Debatte um schwule Badehäuser Minneapolis prüft Aufhebung des jahrelangen Verbots
Der Stadtrat von Minneapolis hat sich mit einer möglichen Aufhebung eines seit 1988 bestehenden Verbots von sogenannten „Adult Bathhouses“ befasst. Die Regelung untersagt Einrichtungen, in denen Erwachsene sexuelle Handlungen ausüben können, und zielte direkt auf die schwulen Einrichtungen und Angebote ab.
Das Wichtigste im Überblick
- Stadtrat von Minneapolis berät über Abschaffung eines Verbots von 1988 für Adult Bathhouses
- Mehr als 30 Einwohner sprechen sich für eine Aufhebung aus
- LGBTIQ+-Aktivisten sehen im Verbot eine historische Diskriminierung
- Bürgermeister Jacob Frey signalisiert grundsätzliche Zustimmung
- Entscheidung wäre nur ein erster Schritt hin zu möglicher künftiger Legalisierung
- Aufhebung des Verbots könnte landesweite Signalwirkung haben
Stadtrat in Minneapolis diskutiert Verbot
Mehr als 30 Bürger äußerten sich laut Sitzung für eine Abschaffung der Regelung. Besonders aus der LGBTIQ+-Community kam Unterstützung. Aktivisten argumentierten, das Verbot habe ursprünglich gezielt gleichgeschlechtliche Beziehungen sowie Menschen mit HIV und AIDS benachteiligt. Jay Orne, Forscher beim Aliveness Project, sagte laut MPR News: „Studien haben gezeigt, dass das Verdrängen sexueller Aktivitäten in weniger sichtbare Räume das Risiko nicht beseitigt. Es macht Aufklärungs- und Präventionsarbeit schwieriger.“ Befürworter verweisen zudem auf mögliche Vorteile für den Tourismus sowie auf bessere Möglichkeiten für Safer-Sex-Praktiken.
Bürgermeister Jacob Frey erklärte: „Wir müssen uns derzeit stark auf öffentliche Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Wohnraum konzentrieren. Bin ich grundsätzlich mit der Richtung einverstanden, die der Stadtrat hier verfolgt? Ja. Es ist nur nicht das Erste, woran ich arbeiten möchte.“ Der Stadtrat soll in der kommenden Woche über die Vorlage abstimmen. Eine sofortige Öffnung von Badehäusern und Saunen wäre damit nicht verbunden; vielmehr wäre es ein erster Schritt in einem längeren rechtlichen Prozess. In Minneapolis gab es früher drei solcher Einrichtungen. Eine davon, die „Locker Room Baths“, wurde 1979 bei einer Razzia geschlossen – es war die größte Razzia eines Adult Bathhouses in der US-Geschichte.
Signalwirkung für ganz Amerika?
Die die schwule Community in den USA könnte der neuste Beschluss eine Signalwirkung für eine Neubesinnung über schwule Badehäuser in den ganzen Vereinigten Staaten von Amerika sein – so die Hoffnung. In einigen liberaleren US-Metropolen wie New York sind solche Treffpunkte unter dem Deckmantel von Mitgliederclubs, Saunen oder Adult-Entertainment-Einrichtungen inzwischen wieder legal und geöffnet, während sie in vielen konservativeren Landesteilen noch immer verboten oder durch strenge lokale Sittengesetze nach den Einschränkungen aus der Aids-Ära stark eingeschränkt sind. Im Fall von Minneapolis geht es also um weit mehr als eine rein lokal begrenzte Umbesinnung.
Historischer Kontext
Die Geschichte von Badehäusern und später schwulen Bathhouses reicht mehrere Jahrhunderte zurück und ist geprägt von Verfolgung, aber auch von zunehmender gesellschaftlicher Sichtbarkeit. Bereits 1492 warnte ein Gericht in Florenz, Italien, lokale Badehäuser vor „verdächtigen Jungen“ im Rahmen eines Vorgehens gegen „Sodomie“. In den folgenden zwei Jahren wurden dort 44 Männer wegen homosexueller Handlungen verurteilt. Auch in Granada ordnete Königin Isabella nach der Eroberung 1492 die Schließung öffentlicher Bäder an, um homosexuelle Aktivitäten zu unterbinden.
1876 kam es in Paris zu einer Razzia im Badehaus „Bains de Gymnase“, nachdem dort mehrere junge Männer wegen „unsittlichen Verhaltens“ aufgegriffen worden waren. Die Beteiligten sowie Personal wurden strafrechtlich verfolgt. In New York folgte eine Razzia im „Ariston Hotel Baths“, bei der 34 Männer festgenommen und 16 wegen Sodomie angeklagt wurden. Der Fall gilt als frühes Beispiel staatlicher Verfolgung homosexueller Handlungen. Später entwickelten sich Badehäuser zunehmend zu Treffpunkten für schwule Männer. Das „Everard“-Bathhouse in New York wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts zunächst allgemein genutzt, ab den 1920er-Jahren aber zunehmend von schwulen Männern besucht und erhielt später den Spitznamen „Everhard“.
In den 1950er-Jahren entstanden erstmals explizit schwule Badehäuser. In den 1970er-Jahren wurden sie ein fester Bestandteil schwuler Kultur. Prominente wie Truman Capote oder Rock Hudson gehörten zu den Besuchern. Sängerin Bette Midler begann ihre Karriere in den Continental Baths in New York und erhielt den Spitznamen „Bathhouse Betty“. Mit dem Auftreten von HIV in den 1980er-Jahren gerieten Bathhouses erneut unter politischen Druck. Viele wurden geschlossen oder stark reguliert, etwa in San Francisco und New York. Teilweise wurden Verbote erst Jahrzehnte später wieder aufgehoben. Trotz dieser Entwicklung existieren Bathhouses bis heute weltweit und gelten für viele als Orte sozialer Begegnung, Gemeinschaft und auch sexueller Selbstbestimmung. Jameson Farn, Autor von „Bathhouse Babylon“, beschreibt sie als Räume mit sozialer Bedeutung: „Für schwule Männer haben sie ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit geschaffen. Ich denke, es ist ein sicherer Raum für schwule Männer – sie fühlen sich etwas freier, andere Menschen zu treffen, sich einzubringen und auch mehr über sich selbst zu entdecken.“ Er betont zudem, dass viele Einrichtungen Safer Sex aktiv fördern und Kondome, Gleitmittel sowie Gesundheitsberatung anbieten.