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Schwuler Strand in Gefahr

Schwuler Strand in Gefahr Historischer Community-Ort in Toronto von Erosion bedroht

ms - 12.06.2026 - 16:00 Uhr
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Einer der bekanntesten schwulen Orte Kanadas steht nach Angaben von Aktivisten vor einer ungewissen Zukunft. Hanlan’s Point Beach auf den Toronto Islands, seit Jahrzehnten ein wichtiger Treffpunkt der schwulen Community, könnte ohne umfangreiche Schutzmaßnahmen in den kommenden Jahren weitgehend verschwinden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Hanlan’s Point Beach auf den Toronto Islands gilt als ältester FKK-Strand der Welt und als wichtiger Ort der schwulen Geschichte Kanadas.
  • Durch fortschreitende Erosion sind große Teile des Strandes bereits verschwunden.
  • Aktivisten sprechen von einem Verlust von 75 Prozent des historischen schwulen Areals innerhalb eines Jahrzehnts.
  • Die Stadt Toronto hat bereits Sand aufschütten lassen, Kritiker halten die Maßnahmen jedoch für unzureichend.
  • Die erste kanadische Pride-Veranstaltung fand 1971 an diesem Strand statt – der damalige Veranstaltungsort liegt inzwischen unter Wasser.

Strand mit Pride-Geschichte

Der Strand gilt als ältester FKK-Strand der Welt. Seine Geschichte als offizieller Naturistenstrand reicht bis ins Jahr 1894 zurück. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Hanlan’s Point zudem zu einem beliebten Treffpunkt der schwulen Gemeinschaft Torontos. Besondere historische Bedeutung erlangte der Ort am 1. August 1971. Damals fand dort die erste Pride-Veranstaltung Kanadas statt. Die meisten Besucher erreichen den Strand mit einer zehn- bis fünfzehnminütigen Fährfahrt vom Jack Layton Ferry Terminal in Toronto. Anschließend führt ein etwa zehnminütiger Fußweg zum Strand. Orientierung bietet dabei ein rund 600 Meter langer Regenbogenweg mit dem Namen „The Long Walk to Equality“. Vor allem während der Sommermonate zieht Hanlan’s Point zahlreiche Mitglieder der LGBTIQ+-Community an.

Erosion bedroht besonderen Ort

Nach Einschätzung von Aktivisten ist die zunehmende Erosion die größte Gefahr für den Strand. Verantwortlich sei dafür teilweise auch menschliches Handeln. Als einen wesentlichen Auslöser nennen sie den Bau des Leslie Street Spit, einer künstlich angelegten Landzunge im Osten von Toronto, die ab 1959 entstand und nach Ansicht von Umweltschützern die natürlichen Strömungsverhältnisse im Bereich des Ontariosees verändert hat.´David Jubb, Mitbegründer der Initiative „Friends of Hanlan’s“, erklärt: „Der Spit hat dem Strand seine jährliche, natürliche Auffüllung durch Sandbänke genommen. Er wird Jahr für Jahr einfach weggefressen.“ 

Besonders alarmierend sei die Entwicklung der vergangenen Jahre. „Allein im letzten Jahrzehnt hat Hanlan’s 75 Prozent seines historischen schwulen Raums verloren“, so Jubb. Die Folgen sind inzwischen deutlich sichtbar. Der Ort, an dem 1971 die erste kanadische Pride-Veranstaltung stattfand, befindet sich heute unter Wasser. „Zwei längs ausgelegte Strandtücher entsprechen der Breite des Sandstreifens zwischen Dünenzaun und Wasser“, schildert Jubb die Situation. „An Wochenenden gibt es praktisch nur noch Stehplätze.“

Teilweise Schließung des Strandes

Nach Angaben von Aktivisten wurden Gegenmaßnahmen lange Zeit verzögert und konnten mit den steigenden Wasserständen nicht Schritt halten. In den vergangenen Monaten habe sich die Situation nochmals deutlich verschärft. Vor wenigen Wochen sah sich die Stadt gezwungen, den südlichen Abschnitt des Strandes wegen der Erosion zu sperren. Besucher müssen sich nun auf noch weniger Fläche verteilen.

