Amoklauf in Montreal Attentäter hatte es auf Pornodarsteller abgesehen
Bei einer Schießerei vor einem Hilton Hotel in Montreal sind drei Menschen getötet worden. Die Tat ereignete sich in der Nähe der Büros von Aylo, der Muttergesellschaft von Pornhub. Nach Angaben der Polizei starben ein 34-jähriger Polizeibeamter, ein Zivilist sowie der mutmaßliche Täter. Ein weiterer Polizist wurde verletzt, befindet sich jedoch in stabilem Zustand.
Das Wichtigste im Überblick
- Drei Tote nach Schießerei in Montreal
- Tatort nahe Hauptsitz der Pornhub-Muttergesellschaft Aylo
- Unter den Toten: ein Polizist, ein Zivilist und der mutmaßliche Täter
- Manifest mit frauenfeindlicher, homophober und Incel-Ideologie gefunden
- Anschlagsserie auf Pornostars und Porno-Unternehmen geplant
- Polizei spricht von „Tragödie“ und beendete akute Gefährdung
Anschlagspläne auf Porno-Stars
Nach Berichten wurde ein Manifest dem mutmaßlichen Täter zugeschrieben, der von der Montreal Gazette als Seth Hatfield identifiziert wurde. In dem Dokument wird Pornografie-Unternehmen sowie Frauen eine Mitschuld am „Leid von Männern“ gegeben. Das Manifest enthält Rhetorik, die der sogenannten „Incel“-Bewegung zugeordnet wird, die von der Vorstellung geprägt ist, Frauen seien für das fehlende romantische und sexuelle Leben von Männern verantwortlich. In dem Text werden zudem Kapitalismus sowie verschiedene Zielgruppen als mögliche Angriffsziele genannt, darunter Politiker, „einflussreiche Zionisten“, Homosexuelle, Bankenvertreter, der Hauptsitz internationaler Porno-Unternehmen sowie erfolgreiche Pornodarsteller, denen vorgeworfen wird, Pornografie aktiv zu verbreiten.
Keines der Opfer arbeitete in der Erwachsenenfilmindustrie. Dennoch wurden im Nachgang beschädigte Fenster am Gebäude der Pornhub-Muttergesellschaft festgestellt. Das Manifest enthält außerdem Aussagen zur sogenannten „Hypergamy State“-Ideologie, in der Frauen vorgeworfen wird, mehrere Partner zu bevorzugen, anstatt an eine feste Bindung gebunden zu sein. Zudem werden Pläne für eine „neue Ordnung“ beschrieben, die Frauen wirtschaftliche und sexuelle Freiheiten entziehen solle. Das 104-seitige Dokument endet mit den Worten: „Seid unerschrocken, zieht los und tötet sie alle!“
Polizeichef spricht von Tragödie
Bilder und Videos aus sozialen Medien zeigen einen Mann in militärähnlicher Kleidung mit einer Langwaffe. Ein Restaurantmanager in der Nähe sagte der New York Times, er habe eine Person in Tarnkleidung gesehen, die offenbar der Schütze gewesen sei. Der Polizeichef von Montreal, Fady Dagher, erklärte, es bestehe „keine unmittelbare Gefahr für die Öffentlichkeit mehr“ und bezeichnete die Tat als „Tragödie“. Die Schießerei hatte zuvor zu einer rund dreistündigen Gefahrenlage geführt, in der die Bevölkerung aufgefordert worden war, in Gebäuden zu bleiben.
Der getötete Polizist wurde als Constable Mohamed Lamine Benredouane identifiziert, der getötete Zivilist als der 68-jährige Michael Mizrahi. Laut Berichten der Times of Israel war Mizrahi Mitglied der jüdischen Gemeinde Montreals. Da sich die Tat in einem jüdischen Viertel ereignete, gab es zunächst Spekulationen über antisemitische Motive, die Behörden warnten jedoch vor vorschnellen Schlussfolgerungen.