogenflaggen sowie aktuelle Themen der queeren Berliner Community. Sogar den Schritt in die Parteipolitik zog Hoffmann zeitweise ebenfalls in Betracht. Er spielte mit dem Gedanken, als Parteiloser für die Grünen bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus anzutreten, verwarf diese Pläne jedoch wieder. „Ich habe rechtzeitig gemerkt, dass das nichts für mich ist“, so Hoffmann.

Neben seinem politischen und gesellschaftlichen Engagement prägte Hoffmann auch die Berliner Gastroszene. Gemeinsam mit Mitstreitern eröffnete er 1977 das „Andere Ufer“, das als erste offen schwule Kneipe Europas gilt. Wie viele Projekte jener Zeit wurde auch das Lokal als Kollektiv betrieben. Nicht überall stieß das Konzept auf Zustimmung. Kritik kam nach Hoffmanns Erinnerung nicht nur von außen, sondern auch aus Teilen der linken Schwulenbewegung. Auch als Verleger machte sich Hoffmann einen Namen. Den 1981 gemeinsam mit anderen gegründeten Albino-Verlag gab er erst vor wenigen Jahren auf. Die Gaststätte „Anderes Ufer“ hatte er bereits zuvor verkauft. Für sein Engagement wurde er bereits 2016 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, 2023 folgte dann die Schöneberger Verdienstmedaille. 

Kulturelle Projekte und Stadtfest

Heute widmet sich Hoffmann vor allem kulturellen Projekten. Wenn er nicht Veranstaltungen vorbereitet oder Gesprächsrunden moderiert, arbeitet er als Autor. Zum 80. Geburtstag präsentiert Hoffmann nun „Die Geschichte des Cellos, das Auschwitz überlebt hat“. Das Werk erzählt von einem jungen Cellisten, der mitten aus seinem Berliner Leben gerissen wird und schließlich im Konzentrationslager Auschwitz landet.´„Es gibt keine Worte, in keiner Sprache, die den zynischen Terror, der in den Konzentrationslagern wütete, beschreiben können. Einem Terror, der selbst die Musik zum Instrument des Grauens machte.“ Die Schirmherrschaft haben Imamin Seyran Ateş und Linken-Politiker Klaus Lederer übernommen. Das Motto: „Ich verschönere die Welt!“. Termin ist der 11. Juli um 20 Uhr in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche. Unkostenbeitrag sind 10,- Euro. 

Kurz danach moderiert Hoffmann erneut auf dem lesbisch-schwulen Stadtfest seine Gesprächsrunde, die bewusst den Titel „Promi-Talk“ trägt. „Wenn ich Politik machen will, dann doch nicht auf einem Stadtfest", so Hoffmann vor einigen Jahren augenzwinkernd. Auf dem sogenannten „wilden Sofa“ begrüßt er in diesem Jahr die kurdische trans* Frau Berfin Çelebi, Frauenrechtlerin Seyran Ateş, Gründerin der queerfreundlichen Berliner Ibn Rushd-Goethe Moschee, und die Musikerin und Autorin Luci van Org, die in den 1990er Jahren als Lucilectric mit Hits wie „Mädchen“ und „Hey Süsser“ sehr bekannt wurde. Das Thema in diesem Jahr: „Wir verschönern die Welt“. Das 32. Stadtfest selbst rund um den Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg steht dann unter dem Motto „Gleiche Rechte für Ungleiche – weltweit!“. Hoffmann dazu: „Mit diesem Motto fordern wir Akzeptanz, Freiheit, Gleichheit und das Recht auf Selbstbestimmung überall auf der Welt.“ Wie die Jahre zuvor auch werden etwa eine halbe Million Besucher erwartet. 

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