Travis Myers, ebenfalls Mitbegründer von „Friends of Hanlan’s“, sagte gegenüber CityNews, der „Strand sei zerstört worden“. Nach seiner Ansicht müsse die Stadt schnell handeln und zusätzliche Sandmengen aufschütten. „Für die schwule Gemeinschaft wäre der Verlust dieses Ortes schrecklich. Dies ist ein Ort, an den Menschen kommen können, wie sie sind, der frei zugänglich ist. Es gibt nur sehr wenige Orte dieser Art in Kanada und weltweit, an denen Menschen ihre Gemeinschaft finden können“, so Myers. Zugleich kritisierte er die Verantwortlichen: „Wir weisen die Mitarbeiter auf der Insel seit Jahren darauf hin. Wir weisen den Stadtrat seit Jahren darauf hin, dass hier Sand aufgeschüttet werden muss. Das ist eine Beleidigung für die Gemeinschaft, besonders jetzt, mitten im Pride-Monat.“

Stadt verweist auf Untersuchungen

Netami Stuart, leitende Projektmanagerin der Stadt Toronto, erklärte gegenüber CityNews, dass die Toronto and Region Conservation Authority zwischen 2021 und 2023 rund 50.000 Tonnen Sand an den südlichen Abschnitt von Hanlan’s Point transportiert habe. Sie räumte ein, dass weitere Maßnahmen notwendig seien. Derzeit würden jedoch zunächst Untersuchungen durchgeführt, um die wirksamsten Lösungen zu ermitteln.

Die Aktivisten begrüßen die bisherigen Maßnahmen grundsätzlich, betonen aber, dass deutlich mehr getan werden müsse. „Hunderte Küstenstädte auf der ganzen Welt wissen, wie sie ihre Strände jedes Jahr mit neuem Sand versorgen können“, sagte Jubb. „In vielen Städten Nordamerikas, Europas und Asiens gehört die jährliche Sandaufschüttung längst zum Standard. Miami ist ein gutes Beispiel. Fast alle Strände dort sind künstlich angelegt.“ Toronto habe sich dagegen lange auf seine Lage an einem großen See verlassen und die Problematik unterschätzt, meint der Aktivist.

Auch regelmäßige Besucher beobachten die Entwicklung mit Sorge. „Hanlan’s Beach war immer eines meiner liebsten Sommerziele – ein Ort, an dem ich mit meinem Partner und Freunden entspannen und das einzigartige Gefühl von Freiheit und Gemeinschaft genießen konnte“, sagte der Toronter Rahil Hudda. „Dieses Jahr war es enttäuschend zu sehen, wie viel von dem neueren schwulen Strandbereich durch die Erosion verloren gegangen ist. Es ist traurig zu sehen, wie sich ein so ikonischer Strand Torontos so dramatisch verändert hat, und das hat definitiv meine Vorfreude auf einen Besuch in diesem Sommer beeinträchtigt.“

Forderungen nach schnellerem Handeln

Ende Mai brachte die stellvertretende Bürgermeisterin Ausma Malik, die den Bezirk Toronto Island im Stadtrat vertritt, einen Antrag zur Bekämpfung der Erosion ein. Dieser sieht vor, dass die zuständigen Stellen ein Programm zur Wiederherstellung der Küstenlinie entwickeln sollen, das 2027 beginnen soll. Außerdem fordert der Beschluss eine kurzfristige Aufschüttung weiterer Sandmengen, insbesondere nach der Schließung des südlichen Strandabschnitts. Der Antrag wurde angenommen.

Den Aktivisten geht das jedoch nicht weit genug. Jubb kritisiert, dass der Beschluss keine verbindlichen Fristen enthalte. Er fordert Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow auf, die Problematik zur Priorität zu machen. „Die Bürgermeisterin hat geschlafen. Wenn die Bürgermeisterin nicht dafür sorgt, dass die Mitarbeiter handeln und vorankommen, passiert nichts. Jetzt ist die entscheidende Phase. Wir müssen viele interne Hürden der Stadt überwinden, etwa Beschaffungsregeln“, sagte Jubb.

Besonders frustrierend sei für ihn der Vergleich mit den Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft. „Es ist umso herzzerreißender, das während der FIFA-Weltmeisterschaft zu erleben. Die Stadt Toronto hat sich – wie viele andere Städte in Nordamerika – für die FIFA regelrecht verbogen.“ Toronto habe Millionen investiert und Sonderregelungen geschaffen, um das Turnier zu ermöglichen. Jubb wünscht sich dieselbe Dringlichkeit nun auch für Hanlan’s Point.

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