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Gewalt an Schulen nimmt zu

Gewalt an Schulen nimmt zu Erste große Schulstudie in Berlin zeigt Ausmaß von Hass

ms - 22.06.2026 - 14:30 Uhr
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An Berliner Schulen mehren sich nach einer neuen Untersuchung Gewalt, Mobbing und Konflikte deutlich. Besonders problematisch ist dabei laut Studie auch die Entwicklung im digitalen Raum sowie wachsender sozialer und religiöser Druck unter Schülerinnen und Schülern. Beliebte Opfer sind dabei insbesondere auch queer und homosexuelle Jugendliche.

Das Wichtigste im Überblick

  • Neue Studie zeigt deutlichen Anstieg von Gewalt und Mobbing an Berliner Schulen
  • Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte sieht Gewalt als großes oder sehr großes Problem
  • Fast zwei Drittel berichten von zunehmender Gewalt, besonders im digitalen Raum
  • Befragung von über 14.000 Schülern sowie rund 2.500 Beschäftigten
  • Viele queere Jugendliche sind besonders stark von Hass und Gewalt betroffen
  • Berlin legt erstmals umfassendes wissenschaftliches Konflikt- und Gewaltbarometer vor

Große Probleme an den Schulen 

Mit dem sogenannten Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer liegt erstmals in einem Bundesland eine umfassende wissenschaftliche Erhebung zu Konflikten, Diskriminierung und Gewalt an Schulen vor. Grundlage sind die Angaben von mehr als 14.000 Schülerinnen und Schülern sowie rund 2.500 Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitenden. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Mehr als die Hälfte des befragten pädagogischen Personals bewertet Gewalt und Konflikte an der eigenen Schule als großes oder sehr großes Problem. Fast zwei Drittel berichten zudem von einer Zunahme der Gewalt in den vergangenen Jahren, insbesondere im digitalen Bereich. Auch religiöser und sozialer Konformitätsdruck werde häufiger wahrgenommen. Auffällig sei zudem, dass viele dieser Entwicklungen bereits in der Grundschule sichtbar seien. Die Angaben der Schülerinnen und Schüler bestätigten diese Einschätzungen und reichten von Beleidigungen bis hin zu körperlicher Gewalt.

Eskalation nimmt weiter zu 

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) sprach von einem deutlichen Warnsignal. Sie erklärte: „Die Ergebnisse dieser Studie sind ein deutliches Warnsignal. Wenn fast zwei Drittel der Lehrkräfte von einer Zunahme von Gewalt berichten und 80 Prozent beobachten, dass Konflikte schneller eskalieren als noch vor wenigen Jahren, dann dürfen wir das nicht als normalen Schulalltag akzeptieren. Besonders besorgniserregend ist, dass viele dieser Entwicklungen bereits an Grundschulen sichtbar werden. Schule muss ein Ort des Lernens, des Respekts und der Sicherheit sein.“ Weiter betonte sie: „Berlin ist das erste Bundesland, das sich dieser Aufgabe in dieser Form gestellt hat. Wir wollen nicht wegschauen, wir wollen wissen. Die Ergebnisse liefern uns jetzt einen klaren Auftrag: Probleme benennen, Entwicklungen ernst nehmen und dort handeln, wo Schulen Unterstützung brauchen.“

Umfassender Blick auf Gewalt an Schulen 

Auch die wissenschaftlichen Projektbeteiligten ordnen die Ergebnisse ein. Dr. Steffen de Sombre vom Institut für Demoskopie Allensbach sagte: „Mit dem Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer liegt erstmals eine repräsentative und sehr umfassende Datengrundlage vor, die sowohl die Perspektiven und Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern als auch die der Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte abbildet. Die Daten ermöglichen damit einen umfassenden Blick auf Ausmaß und Erscheinungsformen von Konflikten und Gewalt an Schulen. Gleichzeitig werden die Treiber von Gewalt aufgezeigt und damit ein Blick auf mögliche Handlungsfelder eröffnet.”

Prof. Dr. Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld ergänzte: „Die Befunde bestätigen Entwicklungen, die wir auch aus nationalen und internationalen Untersuchungen kennen. Vor allem der Schultyp spiel eine große Rolle, aber auch das Belastungsprofil der Schüler. Auffällig ist die hohe Gewaltbelastung und die sehr genaue Problemwahrnehmung des pädagogischen Personals. Schulklassen sind zumeist nicht homogen, sondern es hängt von der Anzahl derjenigen ab, die gewaltförmig agieren.“

Digitale Raum potenziert Hass 

Prof. Dr. Marc Grimm von der Bergischen Universität Wuppertal erklärte: „Toleranzschwellen gehen in den Schulen auseinander. Lehrkräfte und Schüler bewerten verbale Grenzüberschreitungen unterschiedlich, aber auch die Schüler untereinander. Der digitale Raum verlängert meist Konflikte, die in der Schule bereits sichtbar werden. Daneben berichtet eine beträchtliche Anzahl neben verbaler und sozialer Gewalt auch über körperliche Gewalterfahrungen. Hier helfen nur klare Regeln und deren Einhaltung.“ Die Veröffentlichung der Studie markiert nach Angaben der Verantwortlichen den Beginn weiterer Auswertungen und Gespräche mit Schulen, Verbänden sowie Fachleuten. Ziel sei es, auf Basis der Ergebnisse Maßnahmen für mehr Sicherheit und Respekt zu entwickeln. Vorgesehen sei dabei ein Dreiklang aus Prävention, frühzeitiger Intervention und Konsequenzen bei Gewalt.

LGBTIQ+-Jugend im Fokus 

Verschärfend kommt hinzu: Mehrere internationale Studien haben bereits belegt, dass lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und queere Jugendliche in Bildungseinrichtungen überdurchschnittlich häufig Ziel von Mobbing und Diskriminierung sind. Eine viel zitierte Erhebung von UNESCO und der internationalen LGBTIQ+-Jugendorganisation IGLYO zeigt etwa, dass 54 Prozent der befragten LGBTIQ+-Jugendlichen mindestens einmal Mobbing in der Schule erlebt haben. Grundlage ist eine Befragung von mehr als 17.000 jungen Menschen in Europa. Zusätzlich berichteten in derselben Untersuchung 83 Prozent der Befragten, dass sie negative oder abwertende Kommentare über LGBTIQ+-Personen gehört haben. 

Auch internationale Vergleichsdaten zeigen ein ähnliches Bild: In mehreren Ländern sind LGBTIQ+-Jugendliche deutlich häufiger von schulischer Gewalt betroffen als heterosexuelle Jugendliche. Studien aus dem Bereich der Bildungsforschung kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit von Viktimisierung bei queeren Jugendlichen signifikant erhöht ist. Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass sich Mobbing nicht nur auf verbale Angriffe beschränkt. Häufig treten Kombinationen aus sozialer Ausgrenzung, verbalen Angriffen und physischer Gewalt auf. Studien verweisen zudem auf negative Folgen für die psychische Gesundheit, darunter erhöhte Belastungen durch Angst, Depressionen und Stresssymptome. Auch neuere Untersuchungen bestätigen die anhaltende Problematik. So dokumentieren verschiedene Studien, dass LGBTIQ+-Jugendliche im digitalen Raum zusätzlich verstärkt von Belästigung betroffen sind, was schulische Konflikte häufig weiter verschärft.

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